Guardiola bestimmt zunehmend über Transfers beim FC Bayern

Großer Mittelfelddirigent nach dem Medizincheck: Der spanische Weltmeister Xabi Alonso ist schon der fünfte Spanier im Bayern-Kader von Pep Guardiola.
Großer Mittelfelddirigent nach dem Medizincheck: Der spanische Weltmeister Xabi Alonso ist schon der fünfte Spanier im Bayern-Kader von Pep Guardiola.
Foto: dpa
Der Welt- und Europameister Xabi Alosno von Real Madrid soll eine Lücke stopfen, die durch die Verletzungen von Javi Martínez , Thiago Alcántara und Bastian Schweinsteiger entstand. Sein Gehalt wird garantiert hoch sein. Und der spanische Einschlag in Bayerns Transferpolitik ist nicht zu leugnen.

München.. Der deutsche Fußballprofi, mit dem sich Weltmeister Xabi Alonso am besten unterhalten würde, ist Hanno Balitsch vom Zweitligisten FSV Frankfurt. Sie würden über Robin Williams, Kate Winslet, John Travolta reden. Balitsch ist ein leidenschaftlicher Filmliebhaber, mit einer raumfüllenden Sammlung. Xabi Alonso ist vermutlich einer der ganz wenigen Kollegen, die es da fachlich mit ihm aufnehmen. Bloß über Til Schweiger oder Heike Makatsch wird Alonso nichts sagen können, wenn er in den nächsten Tagen als überraschender Neuzugang des FC Bayern München vorgestellt wird. Das deutsche Kino ist, anders als der deutsche Fußball, in Spanien dann eher nicht so bekannt.

Martínez’ Verletzung und die Folgen

Noch vor zwei Wochen wären weder Alonso noch der FC Bayern auf die Idee gekommen, dass ihre Wege einmal zusammenführen könnten. Dann riss Bayerns flexiblem Defensivspieler Javi Martínez das Kreuzband im Knie. Auf der Suche nach Vertretung landete Bayern-Trainer Pep Guardiola bei dem hockdekorierten defensiven Mittelfeldspieler von Champions-League-Sieger Real Madrid.

Für den FC Bayern ist der schnelle Transfer ein Tabubruch: Auf einmal mischt auch der deutsche Meister bei dem überhitzten Spieler-Wechsel-dich mit, bei dem sich Real Madrid, Manchester United oder AC Mailand untereinander die Weltstars wie Straßen in einem Monopolyspiel für fantasievolle Summen abluchsen. Die Bayern hatten sich, bis auf den Zukauf von Arjen Robben von Real 2009, auf dem Markt des Irrsinns zwischen diesen Klubs oft zurückgehalten.

Die Transferzahlung, die Real und Bayern noch fixieren müssen, wird bei Alonso angesichts seines Alters zwar überschaubar bleiben (gerechnet wird in Madrid mit einer Zahlung um die zehn Millionen Euro), aber fällig wird laut einem Real-Vereinsangestellten ein Gehalt der höchsten Kategorie von sechs Millionen Euro netto. Das zeigt, wohin sich der Klub durch Martínez‘ Verletzung hat treiben lassen: Toni Kroos, einen Schlüsselspieler in Guardiolas Konzept, ließ man gerade zu Real ziehen, weil man ein vergleichbares Gehalt für ihn nicht vertretbar hielt.

Kroos-Wechsel rächt sich nun

Angetrieben, Alonso auch um einen hohen Preis zu verpflichten, hat den Verein der eigene Trainer. Entgegen seiner Absicht, die Personalpolitik in München weitgehend Präsidium und Sportdirektor zu überlassen, bestimmt Guardiola diese zunehmend: Wie bei Alonso gingen die Verpflichtungen von Thiago Alcántara und Pepe Reina auf seine Initiative zurück.

Die längerfristigen Verletzungen von Martínez, Thiago und Bastian Schweinsteiger ließen Guardiola zappelig werden und nach Alonso rufen. Der Trainer möchte in dieser Saison verstärkt eine Drei-Mann-Abwehr einsetzen, mit einem klassischen Mittelfeldspieler als erstem Passgeber in der Mitte dieser Abwehr. Wenn Bayern auf eine Vierer-Abwehr wechselt, wird das defensive Mittelfeld obligatorisch nur mit einem Mann besetzt.

Beide Rollen kann Xabi Alonso exzellent ausfüllen, ein zuverlässiger Raumschließer mit außergewöhnlichen Diagonalpässen. Bei Real, verrät ein Vereinsangestellter, waren sie perplex, als Alonso ihnen Anfang der Woche seinen Wechselwunsch präsentierte. Er hätte in Madrid noch eine zentrale, wenngleich mit 32 und in Konkurrenz zu Kroos erstmals nicht mehr unantastbare Rolle gespielt. Es schien ihm der richtige Moment für den Absprung.

„Oh Captain! Mein Captain!“, schrieb er zum Abschied. Die Worte waren aber nicht an Iker Casillas gerichtet, Reals Kapitän, mit dem er sich in jüngsten Jahren nicht mehr verstand. Es waren Worte zu einem anderen Abschied, der ihm wehtat, ein Zitat aus dem Film „Der Club der toten Dichter“, das er zum Tod des Schauspielers Robin Williams veröffentlichte.

 
 

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