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Faszination und Dankbarkeit

V.l.: Detlef Pampus (Mitarbeiter der JVA), Nationalspielerin Karin Schnaase, Alexander Roovers, Klaus Fuhrmann (Mitarbeiter der JVA)., Karin Schnaase und Alexander Roovers erhielten beide von Detlef Pampus (vorne) und Klaus Fuhrmann einen Blumenstrauß als Dankeschön für ihr Engagement.
V.l.: Detlef Pampus (Mitarbeiter der JVA), Nationalspielerin Karin Schnaase, Alexander Roovers, Klaus Fuhrmann (Mitarbeiter der JVA)., Karin Schnaase und Alexander Roovers erhielten beide von Detlef Pampus (vorne) und Klaus Fuhrmann einen Blumenstrauß als Dankeschön für ihr Engagement.

Mülheim. Fasziniert und dankbar zeigten sich etwa 100 Inhaftierte der Justizvollzugsanstalt (JVA) Castrop-Rauxel beim Besuch der beiden deutschen Badmintonasse Karin Schnaase (SC Union Lüdinghausen) und Alexander Roovers (1. BV Mülheim) am 16.09.2009 in der anstaltseigenen Sporthalle.

Die WM-Dritte von 2008 mit dem deutschen Damenteam und der Deutsche Juniorenmeister des gleichen Jahres hatten sich bereit erklärt, zunächst in einem Showmatch zu demonstrieren, wie vielfältig und spektakulär die Sportart Badminton ist. Anschließend dienten sie mehreren Inhaftierten als Trainingspartner und gaben ihnen Tipps zur Verbesserung ihres Spiels. Überaus motiviert und sichtlich begeistert nahmen etwa zehn derjenigen Inhaftierten, die üblicherweise mehrmals wöchentlich zum Badmintonschläger greifen und auch schon über ein gewisses Spielniveau verfügten, das Angebot, gemeinsam mit Spitzenkönnern auf dem Feld zu stehen, an.

„Die Aktion war für uns eine ganz neue Erfahrung, und es hat uns viel Spaß gemacht, hier zu spielen. Es war schön zu sehen, wie dankbar alle waren, dass wir ihnen diese Möglichkeit geboten haben. Gleichzeitig konnten wir den Inhaftierten ein Beispiel geben, wie sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten können“, sagte Karin Schnaase.

Auch Alexander Roovers zog ein positives Fazit: „Ich war sehr überrascht, dass so viele zum Zuschauen gekommen sind und Interesse am Badmintonsport haben“, meinte der 22-Jährige. Alexander Roovers, der ab Oktober am Bundesstützpunkt der Herren in Saarbrücken trainieren wird, hatte sich kurzfristig für die Aktion zur Verfügung gestellt, nachdem sich Nationalspielerin Johanna Goliszewski, die ursprünglich mit nach Castrop-Rauxel fahren sollte, tags zuvor im Training am Knie verletzt hatte.

„Badminton wird bei uns hochgehalten. Wir bedanken uns bei Ihnen, dass Sie uns nun zeigen werden, wie man es richtig macht. Dass unsere Anfrage vom Deutschen Badminton-Verband so positiv beschieden wurde, freut uns sehr“, sagte der stellvertretende Anstaltsleiter Rolf Schwidder in seiner kurzen Begrüßungsrede.

Ganz still wurde es in der mit vier Badmintonfeldern ausgestatteten Sporthalle, als Karin Schnaase und Alexander Roovers mit ihrem Showmatch begannen: Fasziniert verfolgten die Zuschauer, darunter auch zahlreiche Mitarbeiter der JVA, wie sich die beiden Einzelspezialisten gegenseitig über das gesamte Feld jagten. Doch schnell beteiligten sich auch die Badmintonanhänger von der kleinen Tribüne und den Bänken aus: Jeden Punktgewinn bedachten sie mit lautstarkem Applaus.

Der Sport mit Inhaftierten hat in der JVA Castrop-Rauxel einen hohen Stellenwert. „Es geht dabei unter anderem um physische und psychische Entlastung der Inhaftierten, Vorbereitung auf die Entlassung, das Erlernen einer sinnvollen Freizeitgestaltung, Sozialerziehung und positive Persönlichkeitsbildung. Neben Fußball spielt bei uns in diesem Zusammenhang der Badmintonsport eine große Rolle“, sagte Klaus Fuhrmann, der in der JVA Castrop-Rauxel, einer Anstalt des offenen Strafvollzuges, für das Sportprogramm der Inhaftierten verantwortlich zeichnet und selbst seit mehr als 30 Jahren als Spieler und Abteilungsleiter im Badmintonsport aktiv ist.

Text & Fotos: Dr. Claudia Pauli (Pressesprecherin DBV)