Funkel findet die Relegation furchtbar ungerecht

Dort geht’s in die Bundesliga: Funkel will auch mit dem VfL nach oben. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Dort geht’s in die Bundesliga: Funkel will auch mit dem VfL nach oben. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
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Bochum. Der VfL Bochum ist schon fünf Mal aufgestiegen, sein Trainer ebenfalls. Diesmal aber stünde noch eine hohe Hürde davor, selbst wenn gegen Duisburg ein Sieg gelingen sollte.

„Wenn wir gewinnen, sind wir aufgestiegen.“ Das sagt Friedhelm Funkel, und im ersten Moment könnte man meinen, der ausgefuchste Trainer-Routinier habe irgendetwas nicht so richtig mitbekommen in den letzten Jahren. Denn ein Sieg gegen den MSV Duisburg am Sonntag wäre für den VfL Bochum ja nicht mehr als ein erster Schritt auf dem Weg zurück in die Bundesliga.

Funkel meint etwas anderes. Er mag die Relegation nicht, hält sie für „ungerecht“ gegenüber den beteiligten Zweitliga-Klubs. „Ich weiß nicht, warum die Erstligisten diesen Bonus bekommen“, sagt der 57-Jährige, legt aber Wert auf die Feststellung, grundsätzlich dieser Meinung zu sein und nicht etwa, weil er nun erstmals von dieser noch recht jungen Regelung betroffen sein könnte. „Von zehn Mal gewinnt der Erstligist acht Mal“, glaubt Funkel und entwirft damit ein eher düsteres Szenario für die Zeit nach dem Erfolg, so er denn überhaupt zustande kommt, so die Bochumer also ihren dritten Rang gegenüber der SpVgg Greuther Fürth behaupten können.

Noch nie länger als eine Spielzeit in Liga Zwei

Generell hütet man sich derzeit in Bochum davor, den zweiten Schritt vor dem ersten auch nur zu denken. „Dafür habe ich noch keinen Blick“, sagt etwa VfL-Torhüter Andreas Luthe, befragt nach den potenziellen Relegationsgegnern. Erst soll der MSV Duisburg in die Knie gezwungen werden, dann wollen sie gemeinsam in die Verlängerung – die Aufstiegsexperten VfL und Funkel. Fünf Mal ist das dem Trainer bislang gelungen, fünf Mal, jeweils nach einem vorausgegangenen Abstieg, dem Klub.

Noch nie haben die Bochumer länger als eine Spielzeit in der Zweiten Bundesliga ausharren müssen, aber diesmal hat das Stehaufmännchen des deutschen Fußballs einen schweren Stand. Erst der schwierige Start, nun ein schwieriges, mit Fragen und Zweifeln versehenes Ende, und dann auch noch, wenn alle Zweifel ausgeräumt sein sollten, das aufgezwungene Zwei-Runden-Nachsitzen mit einem Erstliga-Schwergewicht.

Keine Erfahrung mit der Relegation

Weder Funkel noch der VfL verfügen über Erfahrung mit der Relegation. Drei Mal haben sich die Bochumer bisher als souveräner Zweitliga-Meister in der Beletage zurück gemeldet, im Jahr 2000 genügten schlappe 61 Punkte, um Zweiter zu werden, und nur 2002 gab es ein am Ende unverhofftes und deshalb umso mehr umjubeltes Herzschlag-Finale. Unvergessen sind die Bilder eines nicht nur vom Hemde befreiten Peter Neururer, wie er nach dem Bochumer 3:1-Erfolg über den Rasen des Aachener Tivoli tobt, tanzt und taumelt, weil zeitgleich Union Berlin den geschundenen Mainzern unter dem aktuellen Meistertrainer Jürgen Klopp ein Bein gestellt hatte. In letzter Sekunde waren die Bochumer an den Rheinhessen vorbei gestürmt auf Rang drei, der damals noch den freien Zugang zum exklusiven Zirkel der Besten garantierte. Herrliche Zeiten.

Dass sich Friedhelm Funkels Wege in all’ den Aufstiegsjahren nie mit denen des VfL Bochum gekreuzt haben, ist verwunderlich. An eine etwas andere Art von Finale gegen seinen heutigen Klub muss man Funkel schon erinnern. Ist ja auch eine Weile her. 1995 war das, am 32. Spieltag, es ging gegen den Abstieg. Bayer Uerdingen empfing in der Grotenburg den VfL, einen der beiden Klubs, so viel war klar, würde es später erwischen. Bayer gewann, die Bochumer stiegen ab, Uerdingen blieb drin. Und Funkel, jetzt ist es wieder präsent, rastete aus, „rannte bis zur Kurve“. Die ultimative Befreiung, das Gefühl, es geschafft zu haben, wird sich am Sonntag nicht lange halten können.