Warum die kommende Zweitliga-Saison Spannung garantiert

Das "A40-Duell" zwischen dem VfL Bochum und dem MSV Duisburg gab's vor ein paar Tagen bereits als Testspiel. In der kommenden Saison dürfte die Begegnung allerdings noch eine andere Brisanz bekommen.
Das "A40-Duell" zwischen dem VfL Bochum und dem MSV Duisburg gab's vor ein paar Tagen bereits als Testspiel. In der kommenden Saison dürfte die Begegnung allerdings noch eine andere Brisanz bekommen.
Foto: imago
Ein kleines Revierderby, ein Knipser-Duell und nicht zu vergessen: Der ewige Ewald - die Saison 2015/16 der 2. Bundesliga könnte ein Kracher werden.

Essen. Man muss kein Fußball-Romantiker sein, um bei der Partie des MSV Duisburg gegen 1. FC Kaiserslautern sofort an alte Erstligazeiten zu denken. Dass es letztlich nur die erste Partie der neuen Zweitligaspielzeit ist, wenn sich am Freitag (20.30 Uhr) die Zebras als Aufsteiger aus der Dritten Liga und die dreimal an der Rückkehr ins Oberhaus gescheiterten Pfälzer gegenüberstehen, stört aber kaum. MSV gegen Lautern bleibt ein würdiger Auftakt und macht Lust auf eine spannende Saison mit so mancher Überraschung.

Das kleine Revier-Derby

Schalker und Dortmunder Anhänger werden mit Recht darauf pochen, dass das Derby-Original nur Königsblau gegen Schwarzgelb lauten kann. Keine Widerworte, aber auch eine Liga tiefer freuen sich die Fans des VfL Bochum und des MSV Duisburg auf einen Ruhrpottschlager am 1. August (13 Uhr). Es ist ja nur ein Katzensprung über die A 40 zum Hinspiel in Bochum. Und Spieler mit einer Vorgeschichte beim Rivalen gibt’s auch auf beiden Seiten: Dennis Grote kickte von 2004 bis 2010 an der Castoper Straße, bevor er im vergangenen Jahr ein Zebra wurde und entscheidenden Anteil am Zweitligaaufstieg des MSV hatte. VfL-Knipser Simon Terodde wurde wiederum in Meiderich ausgebildet. Einen Vorgeschmack auf das Derby gab es in der Vorbereitung, als Bochum 2:1 gewann und VfL-Trainer Gertjan Verbeek meinte: „Wir sind eine Woche weiter als der MSV, das hat man gesehen.“ Streng genommen haben Trainer Gino Lettieri und die Zebras zwei Jahre Zweitligarückstand, den sie aber schnellstmöglich aufholen wollen.

Der schlafende Riese

Dass die Fortuna aus Düsseldorf ein solcher ist, hat Günter Netzer bereits vor drei Jahren erkannt. Doch die Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs war 2013 nach nur einer Saison schon wieder beendet, was viele damals als vermeidbar empfunden haben. Mit der wirtschaftlichen Kraft der Landeshauptstadt sollte es aber eigentlich möglich sein, sich einen festen Platz in der 1. Liga zu sichern. „Langfristig muss für Fortuna der Aufstieg in die Bundesliga das Ziel sein“, fordert der neue Sportdirektor Rachid Azzouzi allerdings nicht sofort den großen Wurf. Wobei: Mit dem neuen Trainer Frank Kramer sowie erfahrenen Neuzugängen wie Innenverteidiger Karim Haggui und Stürmer Ya Konan könnte die Fortuna durchaus sofort wieder eine Etage hochfahren.

Der ewige Ewald

Welcher Fußballer oder Trainer kann schon von sich behaupten, dass ihm gleich zweimal ein Lied gewidmet worden ist? Ewald Lienen, seit 20 Jahren im Geschäft, schon – was für die spezielle Bindung zu den Fans spricht, wo immer er auch arbeitet. 2000 sang die Kölner A-cappella-Band Wise Guys nach dem FC-Bundesligaaufstieg „Die Heldensage vom heiligen Ewald“. In der vergangenen Saison lagen ihm die Anhänger des FC St. Pauli, den er vor dem Sturz in die Drittklassigkeit bewahrt hatte, zu Füßen. Zwischen Landungsbrücken und Schanzenviertel ertönte daraufhin ein von Fettes Brot zur Melodie von „Evelin“ („Nationalgalerie“) umgedichteter Song mit seinem Namen. Ob Lienen an einem dritten musikalischen Denkmal interessiert ist, sollte er Pauli ins Oberhaus führen, ist jedoch nicht überliefert.

Das Duell der Knipser

Hier wird scharf geschossen: Sage und schreibe sechs Torschützenkönige der vergangenen Spielzeiten gehen auch in dieser Saison in der Zweiten Liga auf Torejagd. Seine Krone will Karlsruhes Rouwen Hennings, der im Vorjahr 17 Mal jubeln durfte, verteidigen. Konkurrenz erhält aber sicher in Person seiner treffsicheren Vorgänger: Mahir Saglik (SC Paderborn) und Jakup Sylvestr (einst Erzgebirge Aue, jetzt 1. FC Nürnberg) lagen 2014 mit 15 Toren ganz vorne, davor waren es Domi Kumbela (19 Tore für Eintracht Braunschweig, jetzt SpVgg Greuther Fürth), Nick Proschwitz (17 Buden für den SC Paderborn, für den er nach einigen Jahren in England jetzt wieder kickt) und Nils Petersen (2011 traf der heutige Freiburger 25 Mal für Energie Cottbus).

Zum Aufbrausen

Die riesigen Kopfhörer, die scheinbar jeder Fußballprofi heutzutage bei einer Vertragsunterschrift als kleines Dankeschön des Vereins bekommt, lohnen sich bei den Spielern von RB Leipzig ganz besonders. So können sie darüber hinweg hören, wenn über die mit Brausemillionen aufgepäppelten Leipziger als das Feindbild des deutschen Fußballs hergezogen wird. Mit 15,6 Millionen Euro, unter anderem für Werder-Stürmer Davie Selke (8 Millionen) und Besiktas-Abwehrhüne Atinc Nukan (5 Millionen), haben sie in diesem Sommer so teuer eingekauft wie viele Bundesligisten nicht. Ganz abgesehen von den Spielern, die Dietrich Mateschitz kostenfrei aus der Salzburger Red-Bull-Zentrale ins Sächsische geschickt hat. Auch wenn Trainer Ralf Rangnick als Ziel ausgegeben hat, man wolle sich „im Vergleich zur letzten Saison verbessern“: Platz vier, womit diese Forderung erfüllt wäre, wird dem 57 Jahre alten Macher kaum genügen. Am Freitag wird die Jagd auf die Bullen eröffnet.

 
 

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