Ein Vorreiter in allen Belangen

Foto: AFP

Filmreif und vorbildlich: Das Leben von Jackie Robinson war geprägt von Schikane und Vorurteilen, von Leidenschaft und großem Engagement. Am 5. Januar vor 51 Jahren fiel der große Vorhang einer Karriere, die ihresgleichen sucht.

In der Nacht zu Freitag gewann Senator Barack Obama die Vorwahl zu den Präsidentschaftswahlen der USA in Iowa. Etwas Besonderes? Ja, denn der Demokrat könnte der erste Afroamerikaner im Weißen Haus werden. Ein Novum für die Vereinigten Staaten, die ohnen einen bestimmten Vorreiter sicherlich so nicht möglich gewesen wäre.

Heute vor 51 Jahren trat einer der wichtigsten Sportler in der afro-amerikanischen Geschichte von der Baseball-Bühne ab. Eine Bühne, auf der er immer hart kämpfen musste für seine Ziele. Jackie Robinson wuchs im Südstaatennest Cairo, Georgia als eines von fünf Kindern auf. Schon früh verließ der Vater die Familie und Mutter Robinson entschied sich, die von Rassismus geprägten Südstaaten in Richtung Kalifornien zu verlassen. Mit im Gepäck: Die Hoffnung auf mehr Toleranz und ein schöneres Leben. Aber auch im Sonnenstaat war das Leben nicht unbeschwerter. Umso beeindruckender, dass der junge Jackie sein Kindheit relativ problemlos meisterte.

Ein ausgezeichneter Allrounder

Auf dem College zeichnete sich schon früh das Talent des Allrounders ab. Er erhielt als erste Sportler im selben Jahr gleich vier Auszeichnungen: im Baseball, Basketball, Football und Leichtathletik. Seine College-Karriere endete aus finanziellen Gründe aber recht früh und Jackie Robinson meldete sich bei der amerikanischen Armee. In seinem Bataillon wurde darauf geachtet, dass Schwarze und Weiße getrennt sind und schon wieder spürte Robinson den Rassismus, der ihm und tausenden anderen Afro-Amerikanern voller Wucht ins Gesicht blies.

Im Bus ganz hinten sitzen, so wie es für Schwarze üblich war, kam für Robinson nicht in Frage und so wurde er wegen Gehorsamsverweigerung vors Mititärgericht gestellt. Aus diesem Grund durfte er mit seiner Einheit nicht die Reise nach Europa antreten und wurde 1944 – freigesprochen – ehrenhaft aus der Armee entlassen.

"Er hat das Spiel und das Land geändert"

Robinson widmete sich wieder dem Baseball und spielte bei den Kansas City Monarchs in der für Schwarze vorgesehene „Negro-League“. Erst im Jahr 1946 wurde die strikte Rassentrennung aufgehoben. Der Präsident der Brooklyn Dogers, Branch Rickey, beobachtete lange die Spiele der „Negro-League“ und hatte vor, den besten Spieler unter Vertrag zu nehmen. Jackie Robinson war dieser Spieler und schlug fortan für die Montreal Royals, einem Farmteam (Nachwuchsmannschaft Anm. d. Red.) der großen MLB-Klubs seine Homeruns. Jackie spielte eine fantastische Saison und wurde zum Publikumsliebling der kanadischen Fans.

Das war für Rickey Grund genug, sich dem „Gentlemen's Agreement“ der Liga zu widersetzen, keine farbigen Spieler in den Vereinen spielen zu lassen. Mit 27 Jahren debütierte Jackie Robinson als First Baseman. Es war wohl das bedeutendste Ereignis der damaligen Bürgerrechtsbewegung. Aber auch die Folgen waren absehbar: Beschimpfungen aus dem Publikum, empörte Reaktionen der Funktionäre und bittere Schlagzeilen in der weißen Presse. Selbst seine eigenen Mitspieler weigerten sich zunächst, mit Robinson das Spielfeld zu betreten.

Der Neuling ließ sich aber nicht beirren und kämpfte zielstrebig weiter um seine Rechte, ganz normal Baseball spielen zu dürfen – und das überragend. Er führte nach seiner ersten Saison die Liga mit einem Schlagdruchschnitt von 0.297 und 29 gestohlenen Bases an und wurde zum besten Nachwuchsspieler der National League gewählt. Im Jahr 1955 führte er seine Mannschaft gegen die New York Yankees sogar zum ersten und einzigen World-Series-Titel in der Vereinsgeschichte.

Ein neuer Manager kam zu den Dodgers und ein Jahr nach dem Titelgewinn sollte Robinson zu den New York Giants verkauft werden, doch der mittlerweile 37-jährige Jackie entschied sich kurzerhand, seine Karriere zu beenden und sich nun für den afro-amerikanischen Nachwuchs in der Liga als Funktionär einzusetzen.

"I can say to my children, there is a chance for you – no guarantee, but a chance."

Gehandicapt durch eine schwere Diabetes-Erkrankung ließ es sich Jackie Robinson aber weiter nicht nehmen, sich politisch für Gleichberechtigung zu engagieren, ob mit seiner Kaffeekette „Chock ful O’Nuts“, der National Bank in Harlem oder der „Jackie Robinson Company“. Am 24. Januar 1962 wurde Robinson in die legendäre „Hall of Fame“ des Baseballs aufgenommen – als erster farbiger Spieler.

Jackie Robinson war schon zu Lebzeiten zu einem Symbol von Gerechtigkeit, Toleranz und Integration geworden. Wenn ein Leben nur Bedeutung durch seine Wirkung auf andere hat, dann hatte die Lebensgeschichte Robinsons wohl die größte Bedeutung für die Bürgerrechtsbewegung der afro-amerikanischen Bevölkerung.

 
 

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