Eintracht-Boss Bruchhagen will Pyro-Fackler verbannen

Francois Duchateau
Eintracht-Vorsitz Bruchhagen würde "Problembesucher" gern aus den Fußballstadien der Republik verbannt sehen. Doch probate Mittel fehlen.
Eintracht-Vorsitz Bruchhagen würde "Problembesucher" gern aus den Fußballstadien der Republik verbannt sehen. Doch probate Mittel fehlen.
Foto: Getty
Heribert Bruchhagen, Vorsitzender von Eintracht Frankfurt, bezeichnet die Vorfälle, die am Samstag bei der Partie zwischen Bayer Leverkusen und Frankfurt zu einer Spielunterbrechung führten, als "extrem deprimierend". Sein Ansatz: "Problembesucher" seien aus den Stadien zu verbannen.

Leverkusen. „Eigentlich war es ein gutes Fußballspiel“ zwischen Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt (3:1), meinte SGE-Vorsitzender Heribert Bruchhagen nach Abpfiff in den Katakomben der BayArena. Eigentlich. Denn obwohl am Samstag der Zweite den Bundesliga-Vierten empfing, beschäftigen wieder einmal hauptsächlich Pyro-Ausschreitungen die Gemüter, die diesmal sogar eine zwischenzeitlichen Spielunterbrechung zur Folge hatte.

„Extrem deprimierend“ bezeichnet Bruchhagen die Vorfälle. Obwohl der 64-Jährige im Vorstand der DFL und des DFB sitzt und damit Interessen der ganzen Liga vertritt, sind es regelmäßig Anhänger des eigenen Vereins, die ihm Sorgen bereiten. „Wir sehnen uns ruhigeren Zeiten entgegen, sind aber mal wieder belehrt worden. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass diese Gruppierung an Stadionbesuchern überhaupt kein Interesse an Fußball hat. Sie haben alle mit dem Fußball nichts zu tun. Sie sind einer Gruppe und einer Bewegung angehörig, die eine gewisse oppositionelle Haltung gegen das Establishment hat; die provozieren wollen. Fußball hat natürlich einen großen Aufmerksamkeitswert und wird als Tribüne benutzt. Es gibt aus meiner Sicht nur noch eine Lösung und die lautet: Ausgrenzen. Wir müssen diese Jungs, diese Problembesucher aus dem Stadion entfernen.“

Bruchhagen will „notfalls mit harten Konsequenzen“ vorgehen

Nur wie? Selbst Bruchhagen gibt zu, dass „probate Mittel nicht einfach zu finden sind.“ Bereits am Samstag kochte die Debatte um Nacktscanner in der Bundesliga wieder hoch. Eine Frage, in der sich der erfahrene Manager „kein Urteil zutraut.“ „Es ist sicher nicht so, dass sie 47.000 Leute in zwei Stunden so ins Stadion bekommen.“ Der gebürtige Düsseldorfer sei nicht bei Eintracht Frankfurt, um die Sicherheitspolitik alleine im Auge zu haben. „Da gibt es kompetentere Leute.“ Bruchhagen wird nicht müde zu sagen, „wir dürfen nicht resignieren!“ Man müsse „ermitteln und notfalls mit harten Konsequenzen kommen.“

Die Vereine werden zukünftig jedenfalls nicht mehr bereit sein, Sportgerichtsurteile widerstandslos zu akzeptieren, so Bruchhagen. „Das muss sich ändern!“ Geldstrafen möchte er auf die Täter umlegen. Ähnlich denkt auch Bayer04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, der erwägt, Ticketpreise bei steigenden Sicherheitskosten zu erhöhen. Diese könnten beispielsweise durch eine noch schärfere Videoüberwachung auf die Clubs zukommen.

Die „harten Konsequenzen“ trafen in der Vergangenheit nur selten die wahren Verursacher, sondern meist die Fans als Kollektiv, also primär die Mehrheit der friedlichen Stadionbesucher. Ein Dialog zwischen Pyrotechnik-Befürwortern und dem Verband existiert beispielsweise nicht. Der Trend geht beim DFB dahin, die Maßnahmen weiter zu verschärfen – für alle.

„Das Problem ist, dass diese Gruppierung von niemanden zu erreichen ist“, gibt Bruchhagen zu, der nichts wissen will von einem „Tiefschlag“ gegen das umstrittene DFL-Sicherheitspapier, das im Dezember auf dem Weg gebracht wurde. „Ich würde mich gerne einmal in die Lage und Köpfe derjenigen hineinversetzen können, aber ich kann es nicht, weil ich wie alle anderen Zuschauer Fußball von Kind auf an gerne habe und liebe – und die eben nicht.“

Frust über Imageschaden durch eigene Anhänger 

Wer einen Blick in die Internetforen wirft, sieht gespaltene Lager. Viele Ultras bejubeln die Spielunterbrechung vom Samstag. Ein User schreibt: „Man hat den Dialog eingefordert durch ‚12:12’ und jetzt wird dem DFB gezeigt, was sie davon haben. Richtige Aktion, denn reden bringt nichts mehr.“ Außenstehende bewerten die wohlmöglich geplante Unruhe zum Rückrundenauftakt als eine Reaktion der Gästefans auf die verschärften Sicherheitskontrollen in Leverkusen vor zwei Jahren, bei denen sich vor allem viele Frauen bis auf die Unterwäsche entkleiden mussten. Die Mehrheit der Frankfurt-Fans im Web distanziert sich jedoch deutlich von den Ereignissen dieses Wochenendes, beispielsweise die „erste offizielle“ Fanpage www.sge4ever.de. Im offiziellen Vereinsforum findet der Thread „Die Bengalo-Zündler in unserem Block kotzen mich an!“ eine überwältigende Resonanz. Fast 600 Einträge sammelten sich in der Nacht auf Sonntag an dieser Stelle.

Etliche Fans der Hessen sehen erheblichen Schaden am Image, das sich der Aufsteiger durch Vehs offensiven Fußball zuletzt mühevoll erarbeitet hatte. Das sieht auch Bruchhagen so: „Wir sind bei Eintracht Frankfurt sportlich auf einem sehr guten Wege. Das wird uns überall attestiert. Es ist bedauerlich und für den Verein sehr schwierig. Auf der einen Seite haben wir auch eine Verpflichtung gegenüber den 46.500 von 47.000 Zuschauern, die sich am Fußball erfreuen, die gern zur Eintracht kommen, die hochzufrieden sind mit dem, was sich bei uns abspielt. Das prallt dann gegen diese Chaoten, die dem Verein extremst schaden.“

Bruchhagen „fällt es schwer“ zu sagen, wie groß die Gruppe an Störenfrieden wohl sein mag. „Das ist eine verschwindende Minderheit, aber sie ist groß genug, um solche Veranstaltungen hier letztendlich durchzukriegen.“ Einen vollständigen Spielabbruch in Leverkusen habe er gefürchtet. „Natürlich. Schiedsrichter Wolfgang Stark hat sehr besonnen gepfiffen und ist ein sehr besonnener Mann. Aber wie er im Wiederholungsfall reagiert hätte, kann ich nicht sagen.“

Mit ihrem Pyro-Unsinn haben die Unruhestifter aus dem Gästeblock ihrem Verein bereits Schaden in sportlichen Dimensionen zugefügt. Leverkusener Spieler gaben übereinstimmend in der Mixed Zone zu, dass sie während der Spielunterbrechung taktische Umstellungen vornehmen konnten und so erst ein Mittel gegen die bis dahin etwas besseren Frankfurter finden konnten.