Dynamo Dresden spricht sich für Kompromiss mit dem DFB aus

Hans-Jürgen "Dixie Dörner" wurde mit den meisten Stimmen in den Aufsichtsrat von Dynamo Dresden gewählt.
Hans-Jürgen "Dixie Dörner" wurde mit den meisten Stimmen in den Aufsichtsrat von Dynamo Dresden gewählt.
Foto: imago
Die Mitglieder von Dynamo Dresden haben sich auf der Mitgliederversammlung am Samstag gegen eine Klage gegen den DFB infolge des Ausschlusses aus dem DFB-Pokal ausgesprochen - unter bestimmten Bedingungen. Klub-Idol Hans-Jürgen "Dixie" Dörner wurde derweil in den Aufsichtsrat gewählt.

Dresden/Berlin.. Der große Knall blieb aus: Zweitligist Dynamo Dresden hat sich bei der Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit für einen Kompromiss mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wegen des Pokalausschlusses ausgesprochen. Sollten bestimmte Bedingungen erfüllt werden, will Dynamo auf eine Klage gegen den DFB vor dem Oberlandesgericht Frankfurt/Main verzichten.

Dieses mit Spannung erwartete Ergebnis erfuhr die Öffentlichkeit nach der zehnstündigen Marathon-Sitzung via Twitter vom Klub selbst, denn die Presse war bei der Mitgliederversammlung am Samstagabend unerwünscht. Einem Antrag zum Ausschluss der Medien, die im Vorfeld den Klub durch eine angeblich 'falsche und nicht objektive Berichterstattung' geschadet hätten, wurde stattgegeben.

Wie die Stimmung unter den rund 1200 anwesenden Fans in der brisanten Diskussionsrunde war, kann daher nur vermutet werden. Fakt ist, dass eine einberufene Arbeitsgruppe einen Kompromissvorschlag ausgearbeitet hat, dem die Mitglieder zustimmten. Der Kompromissvorschlag ist angelehnt an das bestehende Angebot des DFB, der zu einem großen Zugeständnis bereit ist: Alle Vorstrafen des Vereins würden auf Null gesetzt, noch offene Verfahren wegen Ausschreitungen könnten so kostengünstig beendet werden.

Ritter sieht "guten Kompromiss"

"Man hat eine gewisse Zerrissenheit unter den Mitgliedern gespürt, aber es ist ein guter Kompromiss gefunden worden", sagte Dynamo-Präsident Andreas Ritter und beschrieb das weitere Vorgehen: "Es wird jetzt ein Gespräch mit dem DFB geben, in dem wir diesen Vorschlag unterbreiten. Wenn wir uns einigen können, werden wir auf die Klage verzichten."

Welche Bedingungen der Klub zusätzlich aufgeführt hat, wollten die Verantwortlichen nicht veröffentlichen. Angeblich geht es aber auch um die Mithilfe des Verbandes in den Verhandlungen mit der Stadt um die Senkung der Stadionmiete.

Hintergrund der Diskussion ist Dynamos Pokalausschluss für diese Saison wegen der Ausschreitungen im Zweitrundenspiel bei Hannover 96 im Oktober 2012. Dynamos Schiedsklage gegen diese vom DFB-Sportgericht verhängte und vom DFB-Bundesgericht bestätigte Strafe hatte das Ständige Schiedsgericht am 14. Mai 2013 abgewiesen. Bliebe nur noch der Gang vor ein staatliches Gericht.

Dörner sieht sich als Teamplayer

Über die Geschicke im Verein entscheidet künftig auch die Klub-Ikone schlechthin: Der 100-malige DDR-Auswahlspieler Hans-Jürgen "Dixie" Dörner wurde mit den meisten Stimmen in den neunköpfigen Aufsichtsrat gewählt. "Wie für eine Fußballmannschaft gilt auch für einen Aufsichtsrat: Nur wenn man geschlossen als Team zusammenarbeitet, hat man Erfolg", sagte Dörner. Die fehlende Geschlossenheit war bei Dynamo zuletzt immer ein großes Problem.

Geschäftsführer Christian Müller führte den Mitgliedern derweil die drei wichtigsten wirtschaftlichen Ziele vor Augen: Die Senkung der Stadionmiete, die Ablösung des Kölmel-Darlehens und die Rückgewinnung der Merchandising-Rechte. "Das alles verschafft uns mehr Handlungsspielraum, mehr Identität, mehr Wettbewerbsfähigkeit", sagte Müller.

Viel Applaus erhielt Cheftrainer Olaf Janßen, der den angeschlagenen Traditionsklub auf dem Platz zurück in die Erfolgsspur geführt hat. "Dieser Trainer sorgt für Aufbruchsstimmung bei Dynamo, er ist ein Glücksfall für den Verein", schwärmte Müller. (sid)

 

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