HSV-Fans verurteilen "unverhältnismäßigen" Polizeieinsatz im Stadion

Stefan Döring
Polizei stürmt den HSV-Block im Spiel gegen den FC Bayern.
Polizei stürmt den HSV-Block im Spiel gegen den FC Bayern.
Foto: dpa
Beim Bundesliga-Spiel des HSV gegen den FC Bayern München kam es zu Ausschreitungen im Fanblock der Hamburger Ultras, als die Polizei ein Banner entfernen wollte. Der Hamburger Supporters Club verurteilt den Einsatz als "unverhältnismäßig" und sieht Parallelen zum Einsatz auf Schalke gegen PAOK.

Hamburg. Für den Hamburger SV dreht sich die Abwärtsspirale nach der 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern München immer weiter. Auch mit den Fans gab es am Samstag erneut Ärger, als die Polizei versuchte, ein Banner zu entfernen. In zwei Blöcken der Hamburger Fankurve wurden vor dem Spiel Banner mit der Aufschrift „A.C.A.B.“ aufgehangen. Die Abkürzung gilt gemeinhin als Provokation der Staatsmacht und bedeutet „All Cops Are Bastards“. Im Vorfeld der Bundesliga-Partie sollen Fans und Polizei bereits aneinandergeraten sein, heißt es.

In der Halbzeitpause versuchte der Ordnungsdienst zusammen mit der Polizei diese zu entfernen und es kam zu Auseinandersetzungen mit den Ultras des Vereins. Der Polizei wird vorgeworfen unverhältnismäßig eingeschritten zu sein, Vergleiche mit einem Polizeieinsatz in der Champions League beim Spiel zwischen dem FC Schalke 04 und PAOK Saloniki wurden laut.

Die Polizei stürmte in der Halbzeitpause den Block 22C im Oberrang, wo die Hamburger Ultragruppe „Chosen Few“ ihren Platz hat. Es wurden Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Fußballfans eingesetzt, viele wurden bei dem Einsatz verletzt, die Fans wehrten sich.

Der HSV-Supporters-Club und das Fanprojekt verurteilten den Einsatz der Polizei als „absolut unverhältnismäßig“.

HSV-Fans ziehen Vergleich mit Schalke

Christian Bieberstein, Abteilungsleiter der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supportes Club verglich die Vorkommnisse mit den Ereignissen beim FC Schalke 04 im August 2013: „Man muss sich Fragen, ob die Polizei aus den Vorfällen beim Champions-League-Qualifikationsspiel FC Schalke 04 - PAOK Saloniki überhaupt nichts gelernt hat“.

Auf Schalke hing während des Spiels in der Nordkurve eine Fahne der Republik Mazedonien, was die Ordnungskräfte damals als Provokation gegen die griechischen Fußballfans werteten. Auch im August 2013 stürmte die Polizei die voll besetzte Tribüne unter Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray. Bis heute protestieren die Schalker Fans bei jedem Heimspiel mit einem Banner gegen dieses Verhalten.

Auch in Hamburg kritisieren die Fans das Eingreifen der Polizei. „Ein Banner als Grund zu nehmen, in einem vollen Stadion einen Block unter dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöckern zu stürmen, ist vollkommen inakzeptabel. Die In-Kaufnahme von Verletzten im dreistelligen Bereich, steht in keinem Verhältnis zu einer solchen Provokation“, heißt es in der Stellungnahme des Supportsclub.

Die Polizei hingegen sieht die Schuld bei den Fans: „Als der Ordnungsdienst in der Halbzeitpause versuchte, das Banner am Block 25A abzunehmen, wurde dieser durch Störer mit Gegenständen beworfen und angegriffen. Polizeibeamte unterstützten die Ordner in diesem Bereich.

Dabei griffen Störer die Beamten massiv körperlich an, schlugen und bewarfen sie mit Stangen. Mehrfach mussten die Beamten Reizgas und Schlagstöcke gegen vermummte Straftäter einsetzen.“