Groundhopper Keßler war in 302 Eishallen

Hans-Hubert Keßler besucht Stadien in der ganzen Welt. Fotos: Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Hans-Hubert Keßler besucht Stadien in der ganzen Welt. Fotos: Monika Kirsch / WAZ FotoPool

Köln.. Sein Erkennungszeichen im Café? Eine Eishockey-Zeitung. „Die lese ich, dann finden Sie mich schon“, sagt Hans-Hubert Keßler (62). Der Kölner ist Eishockey-Groundhopper, das bedeutet: Er sammelt Stadionbesuche.

Bisher war er in 302 Eishallen in 23 Ländern. Sein nächstes Spiel: Am Tag vor Heiligabend geht er zu den Kölner Haien gegen Straubing, natürlich kein neues Stadion auf seiner Liste. Alltag, aber der geht bei ihm niemals ohne Eishockey.

Kann es sein, dass Sie ziemlich eishockeyverrückt sind?

Hans-Hubert Keßler: Bin ich, mit drei Ausrufezeichen.

Selber mal gespielt?

Keßler: Nein, mein sportliches Talent ist eher überschaubar. Ich habe in Kleve, wo ich geboren wurde, Fußball in der A-Jugend gespielt, habe aber nach einer 1:9-Niederlage aufgehört, bei der mein Gegenspieler leider acht Tore geschossen hat.

Acht?

Keßler: Ja, aber wissen Sie, wie mein Gegenspieler hieß? Willi Lippens, da war für mich nicht viel zu machen.

Und wann ging es mit den Eishallen los?

Keßler: Anfang der 70er Jahre bin ich nach Köln gezogen, 1974 habe ich meine erste Dauerkarte gekauft und seitdem habe ich bei den Kölner Haien nur dann ein Heimspiel verpasst, wenn ich gerade auf einer Stadion-Tour war.

Welches war das erste Stadion außerhalb von Köln?

Keßler: Das war im Jahr 1977, als Köln Meister wurde. Damals hat der Verein für die Endrunde ein Paket mit drei Auswärtstickets angeboten, und ich war in Düsseldorf, Krefeld und Bad Nauheim dabei.

Und dann ging es richtig los?

Keßler: Noch nicht, ich war erstmal fünf Jahre Jugend-Obmann bei den Haien und bin auch eingesprungen, wenn der Stadionsprecher verhindert war. Aber ich hatte ja auch einen Beruf und keine Zeit für große Touren. Das ging erst vor fünf Jahren mit dem vorzeitigen Ruhestand richtig los. Da hatte ich auf einmal viel Zeit.

Wohin haben Sie die erste Tour gemacht?

Keßler: Im November 2005 über Nürnberg nach Innsbruck, Davos, Lausanne, Bern und Basel. In Lausanne habe ich damals auch meinen Geburtstag gefeiert.

Sind Sie alleine unterwegs oder mit Freunden?

Keßler: Meistens alleine.

Haben Sie schon mal vor einer Eishalle gestanden und keine Karte mehr gekriegt?

Keßler: Noch nie. Das muss man planen, und schon das macht Spaß. Zum Beispiel das Kärnten-Derby Villach gegen Klagenfurt. Das kennt in Deutschland kein Mensch, aber in Kärnten ist das eine große Nummer und daher immer ausverkauft. Bei solchen Spielen besorge ich mir natürlich vorher eine Karte.

Ihre schönste Halle?

Keßler: Ich trauere immer noch der alten Haie-Halle an der Lent-Straße nach, die ja mittlerweile abgerissen ist. Oder der Brehmstraße in Düsseldorf. Ganz toll ist aber auch der Madison Square Garden in New York, in dem die New York Rangers spielen. Da spürt man 80 Jahre Tradition aus jeder Ritze.

Ihre exotischste Tour?

Keßler: Das war ganz klar der Trip nach Monaco.

Klingt eher nach einem Strandurlaub als nach Eishockey.

Keßler: Schon, aber in Monaco gibt es einen Eishockey-Verrückten, der zwischen Weihnachten und Neujahr eine Freiluft-Eisfläche aufbaut. Genau an der Stelle, die Formel-1-Fans als Schwimmbad-Kurve kennen. Da habe ich im T-Shirt draußen gesessen, im Hafen die dicken Yachten gesehen und auf dem Eis vor mir ein Schüler-Turnier.

Ein Schüler-Turnier zählt für Groundhopper auch als Stadion-Punkt?

Keßler: Jedes Spiel zählt. Rund um Zürich habe ich einmal an einem Tag vier Spiele in vier verschiedenen Hallen gesehen. Das hat sich gelohnt, und das funktioniert nicht, wenn man nur Erstliga-Spiele nimmt.

Ihr bestes Spiel?

Keßler: 1974, Köln im Bundesliga-Abstiegskampf gegen Krefeld. Krefeld führte in der 55. Minute 5:4, Köln war damit so gut wie abgestiegen. In den letzten fünf Minuten fiel aber ein Tor nach dem anderen, Köln siegte 10:5 und blieb in der Bundesliga. Auf der Tribüne war die Hölle los, das werde ich nie vergessen.

Welche Hallen stehen als nächstes auf ihrem Wunschzettel?

Keßler: Toronto ist ein Traum von mir, nach Polen fahre ich auf jeden Fall noch, und auch die baltischen Länder fehlen mir bisher. Oder Barcelona, da steht die Eishalle direkt neben dem Stadion Nou Camp vom FC Barcelona. Und auf jeden Fall will ich zur WM 2012 nach Minsk, in Weißrussland war ich auch noch nicht.

Klingt nicht gerade billig?

Keßler: Das stimmt. Deshalb trete ich im Moment auch kürzer und spare für die nächsten Touren. Mein 300. Stadion war daher auch nicht spektakulär, sondern eine kleine Halle in Buchloe im Allgäu mit einem Bayernliga-Spiel der Buchloe Pirates. Aber auch so etwas hat seinen eigenen Reiz.

 
 

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