Warum der Fußball alle anderen Sportarten schlägt

Fußball ist König und die Bayern sind Meister - so war es schon oft, so dürfte es auch wieder kommen.
Fußball ist König und die Bayern sind Meister - so war es schon oft, so dürfte es auch wieder kommen.
Foto: dpa
In Zeiten, da fast alles in Frage gestellt wird, steht die Fußball-Bundesliga wie eine Eins. Keine als noch groß empfundene Bedrohung hat das boomende Ball-Spektakel dauerhaft beschädigen können - und das wird wohl auch so bleiben. Ein Kommentar.

Es gab Zeiten, da gerieten Sportredaktionen noch ins Grübeln, wenn sich der Saisonstart der Fußballbundesliga mit dem Beginn einer Leichtathletik-WM überschnitt. Heutzutage stellt sich die Frage der Gewichtung nicht mehr. Der Fußball hat jeden Konkurrenten aus dem Feld geschlagen.

Sicher, dass selbst die olympische Königsdisziplin im Kampf um mediale Aufmerksamkeit chancenlos ist, liegt auch an der Leichtathletik selbst, der die faszinierenden Persönlichkeiten ausgegangen sind. Hand aufs Herz: Wer kann auch nur fünf Olympiasieger von London 2012 nennen? Während der Weltfußball über Stars im Dutzend verfügt, ist Usain Bolt die einsame Zugnummer seines Sports, ungeachtet aller Zweifel, die bei ihm mitlaufen. Womit wir beim Thema Doping wären, das – natürlich – mit ein Grund dafür ist, warum sich immer mehr Sportfans von diversen Sportarten abwenden.

Besonders sauber ist wohl auch der Fußball nicht

Auch in diesem Punkt nimmt der Fußball eine Ausnahmestellung ein. Nicht etwa, weil er so besonders sauber wäre. Sondern, weil er anders wahrgenommen wird. Der gesunde Menschenverstand sagt einem zwar, dass auch hier unerlaubte Medikamente eingesetzt werden, etwa in der Regeneration nach Verletzungen oder gegen Erschöpfungssymptome.

Fussball Aber bei einem unwiderstehlichen Dribbling, einem Traumpass oder einem spektakulären Tor stellt eben kein Betrachter einen direkten Zusammenhang mit Leistungsmanipulation her. Anders als im Sprint oder Kugelstoßen, beim Gipfelsturm einer Tour-de-France-Etappe oder im Gewichtheben, wo die Rekordleistungen per se als übermenschlich gelten und folglich ohne verbotene Methoden schwer erklärbar sind.

Resistent gegen alle Bedrohungen

Die im Zuge der jüngsten Doping-Enthüllungen über den Hochleistungssport der Bundesrepublik aufgetauchten Hinweise auf Ungereimtheiten auch im Profifußball lassen die Szene nicht von ungefähr vergleichsweise kalt. Weiß sie doch, dass sich ihr Sport als resistent gegen alle Bedrohungen erwiesen hat. Ob horrende Spielergehälter (in Hartz-IV-Zeiten!), hohe Eintrittspreise, in Wettbetrug verwickelte Kicker und Schiedsrichter, gewaltbereite Zuschauer oder die fanfeindliche Zerstückelung der Spieltage: Das zum täglichen Unterhaltungsgut gewordene Ball-Spektakel hat dauerhaft nichts beschädigen können.

Gesellschaftliche Entwicklungen lassen sich an der Bundesliga wie unter einem Brennglas beobachten. Sie ist vielleicht „das“ Spiegelbild unserer Zeit, zu deren dynamischer Generation 50plus sie ab Freitag zählt.

 
 

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