Bayer mit BVB-Schwung in der Champions League

Leverkusens Kapitän Simon Rolfes (li.) und sein Team hatten nach dem 1:0-Sieg gegen den BVB allen Grund zur Freude. Den Schwung wollen sie mit in die Champions League nehmen.
Leverkusens Kapitän Simon Rolfes (li.) und sein Team hatten nach dem 1:0-Sieg gegen den BVB allen Grund zur Freude. Den Schwung wollen sie mit in die Champions League nehmen.
Foto: afp
Trotz des 0:5 gegen Manchester hat Bayer Leverkusen in San Sebastian noch gute Chancen auf das Erreichen des Achtelfinals. Das Rezept dafür scheint klar: Einfach so spielen wie in Dortmund.

San Sebastian. Das Bild von "Leverkusener Angsthasen" soll endlich Geschichte sein. Nach der bestandenen Reifeprüfung bei Borussia Dortmund ist Bayer Leverkusen mit breiter Brust und mächtigem Selbstvertrauen zum entscheidenden Champions-League-Spiel ins Baskenland gereist.

Das 0:5-Debakel gegen Manchester United nur zwölf Tage zuvor schien Lichtjahre entfernt, die Losung war klar: Wer 1:0 in Dortmund gewinnt, und das hochverdient, der kann auch bei Real Sociedad San Sebastian (Dienstag, 20.45 Uhr/live in unserem Ticker) siegen.

Zudem soll nach der nationalen Wiedergutmachung in Dortmund nun auch die auf internationaler Bühne gelingen. "Obwohl Dortmund durchaus als internationale Wiedergutmachung durchgeht", wie Sportchef Rudi Völler schmunzelnd erklärte: "Schließlich waren sie Champions-League-Finalist." Trainer Sami Hyypiä sieht sein Team schon "zurück in der Normalität. 0:5 war happig, aber so etwas passiert. Wir müssen nichts gutmachen und brauchen auch keinen zusätzlichen Druck."

Die Botschaft vor dem Einstieg in die Chartermaschine LG7891 am Montagmorgen in Köln war jedenfalls eindeutig: Die Werkself, die vor Dortmund bei allen Härtetests - zwei Mal gegen Manchester United, gegen die Bayern und auf Schalke - wie das Kaninchen vor der Schlange agiert hatte, will sich diesmal nicht den Schneid abkaufen lassen.

BVB-Spiel als Maßstab für die Champions-League-Begegnung

"Wenn man vor 80.000 Zuschauern in Dortmund so selbstbewusst auftritt, gibt es keinen Grund, das nicht auch in Spanien zu tun", sagte Völler. "Wenn wir so spielen wie in Dortmund, gewinnen wir dort auch", ergänzte Heung-Min Son, der seine Anpassungsschwierigkeiten ans Bayer-System offenbar überwunden hat und zuletzt fast nach Lust und Laune traf. Und Innenverteidiger Philipp Wollscheid stellte klar: 'Uns war schon vor dem Dortmund-Spiel klar, dass wir an einem guten Tag jeden schlagen können.'

Simon Rolfes ist zwar der Meinung, 'dass es nicht leichter wird als in Dortmund. Aber wir wollen das nächste Ausrufezeichen in dieser knackigen Woche setzen.' Und obwohl der Bundesliga-Zweite das Erreichen des Achtelfinals nicht in eigener Hand hat, ist die Konstellation in den Augen des Kapitäns 'nicht ungünstig'.

Holen die Rheinländer bei den bereits ausgeschiedenen Basken mehr Punkte als Rivale Schachtjor Donezk bei Manchester United, das noch mindestens ein Unentschieden zum Gruppensieg braucht, hätten sie bei der achten Teilnahme an der Königsklasse zum siebten Mal die Gruppenphase überstanden.

Die Standleitung nach Manchester wird deshalb eine wichtige Rolle einnehmen. "Vielleicht nehme ich mein Handy mit auf die Bank und versuche, es im Internet zu verfolgen", berichtete Hyypiä mit einem Schmunzeln: "Natürlich ist es wichtig, zu wissen, wie es in Manchester steht. Ob ein Punkt reicht oder ob wir in der Schlussphase alles riskieren müssen." Hyypiä glaubt, dass das kriselnde Manchester "unbedingt Gruppenerster werden will, um nicht gegen Barcelona oder Paris spielen zu müssen".

"Wir müssen gewinnen"

Auch Rolfes ist sicher: "Wenn wir unsere Hausaufgabe erledigen, kommen wir auch weiter." Bundesliga-Torschützenkönig Stefan Kießling will sich dagegen nicht auf Rechenspiele einlassen: "Es gibt keine zwei Meinungen: Wir müssen gewinnen."

Personell hat Bayer außer Stefan Reinartz und Sidney Sam alle Leistungsträger an Bord. 'Wir haben einige angeschlagene Spieler aus dem Dortmund-Spiel mitgenommen', erklärte Völler: "Aber wenn man gewonnen hat, tut es nicht ganz so weh." Er fordert von seinem Team nur eines: "Dass wir so spielen wie in Dortmund."

Die Blamage gegen Manchester hat für Rolfes jedenfalls keine Relevanz mehr. "Das ist längst abgehakt. Wir haben vorher alles gewonnen und wir haben nachher alles gewonnen", betonte Rolfes: "Wir haben vor zwei Jahren gegen Chelsea gewonnen, die in diesem Jahr Champions-League-Sieger wurden. Und wir waren die letzte Mannschaft, die in der Bundesliga gegen Bayern gewonnen hat. So gesehen war Manchester eher die Ausnahme als die Regel."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

San Sebastian: Bravo - Carlos Martinez, Mikel Gonzalez, Ansotegi, Jose Angel - Bergara, Javi Ros - Vela, Xabi Prieto, Griezmann - Seferovic. - Trainer: Arrasate

Leverkusen: Leno - Donati, Toprak, Spahic (Wollscheid), Can - Bender, Rolfes, Castro - Son, Kießling, Hegeler. - Trainer: Hyypiä (sid)

 
 

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