Ein leiser VfB-Abschied für Stuttgarts Routinier Cacau

Der Deutsch-Brasilianer Cacau schaffte es einst sogar bis in die deutsche Nationalmannschaft, aber nun bekommt er beim VfB Stuttgart nach elf Jahren keinen Vertrag mehr. Der Angreifer passt nicht nur finanziell nicht mehr ins Konzept der Schwaben. Zur WM nach Brasilien will er trotzdem reisen.

Stuttgart.. Auf Glückwünsche hatte selbst Cacau keine Lust mehr. Da stand der bald 33 Jahre alte Deutsch-Brasilianer auf dem Rasen und starrte vor sich hin. Eben war sein 250. Spiel für den VfB Stuttgart zu Ende gegangen. Mit einer 1:2-Niederlage in Leverkusen. Es war ein leises Jubiläum, das bald in einen leisen Abschied münden wird. Nach elf Jahren Stuttgart und zwei in Nürnberg ist am Ende der Saison Schluss. „Da ist schon viel Wehmut dabei“, sagt Cacau.

Es gab glücklichere Tage für Cacau. Das war zu der Zeit, als seine Geschichte wie ein Fußball-Märchen empfunden wurde. „Es ist eine fantastische Geschichte“, sagt Cacau selbst. „Da kam ein kleiner Junge aus Brasilien, wusste nicht, was werden wird, und kam bis in die deutsche Nationalmannschaft.“ 23 Spiele, sechs Tore. Das letzte Kapitel mit der WM in seinem Geburtsland Brasilien schien schon geschrieben.

Sechs Stimmen bei derWahl zum Bürgermeister

Dann endete das Märchen, das ihn zu einem wohlhabenden Mann machte – und zu dem es trotzdem kein Happy End gibt. In Stuttgart bekommt er keinen neuen Vertrag mehr, der Klub kann sich den Routinier nicht mehr leisten – in der Nationalmannschaft wird der Allrounder nicht mehr gebraucht. Jüngere sind vorbei gezogen.

„Ich hätte gerne noch mehr mit der Nationalmannschaft erlebt“, sagt der Stürmer. Seit mehr als einem Jahr aber gehört er nicht mehr zu den ernsthaften Kandidaten. Sein letztes Spiel im DFB-Trikot fand im Mai 2012 beim 3:5 in Basel gegen die Schweiz statt. Was bleibt, ist wohl ein Wechsel ins Ausland. Die Familie Cacau wird noch einmal umziehen. Sie geht, um in zwei, drei Jahren nach Korb bei Stuttgart zurückzukehren. „Das ist Heimat für uns“, sagt Cacau. Dort bekam er 2009 seinen deutschen Pass und sechs Stimmen bei der Bürgermeisterwahl (obwohl er gar nicht antrat).

Vorher muss er noch beweisen, dass er es wieder schafft, an vergangene Leistungen anzuknüpfen. Und dass er ohne Verletzungen bleiben kann. Bisher sind acht Spiele keine ausreichende Bewerbung. „Zum Aufhören besteht kein Grund“, sagt er. „Rückschläge gehören dazu. Auch den letzten werde ich überwinden. Ich kam aus einer langen Verletzung, hatte mich ran gekämpft und musste wieder pausieren“, erzählt der Meister von 2007. Stuttgart hat ihn noch nicht losgelassen – und er den VfB nicht. „So“, sagt er, „möchte ich nicht aufhören.“ Dass er noch eine Weile auf hohem Niveau spielen kann, steht außer Frage.

Zur WM nach Brasilien will er übrigens trotzdem fahren. Vielleicht als TV-Experte. Und, um sich um seine sozialen Projekte zu kümmern. „Ich werde einige WM-Spiele sehen und nach meinen Kindern aus den Projekten schauen“, sagt er. In zwei, drei Jahren wird er dann vielleicht wieder zum VfB zurückkehren. Manager Fredi Bobic hat mit ihm über einen Job gesprochen. Nicht mehr als Spieler. „Was, werden wir sehen“, sagt er. Vorerst sieht sich Cacau noch als Fußballprofi. „Der Sport und mein Leben gehören zusammen“, sagt er. Zumindest das wird sich nie ändern.

 
 

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