Brück: "Es geht nicht, dass wir übel beschimpft werden"

Wolfgang Brück, geschäftsführender Gesellschafter der Roosters.
Wolfgang Brück, geschäftsführender Gesellschafter der Roosters.
Foto: IKZ
Der Vereinsvorsitzender der Iserlohn Roosters, Wolfgang Brück, äußert sich zum Verkauf der IEC-Gesellschafteranteile und zu Perspektiven des Vereins.

Iserlohn.. Wenn Iserlohner EC und Iserlohn Roosters GmbH am 29. Juni ihre Jahreshauptversammlung durchführen, wird der Vereinsvorsitzende und geschäftsführende Gesellschafter Wolfgang Brück in seinem Bericht auch auf eine Veränderung eingehen, die bereits 2013 umgesetzt worden ist. Denn der Iserlohner EC gehört als Verein nicht mehr zu den Gesellschaftern der Roosters GmbH. Zuletzt war der IEC, so Brück, noch mit rund fünf, sechs Prozent Anteilen an der GmbH beteiligt.

Dass die Mitglieder nicht schon im letzten Jahr darüber informiert wurden, sei ein Versäumnis gewesen, räumt er ein. Aber zu verheimlichen sei ein derartiger Schritt ohnehin nicht, weil die Fakten im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Außerdem habe es schon mehrfach Veränderungen bei den Gesellschafteranteilen gegeben, das sei durchaus nicht unüblich. Der Verkauf der IEC-Anteile an einen neuen Gesellschafter resultiere aus einer damals sportlich und wirtschaftlich angespannten Situation.

„Überschuldung ist ein Ausschlusskriterium“

Dass der 1994 gegründete Verein als Gesellschafter fungiert habe, sei mit der Historie begründet. Denn als man im Jahr 2000 die Gesellschafteranteile der Starbulls Rosenheim erwarb, habe der IEC diese zu 100 Prozent mangels Investoren gekauft. „Sonst wäre es dazu nie gekommen“, so Brück weiter. „Doch es können nur Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb teilnehmen.“ Das diene auch dem Schutz der Nachwuchsabteilungen. Aber es sei auch immer klar gewesen, dass der IEC auf Dauer nicht in der Lage gewesen wäre, die wirtschaftlichen Risiken zu tragen. „Denn wir haben neben Gewinnjahren durchaus auch operative Verluste gemacht und dann Ausgleichsverpflichtungen geleistet. Überschuldung ist bei der Lizenzierung schließlich ein Ausschlusskriterium.“

Dass der Verein IEC nun nicht mehr zu den Gesellschaftern gehört, besitzt bei einigen Fans allerdings eine emotionale Komponente, sie vermittelt möglicherweise das Gefühl, nicht mehr ernst genommenes Vereinsmitglied oder nicht an Entscheidungen beteiligt zu sein - gerade mit Blick auf das Aus der Hamburg Freezers, als der Daumen des alleinigen Gesellschafters nach unten zeigte. Allerdings: Der IEC hätte mit seinem Anteil ohnehin keine Entscheidungsmehrheit (50 Prozent plus eine Stimme) besessen.

„Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass Ängste vorhanden sind“, so Brück und schränkt ein. Natürlich gehe es grundsätzlich immer um die Machbarkeit. „Deshalb soll man nie ‘nie‘ sagen“, beantwortet er die Frage, ob ein Lizenzverkauf in Iserlohn, wann auch immer, ein Thema werden könnte. Denn einen Verkauf würde er immer einer Insolvenz vorziehen. Aber er möchte die Sorge vor einem „sudden death“ wie in Hamburg nehmen. „Unsere Gesellschafter sind seit vielen, vielen Jahrzehnten in der heimischen Region verwurzelt.“ Er streicht deren Glaubwürdigkeit und Begeisterung heraus und hofft mit Blick auf nunmehr 23 erfolgreiche Jahre auf das Vertrauen in die Macher, „die alles dafür tun, dass dieser Standort nicht aufgegeben werden muss.“ Als Beweis versichert Brück: „Allen Beteiligten ist klar, dass man mit Eishockey kein Geld verdienen kann. Operative Gewinne haben wir nie ausgeschüttet, sondern investiert oder damit Verluste ausgeglichen.“

Das sagt er unter Hinweis auf die Lage in der Liga, deren GmbHs mit insgesamt 110 Millionen Euro verschuldet sind. In Hamburg habe der Alleingesellschafter immer wieder Verluste ausgeglichen, nun sei er aber zu der Entscheidung gekommen: „Es reicht.“ So seien schon viele Klubs von der Landkarte verschwunden, Iserlohn ist aber seit 2000 dabei. Brück spricht von großem Idealismus, jeder der Roosters-Gesellschafter liebe diesen Sport und spüre die Verantwortung. Und mit dem klaren Bekenntnis zur Eishockeygeschichte und den Vorgängervereinen sei das in den letzten drei Jahren besonders dokumentiert, „obwohl der IEC kein Gesellschafter mehr ist.“

„Es geht nicht, dass wirübel beschimpft werden“

Daher findet er es inakzeptabel, wenn man massiv beschimpft und den Gesellschaftern eigensüchtiges Interesse unterstellt werde. Mit den Attacken einiger IEC-Fans Richtung Nürnbergs Mäzen Thomas Sabo sei eine Grenze überschritten worden.„Ich bin für Kritik, Ironie und Satire. Ich möchte mich auch unangenehmen und kritischen Fragen stellen und sachlich diskutieren. Ich liebe die Emotionen unserer Fans, aber ich liebe auch Fairplay. Es geht nicht, dass wir übel beschimpft werden, obwohl wir zahlen und eine große Verantwortung tragen.“

Und jenen, die glauben, mit dem Verkauf der IEC-Anteile an der GmbH habe der Verein und seine Mitglieder keine Bedeutung mehr, entgegnet Brück: „Ein großes Thema ist doch die Nachwuchsarbeit.“ Hier sei die Verzahnung gut zu erkennen: „Die GmbH unterstützt den Nachwuchs mit einem hohen sechsstelligen Betrag.“ Und sie kassiere Strafen, wenn der Nachwuchs das Fünf-Sterne-Programm nicht erfülle. „Das kostet uns als kleiner Verein eine ganze Menge.“ Deshalb habe man die Nachwuchsförderung intensiviert. Ferner genießen Vereinsmitglieder zahlreiche Vorteile bezüglich des DEL-Spielbetriebs der Roosters, u. a. durch Ermäßigungen, zwei Saisonfreikarten oder Vorkaufsrechte.

Auf den Dauerkartenverkauf setzt man bei den Iserlohn Roosters natürlich weiterhin als wichtige Einnahmequelle, zumal mit Mark E ein Sponsor ausgestiegen ist und die Stadtsparkasse Iserlohn ihr Engagement reduzieren wird. Zu Details will sich Brück ebenso wenig äußern wie zu Spekulationen, dass eine andere Sparkasse zu den Unterstützern gehöre.

 
 

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