Merkel sagt, schwule Fußballer müssten Outing nicht fürchten

Kanzlerin Merkel will homosexuellen Fußballern Mut machen.
Kanzlerin Merkel will homosexuellen Fußballern Mut machen.
Foto: dapd
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in die Debatte um schwule Fußball-Profis eingegriffen. Sie macht dem anonym gebliebenen homosexuellen Spieler aus der Fußball-Bundesliga Mut. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bot zudem homosexuellen Profis jegliche Hilfe des Verbandes an.

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat homosexuelle Fußball-Profis zum Outing ermutigt. "Ich bin der Meinung, dass jeder, der die Kraft aufbringt und den Mut hat, wissen sollte, dass er in einem Land lebt, wo er sich eigentlich davor nicht fürchten sollte", sagte Merkel am Donnerstag in Berlin.

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß forderte mehr Sachlichkeit in der Diskussion um Homosexualität. Nur so lasse sich das erste Outing eines schwulen Fußballspielers herbeiführen, erklärte der 60-Jährige am Rande eines Termins im Bundeskanzleramt zum Thema Integration.

"Je spektakulärer das Thema als solches gemacht wird, desto schwieriger ist es für die Betroffenen, den Schritt zu machen", sagte Hoeneß und fügte an: "Wenn wir einen ganz normalen Vorgang daraus machen, wie er es in unserem Land inzwischen in fast allen Bereichen der Gesellschaft ist, glaube ich persönlich auch, dass der eine oder andere Fußballer sich relativ bald outen wird."

Bayern-Präsident Hoeneß sieht Klubs in der Pflicht

Die Profiklubs sehe er in der Pflicht, auf ein solches Outing "gut vorbereitet" zu sein, weil die Reaktion der eigenen Fans und auch solcher von gegnerischen Klubs "total unabsehbar" sei und bleibe. Er selbst könne mögliche Anfeindungen aber nicht nachvollziehen, sagte Hoeneß weiter: "Wir haben einen mit einem Mann verheirateten Außenminister. Im Fußball wird das Thema zu sehr hochgespielt."

Auslöser der neuerlichen Debatte war ein am Mittwoch publiziertes Interview mit einem Bundesliga-Profi im Jugendmagazin "Fluter" der Bundeszentrale für politische Bildung, in dem der Fußballer sich unter Zusicherung von Anonymität zu seiner Homosexualität bekannte. Er könne seinen Namen nicht nennen, denn er "wäre nicht mehr sicher, wenn meine Sexualität an die Öffentlichkeit käme", hatte der Spieler darin erklärt. Hoeneß allerdings teile diese Sorge nur bedingt, sagte er. Seiner Ansicht nach müssten betroffene Spieler im Falle eines Outings keine Sorge um ihre körperliche Unversehrtheit haben. Seelische Schäden wären dagegen "ein anderes Thema", aber wenn Probleme aufträten, versprach Hoeneß, "würden wir als Klub entsprechend auftreten und denjenigen genau so schützen, wie es notwendig ist".

DFB-Präsident Niersbach bietet Hilfe an

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bietet Hilfe an. "Sollte sich ein Spieler, egal ob in der Bundesliga oder der Kreisliga, öffentlich als homosexuell outen wollen und dabei die Unterstützung des DFB benötigen, so wird unser Verband jegliche Hilfe anbieten. Schließlich sollte es in einer toleranten Gesellschaft keine Rolle spielen, welche sexuelle Neigung jemand hat", erklärte Präsident Wolfgang Niersbach in einer Stellungnahme des Verbands. (we/dapd/sid)

 
 

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