Aus der Phantomtor-Falle führt die Torlinientechnik

Der Mann, der ins falsche Loch traf: Bayern Leverkusens Stürmer Stefan Kießling vor dem Sportgericht.
Der Mann, der ins falsche Loch traf: Bayern Leverkusens Stürmer Stefan Kießling vor dem Sportgericht.
Foto: dpa
Das Stefan-Kießling-Phantomtorurteil befeuert die Debatte über Torlinientechnik – dabei hätte der Heimklub bei der Bundesliga-Partie gegen Bayer Leverkusen einfach nur keine kaputte Ware aufhängen müssen. So, wie es Rudi Völler gleich gesagt hat. Ein Kommentar von Frank Lamers.

Essen.. Manchmal gehen ziemlich schlaue Anmerkungen im ständig aufgewühlten Wörtermeer des Fußballs einfach unter. Deshalb zur Erinnerung: Nach dem Spiel, das im Geschichtsbuch ein eigenes Kapitel mit der Überschrift das „Phantomtorspiel“ bekommen wird, hat Rudi Völler erklärt, dass ein vom Milliardär gesponserter Klub wie die TSG Hoffenheim sich doch nicht nur ein hübsches Stadion, sondern auch ein intaktes Netz leisten könnte.

Und damit lag Bayer Leverkusens Sportdirektor natürlich richtig. Intaktes Netz hätte nämlich bedeutet: Eine Stefan-Kießling-Hatz findet nicht statt. Ein Sportgericht muss nicht tagen. Aus der Debatte über die Einführung von Torlinientechnik wird keine Dringlichkeitsdebatte.

Bauchgefühl vs. Sportgesetze

Das Verursacherprinzip im Völler-Sinne waltet im Phantomtorfall aber nicht. Die Hoffenheimer, die das gerissene Netz doch ins Tor gehängt hatten, erwägen nun vor das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes zu ziehen.

Und der Vorsitzende Richter Hans Lorenz selbst hat ihnen diesen Schritt plausibel gemacht, indem er seinem Urteil auf Basis der Sportgesetze ein Bauchgefühl entgegen setzte, nach dem er bedauerliche Weise nicht habe Recht sprechen können.

Mit Torlinientechnik Phantomtore verhindern

Wohin das alles führen wird? Wahrscheinlich dazu, dass immer mehr Verantwortliche im Fußballgeschäft auf die Seite der Befürworter der Torlinientechnologie wechseln werden.

Dass diese sündhaft teuer ist, dass sie aus dem Emotionshaushalt des Spiels einiges wegrauben würde: egal. Alle paar Monate titscht ein Ball eben so auf, dass der Schiedsrichter nicht erkennt, ob drin oder nicht drin. Und ein Netz, das ist sogar dermaßen tückisch. Vor allem wegen der Löcher.

 
 

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