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Robert Müller kämpfte bis zum Schluss

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Foto: imago sportfotodienst

Köln. Mit 28 Jahren starb der Eishockey-Torwart Robert Müller an den Folgen eines Hirntumors. Trotz der Krankheit, stand er noch für die Kölner Haie im Tor. Seine Rückennummer 80 soll nie wieder vergeben werden.

Im Januar hat Robert Müller noch einmal ein bisschen Eishockey gespielt. Sein Freund Andreas Renz – wie Müller Profi bei den Kölner Haien – war dabei, und wer damals am Decksteiner Weiher in Köln vorbei kam, hat hinterher von Szenen erzählt, die unter die Haut gingen: Wie Robert Müller mit Decken, Tee und Plätzchen versorgt wurde, wie ihm seine Mitspieler die Schlittschuhe und die Schoner angezogen haben, wie Müller dann auf den gefrorenen See lief, tastend, langsam, wackelig. Aber Müller wollte aufs Eis, im Grunde wollte er in seinem Leben nie etwas anderes tun, als Eishockey zu spielen. Das war so als gefeierter Nationaltorhüter. Und es ist so geblieben, nachdem er hören musste, dass er an einem Gehirntumor erkrankt ist und deshalb sterben wird.

Im Alter von 26 Jahren bekam er die Diagnose

Wer will, wer kann sich vorstellen, was in einem Menschen vorgeht, der mit einer Diagnose fertig werden muss, die einem keine Chance mehr lässt? Robert Müller war jung, gerade 26 Jahre, Hochleistungssportler, Eishockey-Profi, einer der besten im Land, gut bezahlt, Nationalspieler, Vater einer Tochter. Wer denkt da an Krebs, wenn der Kopf schmerzt? Aber weil die Schmerzen wieder kamen, steckten ihn die Ärzte im November 2006 in den Tomographen. Ein paar Tage später lag Müller auf der Neuroonkologie der Heidelberger Uniklink. Man sägte ihm die Schädeldecke auf und trug einen gewaltigen Tumor ab.

Was damals wohl nicht einmal Robert Mülller ganz genau wusste: Der Kampf gegen den Krebs war längst verloren. Wolfgang Wick kennt das, sein Schicksal ist, dass er meist aussichtslose Kämpfe kämpfen muss. Bei Müller diagnostizierte der weltweit anerkannte Neurologe ein Glioblastom. Das ist ein Tumor vierten Grades, unheilbar, schnell wachsend, unempfindlich gegen die bekannten Therapien. Wer ihn hat, lebt in der Regel maximal noch ein Jahr.

Sein Leben festhalten

Robert Müller überlebt das Jahr. Er trainiert wieder, und er will zurück ins Tor. Er hat gelernt, Pucks festzuhalten, die rasend schnell auf ihn zuschießen, und nun will er sein Leben wie er es kennt und liebt festhalten. Außer seinem Arzt und der Familie weiß niemand, wie schlecht es wirklich steht, aber sein Mannheimer Verein bekommt kalte Füße. Im Sommer 2007 holt man einen neuen Keeper und Müller sagt: „Das war der schlimmste Schmerz.” Robert Müller wechselt, über Duisburg kommt er zu den Kölner Haien, einen Tag nach Nikolaus 2007. Kölns Geschäftsführer Thomas Eichin, der als Fußballprofi 180 Bundesligaspiele für Mönchengladbach absolviert hat, sagt, die genaue Diagnose sei ihm egal, Überlebensstatistiken interessierten ihn nicht. Aber ein Nationalkeeper, der offenbar wieder fit ist.

Köln ist das, was Robert Müller neben seiner Familie mehr als alles braucht. Köln ist Emotion. Müller war schon vor seiner Krankheit ein Spieler, den die Fans mochten, weil er spektakulär spielte und als Typ galt, der sagt, was er denkt. In Köln wird er gefeiert wie nie zuvor, man redet nicht mehr von der Krankheit, und am 22. März 2008 glaubt alle Welt: Robert Müller, inzwischen auch Vater eines Sohnes, hat es geschafft. An diesem Tag spielt Köln gegen Mannheim, es wird ein Jahrhundertspiel, weil es sechseinhalb Stunden dauert – und im Tor steht der Mann mit dem Tumor.

Tumor immer noch tödlich

Die Wahrheit ist, dass dieser Tumor immer noch tödlich ist. Im August entdecken die Ärzte neue Geschwüre, Robert Müller wird zum zweiten Mal operiert und diesmal entbindet er Wolfgang Wick von seiner Schweigepflicht. Noch einmal kämpft sich der Keeper zurück, im November fährt er in der Kölner Arena ein letztes Mal aufs Eis, für sieben Minuten. Die Menschen feiern ihn, und selbst Profis, die den nächsten Vertrag grundsätzlich da unterschreiben, wo es einen Euro mehr gibt, steht das Wasser in den Augen.

Robert Müller ist mit seiner Narbe von Ohr zu Ohr ein Symbol geworden. Für einen, der kein Aufheben macht, der aber kämpft. Dann wird es ruhig um ihn, und das ist kein gutes Zeichen. Was sich dahinter verbirgt, wenn Freunde in den letzten Wochen sagen müssen, Robert gehe es von Tag zu Tag schlechter – wer will sich das vorstellen? Jetzt ist Robert Müller gestorben, mit 28 Jahren.

Infos: Robert Müller wurde vor 28 Jahren in Rosenheim geboren, er bestritt als Torhüter 127 Länderspiele, nahm an zwei Olympischen Spielen und acht Weltmeisterschaften teil. Er spielte für Rosenheim, Mannheim, Krefeld, Duisburg und Köln und wurde zweimal deutscher Meister. Er hinterlässt Ehefrau Jenny und die Kinder Lena (4) und Luis (1).