Veröffentlicht inEishockey

„Mister Eishockei“ Xaver Unsinn ist tot

Der frühere Bundestrainer Xaver Unsinn, der die deutsche Nationalmannschaft 1976 in Innsbruck zu Olympia-Bronze führte, starb im Alter von 82 Jahren in Füssen. Sein Pepita-Hut liegt heute in der Eishockey-Ruhmeshalle im kanadischen Toronto.

Essen. 

Es war an einem Nachmittag vor ein paar Jahren am Hopfensee im Allgäu. Paul Ambros hatte Kaffee gekocht und erzählte von den goldenen Eishockey-Zeiten des EV Füssen. Elf deutsche Meisterschaften hatte Ambros geholt, den sie in den 50er Jahren als Verteidiger fürchteten und respektvoll den „Tiger vom Hopfensee“ nannten. Meistens war Xaver Unsinn, der als Spieler ebenfalls elf Meisterschaften gewann, als Stürmer dabei mit auf dem Eis.

„Wäre doch nett, wenn der Xari jetzt auch zum Kaffee am Tisch sitzen würde“, sagt Ambros. „Er wohnt nur ein paar Straßen weiter.“ Dann griff er zum Telefon. „Komm’ rüber, wir sprechen gerade über den EV Füssen, du kannst die Geschichten viel besser erzählen als ich.“ Doch Xaver Unsinn hatte keine Lust. „Er redet nicht mehr so gerne über die alten Zeiten, wenn Journalisten dabei sind“, meinte Ambros. „Schade, er kann das wirklich richtig gut.“

Stimmt, er erzählte nicht nur gut, sondern auch gerne. Wollte man sich nach einem Gespräch verabschieden, legte er einem gerne die Hand auf den Unterarm und meinte: „Das eine möchte ich ihnen aber noch sagen…“. Und so ging das Gespräch oft noch in die nächste Runde.

Da er im Allgäu aufgewachsen war, klang das Wort Eishockey aus seinem Mund stets wie „Eishockei.“ Sein Spitzname war geboren: Mister Eishockei. Mister Eishockei redete aber nicht nur, sondern handelte auch. Als Bundestrainer betreute er die Nationalmannschaft in drei Perioden (1964, 1975 bis 1977 und 1981 bis 1990) bei 221 Länderspielen. 1976 holte er dabei den größten Erfolg, den eine deutsches Eishockey-Nationalteam bisher erreicht hat: Seine Mannschaft mit Ausnahmespielern wie Erich Kühnhackl oder Alois Schloder gewann bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck Bronze.

Sein Markenzeichen trug er damals hinter der Bande schon auf dem Kopf: Seinen Pepita-Hut, ohne den er später nie mehr im Eisstadion zu sehen war. Auch der Hut machte Geschichte: Er liegt heute in der Eishockey-Ruhmeshalle im kanadischen Toronto.

Der bittere Abschied

Sein Abschied als Bundestrainer war traurig. Wegen einer rätselhaften Krankheit wurde er 1990 bei der WM in Bern durch seinen früheren Spieler Erich Kühnhackl ersetzt. Der Deutsche Eishockey-Bund schickte Xaver Unsinn vorzeitig nach Hause. Unsinn verkraftete dieses bittere Ende seiner Karriere nur schlecht. Erst Jahre später schloss er seinen Frieden mit den Funktionären.

Am Donnerstag starb Xaver Unsinn im Alter von 82 Jahren in Füssen.