Uwe und Björn Krupp - eine ganz spezielle Vater-Sohn-Geschichte

„Es ist schon ein bisschen eigenartig bei uns“, sagt Björn Krupp zu der Beziehung zu seinem Trainer und Vater.
„Es ist schon ein bisschen eigenartig bei uns“, sagt Björn Krupp zu der Beziehung zu seinem Trainer und Vater.
Foto: imago
Der Vater hat in der NHL den Stanley Cup gewonnen, der Sohn wird gerade Eishockey-Nationalspieler. Der Vater ist Trainer der Kölner Haie, der Sohn spielt für dieses Team. Da ist das Verhältnis der beiden natürlich nicht immer ganz einfach. Gemeint sind Uwe und Björn Krupp.

Essen.. Alle zwei, drei Monate geht Björn Krupp mit seinem Vater Uwe essen. Wie das so ist: sie plaudern, sie diskutieren, über ihr Leben, über Eishockey, ihren Sport. Die Unterhaltung folgt einer festen Regel: Vater und Sohn reden immer englisch miteinander, auf deutsch wird nur bestellt. „Es ist schon ein bisschen eigenartig bei uns“, sagt Björn Krupp mit einem Lächeln.

Vielleicht gehören ein paar Schrullen dazu, wenn man 22 Jahre alt ist, am Beginn seiner Karriere als Eishockey-Spieler steht und vom eigenen Vater trainiert wird, der in diesem Sport Titel gewonnen hat, von denen Spieler wie sein Sohn noch träumen. Uwe und Björn Krupp, das ist eine ganz spezielle Vater-Sohn-Geschichte.

„Er fasst mich eher härter an“

Ein bisschen eigenartig? Das trifft es wohl. Hier also der Vater: Uwe Krupp, der in der US-Profiliga NHL gespielt hat, der 1996 mit den Colorado Avalanche den Stanley-Cup gewonnen hat. Es ist der prestigeträchtigste Titel im Eishockey weltweit, mehr geht nicht. Heute ist Krupp senior in einem Meer von mehr oder weniger unbekannten Spielern so etwas wie das Gesicht der Deutschen Eishockey-Liga. Er trainiert die Kölner Haie, das Team steht an der Tabellenspitze.

Und dort also Sohn Björn: 22 Jahre alt, Verteidiger wie der Vater. Aber ein Eishockey-Spätzünder. Als die Ehe der Eltern in die Brüche und der Vater in die USA ging, blieb Björn Krupp in Köln. Eishockey? Nie ein Thema. Als er später zum Vater in die USA übersiedelte, sprach er nur deutsch. Weshalb Uwe Krupp mit seinem Sohn von da an ganz bewusst nur noch englisch redete – was bis heute so geblieben ist.

Dann erkannten Scouts das Talent des Juniors und jetzt feiert der 1,91 Meter große kleine Krupp sein Debüt in der Nationalmannschaft, die am Mittwoch in Essen gegen Lettland testet. „Für mich“, gesteht Björn Krupp, „ist das eine Ehre, ich bin deshalb ziemlich aufgeregt.“

Anrede ist „Coach“

Vielleicht liegt das auch an der Umstellung, mal nicht für seinen Vater zu spielen. In Köln, wo ihre Wege zusammen gelaufen sind, sei es nicht immer einfach, sagt Björn Krupp, „eigentlich ist der Coach hart, manchmal sehr hart.“

Der Coach. Das ist die Anrede, die der Sohn dem Vater gegenüber gebraucht. Es soll auch nicht der Hauch eines Verdachts aufkommen, Uwe Krupp könnte seinen Sohn bevorzugen. „Deshalb fasst er mich eher härter an als die anderen“, sagt der Sohn und setzt lächelnd hinzu: „In der Nationalmannschaft werde ich nicht so oft vom Trainer angeschrien.“

Damit das nicht in den falschen Hals kommt: Das Verhältnis zum Vater sei völlig okay, findet der Junior. „Er ist privat wie ein Kumpel für mich, da haben wir einen lockeren Umgang. Aber im Job gibt es das nicht. Auf dem Eis sieht er einfach alles, und er lässt uns nichts durchgehen.“

Traum von der NHL

Als Spieler kann Krupp, Björn, von Krupp, Uwe, also nur profitieren. „Er hat sich beständig entwickelt“, sagt Bundestrainer Pat Cortina, der Björn Krupp ein paar Tage unter seinen Fittichen hat. Krupp junior gehört zu dem Kreis junger Spieler, die auf dem Sprung sind, es in den DEB-Kader zu schaffen. „Ich hoffe, dass es klappt. Aber zu viele Gedanken mache ich mir nicht“, sagt Krupp mit der Unbekümmertheit eines 22-Jährigen. In Köln läuft es schließlich gut, auch wenn der Druck gestiegen sei: „Nach der Vize-Meisterschaft im Vorjahr erwarten alle von uns, dass wir mindestens wieder bis ins Finale kommen. Aber im Eishockey kannst du eine noch so gute Saison spielen, am Ende zählen nur die Playoffs.“

Einen Traum träumt Björn Krupp allerdings doch. Der Sprung in die USA? „Das ist das Fernziel“, nickt Krupp. Er wäre der zweite Mann mit diesem Namen in der NHL, er hätte große, überlebensgroße Fußstapfen zu füllen. Tipps vom Papa für den Fall der Fälle? Würden bestimmt kommen, nickt Björn Krupp. Auf englisch, versteht sich.

 
 

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