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DEG-Geschäftsführer Jochen Rotthaus liebt schwere Aufgaben

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Foto: NRZ
Am 2. Mai steigt bei Eishockey-Erstligist Düsseldorfer EG mit dem 48-jährigen Jochen Rotthaus ein im Profisport erfahrener Geschäftsführer an der Brehmstraße ein. Der Diplom-Kaufmann hat für den VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim insgesamt zehn Saison gearbeitet. In der Regionalliga und in der Champions League.

Düsseldorf. 

Jochen Rotthaus fällt es schwer, neun Tage vor dem Start seines neuen Jobs die beste Sitzposition auf dem Sofa zu finden. Enthusiasmus und Tatendrang wollen sich entfalten. Die Beine des 48-jährigen gebürtigen Esseners aus dem Ortsteil Heisingen scheinen ähnlich geschmeidig wie jene einer Sportgymnastin. Der Diplom-Kaufmann macht nach sieben Spielzeiten, in denen er die TSG Hoffenheim mitsamt dem Bau der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena von der Fußball-Regionalliga bis in die Bundesliga begleitet hatte, auch keinen Hehl aus dem Frischluftwechsel: „Ja, ich brauche mal etwas anderes. Ich fahre derzeit viel durch Düsseldorf. Und die Ideen rattern nur so durch meinen Kopf.“

Gedanklicher Farbenwechsel

Die Aufgabe des DEG-Geschäftsführers übt dabei einen dermaßen großen Reiz aus, dass Rotthaus schon weit vor seinem Dienstantritt am 2. Mai gedanklich die Farben gewechselt hat: Rot-Gelb statt Blau-Weiß. Man könnte es allerdings auch so übersetzen: Eishockey-Schlusslicht mit wenig professioneller Außendarstellung und übersichtlichem Etat statt potentem Fußball-Bundesligisten mit üppiger TV-Präsenz. Weltweit natürlich.

An der Brehmstraße gibt es eine Menge zu tun, will man nicht zum dritten Mal in Serie bemitleidenswerter Tabellenletzter der Unab-steigbar-Liga werden. Genau deshalb hat der russische DEG-Gesellschafter und -Geldgeber Mikhail Ponomarev über das Netzwerk seiner Beraterin, die ehemalige Düsseldorfer Sportagentur-Chefin Christina Begale, Rotthaus verpflichtet.

Der blickt einer neuen, aber auch einer schweren Herausforderung entgegen. „So etwas muss man lieben. Dazu mit viel Schwung und Leidenschaft die Sache angehen.“ Wie im Sommer 2003 bei seinem Fußball-Einstieg beim VfB Stuttgart, der damals in der Champions League mitmischte. Oder eben auch 2006. Als die „99-er“ aus dem 3200-Einwohner-Ort Hoffenheim noch viertklassig waren. Der Heidelberger TSG-Hauptfinanzier und SAP-Firmenmitgründer Dietmar Hopp (74) holte Rotthaus in den Kraichgau. Für den ganz langen Marsch. Sportlich wie infrastrukturell.

Nie in Euronen gebadet

In Euronen habe man allerdings nie gebadet, versichert der Neu-Düsseldorfer. „Anfangs haben wir im Winter in Skijacken und mit laufendem Ofen in Containern gearbeitet“, erinnert sich Rotthaus, „es ging beim Papier, beim Logo und bei der E-Mail-Adresse los. Es war stets ein sehr fruchtbares Start-up-Feeling da.“

Ein gewisses DEG-Gefühl muss sich der Eishockey-Neuling noch aneignen. Startschuss wird der 2. Mai sein. Seine Einstandsrede an diesem Freitag in der Geschäftsstelle an der Brehmstraße hält Rotthaus frei. So ist er es als beredter Unternehmer gewohnt. Er will begeistern, überzeugen. Authentisch.

Dies nicht nur intern. Bei der DEG hoffen sie darauf, dass Rotthaus vor allem finanziell etwas bewegt. „Hand auflegen und Gold kassieren, das wird nicht klappen“, sagt der natürlich. Um die Erwartungshaltung nicht unrealistisch werden zu lassen. Kennt aber auch die seit dem Metro-Ausstieg 2012 überaus poröse Finanzlage des achtmaligen Eishockey-Meisters.

Eishockey-Fachmann ist Rotthaus nicht

Ein Fachmann des Pucksports ist Rotthaus nicht. Dafür aber einer, der viel Verständnis vom Leistungssport besitzt. Der die rot-gelbe GmbH, ähnlich wie Martin Kind bei Hannover 96, wie ein Unternehmen führen will.

„Natürlich nutzt das ganze Marketing nichts, wenn es am Kerngeschäft auf dem Eis hapert“, betont Rotthaus, „im Restaurant erfreut man sich ja auch mehr am Abendessen als am Porzellan.“ Ex-Co-Trainer Christof Kreutzer, der aktuell den Chefcoach, Sportdirektor und Jugend-Obmann in Personalunion macht, steht durchaus unter besonderer Beobachtung.

Aber nicht allein. Rotthaus: „Wir müssen auch in den Herzen der Sponsoren ankommen. Wer heiraten will, muss auch nett sein.“ Diesen Eindruck vermittelten die handelnden Funktionäre rund um die Brehmstraße in den vergangenen Monaten gerade nicht.

Rotthaus ist das nicht entgangen. Er will „mehr an die Professionalität appellieren“, wie er betont. In der Hoffnung freilich, dass er es auch mit Profis zu tun bekommt.

Ein Sieben-Stunden-Fest

Das muss allein wegen des DEL-Freiluftspiels im Januar in der Fortuna-Arena schon so sein. DEG gegen Kölner Haie vor 50.000 Zuschauern, die nicht nur aus Deutschland kommen, und live im frei empfangbaren Fernsehen. „Es wird ein Sieben-Stunden-Fest geben, das schon Wochen zuvor in der Stadt spürbar sein muss. Wir haben durch das Winter Game eine tolle Chance, die Marke DEG in den Fokus zu rücken.“ Eine größere Eishockey-Plattform im Land gibt’s nicht. Auch nicht für interessierte Sponsoren.

Rotthaus macht keinen Hehl daraus, „profitabel“ aus dem Tag herauszugehen. Mit Ex-DEL-Angreifer Lorenz Funk sitzt ein wichtiger Mitarbeiter im Boot. Der gebürtige Tölzer hat schließlich das Winter Game in Nürnberg im Januar 2013 intensiv erarbeitet.