DEG feiert ein Märchen mit aufgeschobenem Happy End

Der Blick ist leer, doch der Stolz überwiegt: Die DEG-Cracks standen nach dem Aus enttäuscht auf dem Eis.
Der Blick ist leer, doch der Stolz überwiegt: Die DEG-Cracks standen nach dem Aus enttäuscht auf dem Eis.
Foto: dpa
Die DEG scheidet im Halbfinale aus, beendet die Saison nach zwei Jahren am Tabellenende sensationell auf Rang drei. Davies verlängert um ein Jahr.

Düsseldorf.. „Wir sind stolz auf unser Team, Halleluja!“, skandierten die rund 500 mitgereisten DEG-Fans. Um 16.54 Uhr am Ostersamstag fand das Märchen des Düsseldorfer Eishockey-Klubs nach der 2:6-Niederlage bei Titelverteidiger ERC Ingolstadt im fünften Halbfinalspiel ein Ende. Der Traum vom Einzug ins Finale oder der Meisterschaft war ausgeträumt. Doch während die Spieler geknickt auf dem Eis standen, feierten die Anhänger ihre Helden minutenlang fast so, als hätten diese den langersehnten neunten Titel der Vereinsgeschichte geholt.

„Natürlich ist man im ersten Moment erst einmal enttäuscht. Aber ich glaube, wir haben eine großartige Saison gespielt! Es waren super Momente dabei. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, ich habe einen Riesenrespekt vor ihr. Was wir alles geschafft haben, dass die Fans uns wieder so unterstützen, dass das Eishockey in Düsseldorf wieder lebt – grandios!“ betont Cheftrainer Christoph Kreutzer emotional nach dem Aus. Und dies ist auf lange Sicht vielleicht sogar mehr wert als ein neunter Meistertitel.

Erstmals seit 2012 war der Rather Dome ausverkauft

Am Gründonnerstag waren 12.890 Fans im Rather Dome – die DEG hatte erstmals seit dem 9. März 2012 wieder alle Karten verkauft und konnte eine volle Hütte vermelden. Fast 13 000 Zuschauer hatten ihre DEG nach vorne geschrien. Denselben Verein, der vor einem Jahr noch am Boden lag, kurz vor dem Aus stand. Dank des um 20 Prozent höheren Etats durch die beiden Investoren Peter Hoberg und Mikhail Ponomarev, die je eine Bürgschaft über 1,5 Millionen Euro zeichneten, hat Trainer Kreutzer in seiner Premierensaison den Umschwung geschafft – und beendete die Saison mit dem Überraschungsteam des Jahres sensationell als drittbeste Mannschaft. Diese spielte in den Play offs sogar noch rund eine Million Euro zusätzlich in die DEG-Kassen, von denen natürlich noch die Prämien der Spieler und laufende Kosten abzuziehen sind.

„Es war wie ein Märchen mit einem kleinen Happy End. Das richtige müssen wir dann noch irgendwann nachlegen. Ich werde diese Saison mein Leben lang nicht vergessen und die Champions League kommt noch obendrauf“, erklärte Kreutzer, der schon fleißig am neuen Kader bastelt. Das Team bleibt im Gros zusammen, um den neuen, erfolgreichen Weg fortzuschreiten – mit punktuellen Verstärkungen.

Gawlik kommt - als Meister?

Als sich die Mannschaften auf dem Eis verabschiedeten und sich Coach Christof Kreutzer und Panther-Angreifer Christoph Gawlik begegneten, knuddelten sie sich herzlich. Schließlich stürmt Gawlik ab der kommenden Saison für die DEG. „Ich freue mich schon darauf. Düsseldorf hat aber eine überragende Saison gespielt. Ich hoffe, darauf können wir in der nächsten Spielzeit noch aufbauen. Aber erst einmal gebe ich alles für Ingolstadt“, betont der Stürmer.

