Fanverbände fordern Boykott von "Bild"-Flüchtlingsaktion

Klare Botschaft: Dieses Banner zeigten Fans des FC St. Pauli beim Spiel gegen Borussia Dortmund.
Klare Botschaft: Dieses Banner zeigten Fans des FC St. Pauli beim Spiel gegen Borussia Dortmund.
Foto: imago
Fans mehrerer Bundesligavereine fordern von ihren Clubs einen Boykott der Flüchtlingsaktion der "Bild"-Zeitung. Der VfL Bochum sagte der Kampagne ab.

Essen. Die am Wochenende in der Bundesliga geplante Aktion für Flüchtlinge, präsentiert von der "Bild"-Zeitung und dem Versandunternehmen Hermes, schlägt im Vorfeld große Wellen: Nach dem am Mittwoch vom Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli verkündeten Boykott, gab nun auch der VfL Bochum bekannt, sich nicht an der "Bild"-Aktion beteiligen zu wollen. Auch der 1. FC Nürnberg, Union Berlin und der SC Freiburg werden am Wochenende mit der normalen Beflockung auflaufen.

Der VfL Bochum begründete auf seiner Website den Boykott wie folgt: "Der VfL Bochum begrüßt sämtliche Hilfsmaßnahmen, die in Not geratene Menschen unterstützen. Wenn es also um die Sache gegangen wäre, wären wir kompromissbereit gewesen und hätten eine Aktion, die von der "Bild" mitgetragen wird, unterstützt. Allerdings hat uns die scharfe Reaktion seitens der "Bild"-Chefredaktion ob der Absage eines anderen Clubs an die Aktion dazu gebracht, sich mit diesem Verein solidarisch zu zeigen. Es darf unserer Ansicht nach nicht sein, dass jemand einem Verein die Solidarität mit Flüchtlingen abspricht, nur weil dieser nicht bereit ist, eine u.a. von der "Bild" initiierte Aktion zu unterstützen." Ähnlich äußerte sich auch der 1. FC Nürnberg.

Derweil fordern viele Fans ihre Klubs auf, es den Zweitligisten nachzutun: In einem offenen Brief rief die Fanvereinigung "Unsere Kurve" zu einem Verzicht auf die geplante Aktion auf. Auch rund um die Bundesligavereine aus dem Ruhrgebiet wurden Rufe nach einem Boykott laut: Die Gelsenkirchener Solidargemeinschaft "Königsblaue Hilfe e.V." forderte auf ihrer Homepage, das eigene Engagement in den Vordergrund zu stellen und nicht das der Boulevardzeitung: "Dass auf Schalke und in Gelsenkirchen Flüchtlinge willkommen sind, zeigte die Vereinsfamilie erst am vergangenen Sonntag, (...). Deshalb sollte es für jeden Schalker selbstverständlich sein, die Aktion des FC Schalke und nicht die des Springer-Verlages zu unterstützen", hieß es in einem Eintrag.

Fortuna-Anhänger sind mehr als sauer auf ihren Verein

In Düsseldorf entlädt sich die Wut der Fans nach der Entscheidung des Vorstands, die Aktion weiter zu unterstützen, unter anderem auf Facebook. Als "Verrat an der Identität unseres Vereins" bezeichnet das der Fan-Dachverband "Supporters Club Düsseldorf 2003". Und kündigt an, sich mit sofortiger Wirkung aus der Arbeitsgruppe zur Identitätsfindung des Vereins zurückzuziehen. Auch die Ultras Düsseldorf haben das Schreiben inzwischen unterzeichnet.

Etwa zeitgleich mit der Veröffentlichung des Fanverbands wird auf der offiziellen Facebookseite der Fortuna ein Foto der Spieler vor einem Banner mit der Aufschrift "Humanität - Respekt - Vielfalt" gepostet. Was für noch mehr Verstimmung bei den Fans sorgt. "Ich habe mich noch nie so verarscht gefühlt von meinem Verein wie heute, nachdem man sich gegen die Fanszene gestellt hat, haut man noch schnell ein Mannschaftsfoto raus, um die Gemüter zu berühigen", schreibt etwa User "Wolle Kortez". Beispielhaft zeigt sich "Ralle D-Dorf" hoch enttäuscht: "Das ist nicht mehr die Fortuna, die ich mal aus voller Überzeugung geliebt habe." Mehrere Fans kündigen an, ihre Mitgliedschaft zu überdenken. Der Hashtag #BILDnotwelcome ist mittlerweile auf Platz 1 der Twitter-Trends gelandet.

Fans wünschen sich Konzentration auf das eigene Engagement

Vor Anpfiff der Partie am vergangenen Sonntag gegen Mainz 05 hielten die Zuschauer in der Veltins-Arena weiße Plakate mit der Aufschrift "#stehtauf" in die Höhe - ein Zeichen zur Unterstützung von Flüchtlingen mit der Botschaft "#stehtauf, wenn ihr Menschen seid". Die Fans wünschen sich, dass ihre Klubs sich auf das eigene Engagement konzentrieren.

So auch bei Borussia Dortmund: Der Verein hatte zuletzt gemeinsam mit dem FC St. Pauli ein Freundschaftsspiel unter dem Motto "Refugees Welcome" veranstaltet. Ein BVB-Anhänger auf dem Forum schwatzgelb.de verweist auf das soziale Engagement des Klubs, beispielsweise gegen Fremdenfeindlichkeit und fordert: "Besudelt diese Arbeit bitte nicht damit, dass ihr sie in einen Topf mit der Bildzeitung werft (...)."

Für das kommende Wochenende ist geplant, dass die Vereine der 1. und 2. Fußball-Bundesliga mit dem Logo der "Bild"-Aktion auf dem Trikot auflaufen sollen. Dafür verzichtet das Versandunternehmen Hermes auf seine Werbung. An dieser Stelle soll dann "Wir helfen - #refugeeswelcome" zu lesen sein.

Der FC St. Pauli hatte sich direkt gegen eine Teilnahme ausgesprochen, woraufhin "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann via Twitter antwortete: "Darüber wird sich die AfD freuen: Beim FC St. Pauli sind #refugeesnotwelcome." In dem Sozialen Netzwerk traf die Entscheidung der Zweitligisten St. Pauli und Union Berlin schnell auf viel Lob, unter dem Hashtag "BILDnotwelcome" richten sich zahlreiche User gegen die der "Bild" initiierte Aktion.

 
 

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