Ein zu spätes Geständnis

Thomas Lelgemann
Foto: AFP

Essen. Der frühere zweite Mann im DDR-Sport, Thomas Köhler, hat 20 Jahre nach der Wende in einem Buch ein Geständnis abgelegt. Aber alles, was Köhler zugibt, war schon längst bekannt.

In zahlreichen Prozessen ist nachgewiesen worden, dass es in der DDR ein flächendeckendes Doping gegeben hat, und dass selbst minderjährige Sportler schon mit ebenso schädlichen wie leistungsfördernden Medikamenten behandelt wurden. Auch Köhler wurde schon vor zehn Jahren wegen seiner Beteiligung an der Verabreichung von Medikamenten zu einer Geldstrafe von 26 400 DM verurteilt. Köhler erzählt nichts Neues, ist aber immerhin der erste hohe DDR-Sportfunktionär, der ein Geständnis abgelegt hat.

Aber seine Beichte kommt nicht nur zu spät, Köhler verniedlicht auch die schlimmen Folgen des Dopings. So berichtet er, dass es schwere Zwischenfälle oder Todesfälle nicht gegeben habe. In Prozessen ist längst das Gegenteil bewiesen worden. Er selbst sei auch überrascht gewesen, dass schon minderjährige Spartakiade-Sportler mit Dopingmitteln behandelt worden seien.

Es wäre wünschenswert, wenn weitere Ex-Funktionäre auspacken. Ausführlicher als Köhler. Wünschenswert wäre auch, wenn Köhler nicht auch noch mit seinem Buch Geld verdienen würde.