Vielleicht kommt er als Meister zu den Rot-Gelben, die sich mit Kölns Chris Minard und dem ebenfalls am Samstag von Kreutzer bestätigten Wolfsburger Norm Milley schon zwei gestandene Angreifer neben Youngster Marcel Brandt aus Straubing geangelt haben (die NRZ berichtete).

Andreas Martinsen, der in den Play offs durchgehend abwesend, vielleicht schon gedanklich in Nordamerika war, wird die DEG hingegen verlassen. Auch bei Kris Sparre, der im letzten Spiel bereits für Comebacker Thomas Dolak weichen musste, stehen die Zeichen auf Abschied. Darüber hinaus ist der Verbleib von Alexander Thiel, Dominik Daxlberger und Niki Mondt sowie den Verteidigern Drew Schiestel (dürfte nur mit einem deutschen Pass bleiben), Shawn Belle, Kurt Davis, Jonas Noske und Corey Mapes fraglich. „Wir werden erst am Dienstag etwas zu Personalien sagen. Durch die Champions League werden wir den Kader aber vielleicht tiefer aufstellen als geplant“, erklärt Christof Kreutzer. Und macht den genannten Mut auf einen Verbleib.

Davies soll bereits verlängert haben

Michael Davies hingegen soll nach NRZ-Informationen schon einen neuen Einjahresvertrag unterzeichnet haben. Der US-Amerikaner, der bis zu seiner Dopingsperre die Punktestatistik der Liga anführte, würde die neunte Kontingentstelle einnehmen. Neun von elf möglichen Ausländern dürfen auf dem Spielberichtsbogen stehen.

„Für mich war es durch den Zwischenfall eine sehr emotionale und stressige Saison. Und als Spieler ist man natürlich erstmal enttäuscht, wenn man den Titel nicht holt. Aber als Organisation hat die DEG einen riesen Schritt gemacht“, betont der Stürmer. „Der Verein ist auf dem richtigen Weg und ich hoffe, viele der Fans kommen wieder. Wir sollten die Köpfe jetzt oben behalten, uns auf die neue Saison vorbereiten und dann den Titel holen“, betont der 28-Jährige. Gemeinsam mit Kumpel Travis Turnbull, der bereits ihn an den Rhein lotste, feilt der Angreifer zudem an einem weiteren Coup. Aus dem Duo soll ein Trio werden – in Form von Tim Miller, der mit Titelverteidiger Bremerhaven im Halbfinale der DEL 2 steht.

„Travis hat vier Jahre mit ihm zusammengespielt, ich habe in Chicago drei Jahre mit ihn zusammen gewohnt,“ erklärt Davies. „Tim ist ein toller Spieler, ein großartiger Penaltykiller und hat einen deutschen Pass.“ Allerdings besitzt der Stürmer, der auch in der Verteidigung aushelfen kann, noch einen Vertrag für die kommende Saison.

Bleibt Torwart-Überflieger Tyler Beskorowany?

Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass der Verein einen Spieler trotz Kontrakt in die DEL ziehen lässt. „Es gab vergangenes Jahr schon Kontakt“, ließ sich auch Coach Kreutzer immerhin entlocken. Spätestens 2016 soll der Plan des Duos nach ihrem Wunsch jedoch in die Tat umgesetzt werden – hieße, auch Turnbull und Davies planen einen längeren Verbleib bei der DEG.

Ob Torwart-Überflieger Tyler Beskorowany trotz Zweijahresvertrag (mit NHL-Ausstiegsklausel), im Juli wie geplant in die Vorbereitung startet, ist ebenfalls noch offen. Seine sensationellen Leistungen dürften auch den NHL-Scouts aufgefallen sein. „Bis jetzt habe ich noch keinen Anruf erhalten“, erklärt der 24-jährige Kanadier jedoch. Hinter Bobby Goepfert soll nach NRZ-Informationen Felix Bick als dritter Mann aus Duisburg zurückgeholt werden.

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