Gibt es nach Schmadtkes Abgang nur Verlierer in Hannover?

Hannovers Trainer Mirko Slomka (r.) hat den Machtkampf mit Jörg Schmadtke (l.) gewonnen.
Hannovers Trainer Mirko Slomka (r.) hat den Machtkampf mit Jörg Schmadtke (l.) gewonnen.
Foto: imago
Jörg Schmadtkes Abgang beim Bundesligisten Hannover 96 konnte niemanden mehr überraschen. Ob Trainer Mirko Slomka von dem gewonnenen Machtkampf profitieren wird, bleibt offen. Am Ende könnte es in Hannover nur Verlierer geben. Ein Kommentar.

Essen/Hannover. Sprache entwickelt sich. Das Adjektiv „professionell“ etwa war lange überwiegend positiv besetzt. Unterstellte es doch: Wer weiß, was er seinem Beruf und seinem Arbeitgeber schuldig ist, lässt sich nicht hängen, verhält sich vorbildlich. Inzwischen lässt dieser Begriff im Profifußball auch eine andere, weniger schmeichelhafte Deutung zu.

Wenn etwa über den Bayern-Stürmer Mario Gomez gesagt wird, er gehe mit seiner Situation „sehr professionell“ um, heißt das im Klartext: Der Mann ist stocksauer, dass er nur noch zweite bis dritte Wahl ist, hält sich aber mit öffentlichen Klagen zurück. Das hat mehr mit Disziplin zu tun als mit Ehrlichkeit.

Seit beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96 Spekulationen über ein Zerwürfnis zwischen Manager Jörg Schmadtke und Trainer Mirko Slomka die Runde machten, wurde Präsident Martin Kind nicht müde zu betonen, seine beiden Angestellten würden „höchst professionell“ miteinander umgehen. Spätestens da war klar, dass es in dieser Konstellation bei den Niedersachsen nicht mehr lange weitergehen würde. Die am Mittwoch bekanntgegebene Auflösung von Schmadtkes unbefristetem Vertrag kam also nicht überraschend. Selbstverständlich ist sie in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt, professionell eben.

Unabhängig von sprachlichen Nuancen ist der Fall auch ein Lehrstück für Zusammenarbeit im Berufsleben: Zwei Mitarbeiter mögen in ihrem Verantwortungsbereich noch so effektiv agieren – wenn die Chemie zwischen ihnen nicht stimmt, ist der Misserfolg für den Betrieb absehbar. Wobei Schuldzuweisungen nichts bringen.

Schmadtke dürfte auf dem Manager-Markt gut vermittelbar sein

Die Konsequenz im aktuellen Fall? Den „Machtkampf“, von dem die Medien schlagzeilenträchtig zu schreiben pflegen, hat Mirko Slomka gewonnen. Aber es könnte ein teuer erkaufter „Sieg“ sein, hat doch Schmadtke dem Trainer mit kluger Transferpolitik erst den Weg zu zwei überaus erfolgreichen Spielzeiten in Hannover geebnet. Weshalb er auf dem Manager-Markt gut vermittelbar sein dürfte. Dies ist übrigens eine ausschließlich professionelle Sichtweise, welche die mit solchen Trennungen zusammenhängenden menschlichen Enttäuschungen ebenso außer Acht lässt wie die Möglichkeit, dass es am Ende in Hannover doch nur Verlierer gibt.

 
 

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