Fortuna soll Skispringen nicht entscheiden

Thomas Lelgemann

Trotz geänderter Regeln, die für gerechtere Ergebnisse sorgen sollen: Das traditionelle Neujahrs-Skispringen in Garmisch, das nach nur einem Durchgang abgebrochen wurde, war ein reises Glücksspiel. Ein Kommentar.

The show must go on, die Show muss weiter gehen, das war wohl die Devise der Veranstalter. Kein anderer Skisprung-Wettbewerb findet weltweit so große Beachtung wie das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Generationen von Sport-Fans haben schon kurz nach dem Aufwachen den Fernseher eingeschaltet, um sich als erstes Highlight des Jahres die wagemutigen Skispringer anzuschauen.

Aber am Neujahrstag 2011 wäre es sinnvoller gewesen, die Kult-Veranstaltung abzubrechen. Wichtiger als ein spannender Wettkampf ist nämlich die Gesundheit der Sportler. Zwar hat sich kein Springer ernsthaft verletzt, doch hätte es auch anders ausgehen können. Die größte sportliche Leistung des frühen Jahres war daher nicht der Siegessprung von Simon Ammann, sondern das artistische Manöver von Andreas Kofler. Der Vorjahressieger der Tournee verhinderte einen Sturz, der ihn möglicherweise schwer verletzt und dem Skispringen erheblich geschadet hätte.

Und fair war der Wettkampf ohnehin nicht. Trotz der neuen Windregel. Bei solch irregulären Bedingungen wie am Neujahrstag hilft auch das geänderte Reglement nicht. Der Oberstdorf-Zweite Matti Hautamäki landete nur auf Platz 31 und war stinksauer: „Ich sage jetzt nicht, was ich denke, denn sonst würde ich Probleme bekommen.“

Diesen Ärger teilte der Finne mit vielen anderen Springern. Und die, die mehr Glück bei der Windlotterie hatten, werden ihre Freude nur voll genießen, wenn sie sich selbst belügen. Nicht Fortuna, sondern Können sollte entscheiden.