Ein Revierderby auf Bewährung - Letzte Chance für die Fans

Fans beim Spiel am 26. Oktober 2013 in der Veltins Arena in Gelsenkirchen.
Fans beim Spiel am 26. Oktober 2013 in der Veltins Arena in Gelsenkirchen.
Foto: imago
Das 144. Revierderby steht unter besonderer Beobachtung: Kommt es im oder um das Stadion am Dienstagabend zu Ausschreitungen wie zuletzt, gibt es Konsequenzen. Maßnahmen wie die Sperrung der Südtribüne oder ein Ausschluss der Gästefans stehen im Raum.

Dortmund. Beim Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 stehen die Fans unter Bewährung. Kommt es im Umfeld der Partie am Dienstag (ab 20 Uhr, live in unserem Ticker) erneut zu Randale, müssen Auswärtsgäste bei den nächsten Nachbarschaftsduellen zu Hause bleiben.

Angesichts der heftigen Ausschreitungen in den vergangenen Spielen haben sich die Verantwortlichen beider Clubs auf dieses Vorgehen geeinigt. Eine der größten Sicherheitseinsätze überhaupt bei einem Fußballspiel in Nordrhein-Westfalen soll verhindern, dass es dazu kommt. "Die Fans sind gut beraten, unser Konzept zu verfolgen", sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange.


Die Polizei erwartet rund 1000 gewaltbereite Anhänger, je 500 von Borussia Dortmund und Schalke 04. Polizei und Bundespolizei wollen zusammen 3000 Beamte einsetzen, um die Fangruppen schon bei der Anreise zu trennen. Der BVB setzt zudem 1000 Ordner ein. Die Kartenzahl im Gästeblock und den angrenzenden BVB-Reihen wurde um 3000 verringert.

DFB-Androhung zeigte wohl keine Wirkung

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wiederholte zum neuen Derby seine Ansicht, Randalierer umgehend abzuurteilen. Diese Forderung hatte er schon nach den Krawallen vor zwei Jahren ins Spiel vorgebracht.

"Wir können den Fußball nicht vom Rest der Welt abkoppeln", hatte Watzke auf der Aktionärsversammlung 2012 gesagt. Dazu würden aber Politik und die Justiz gebraucht. Die weisen auf schon weitreichende Möglichkeiten hin.

Zuletzt hatten BVB-Anhänger im Gelsenkirchener Stadion Pyrotechnik in die Schalker Reihen geworfen. Der BVB reagierte und entzog einigen Ultra-Gruppierungen die Dauerkarten für Auswärtsspiele. Schalke verhängte gegen fast 500 BVB-Anhänger ein Stadionverbot. 36 erhielten sogar bundesweite Verbote.

Auch in Dortmund dürfen nicht alle ins Stadion. 90 Unbelehrbare müssen Meldeauflagen erfüllen und dürfen nicht einmal in die Stadt oder Stadionnähe. 400 haben ohnehin Stadionverbot in Dortmund.


Weil BVB-Fans in dieser Saison schon mehrfach Ärger gemacht haben, drohte der DFB mit harten Konsequenzen. Sollte es in den kommenden sieben Monaten erneut Randale geben, werde die Südtribüne für ein Spiel gesperrt. Diese Ankündigung zeigte bisher jedoch kaum Wirkung: Etwa 15 Fans brachen am Samstag auf dem Weg zum Auswärtsspiel in Hannover auf einem Autobahn-Rastplatz einen Polizeibus auf, kippten ihn um und versahen ihn mit BVB-Aufklebern. Andere randalierten in einem Hannoveraner Vereinsheim.

"Distanzieren Sie sich von den Krawallmachern" 

Auch sonst sind gewaltbereite Fangruppen beider Seiten nicht zimperlich und verabreden sich gelegentlich zu Massenschlägereien. Anfang des Jahres waren Königsblaue und Scharz-Gelbe auch an anderer Stelle ausgerastet. Bei Prügeleien in der Kölner Innenstadt war ein Schalker von einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Köln schwer verletzt worden. Auch da sollen Dortmunder mitgemischt haben.

Vereine und die Gewerkschaft der Polizei NRW (GdP) richteten einen eindringlichen Appell an die Fans: "Distanzieren Sie sich von den Krawallmachern und von allen, die vor Gewalt nicht zurückschrecken.

Niemand will erneut die Bilder sehen, wie wir sie alle noch vor Augen haben: verletzte Zuschauer, verletzte Polizisten, zerstörte Sicherheitsabtrennungen, als Wurfgeschoss benutzte Pyros, gewalttätige Auseinandersetzungen mitten in der Innenstadt."


Fast wäre schon bei diesem Derby die Gästetribüne auf der Nordseite leergeblieben. Nach langen Diskussionen einigten sich beide Seite auf den Kompromiss, die Fans letztmals zu warnen.

NRW-Innenminister Jäger äußerte sich vor dem Derby

Gegen einen Ausschluss der Gästefans hatte sich Ende Oktober nach dem Hinspiel-Derby auch NRW-Innenminister Ralf Jäger ausgesprochen, da dies zu Lasten der friedlichen Fans ginge. Vor dem brisanten Derby am Dienstag äußerte sich Jäger generell zum Vorgehen gegen Gewalt im Fußball: "Wir wollen an die Rädelsführer herankommen, die zu Gewalt anstiften und die Massenprügeleien organisieren", sagte er in einem Interview mit der Zeitschrift "Deutsche Polizei".

Damit die Gewalt im Fußball nicht weiter zunehme, betonte Jäger die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Verbänden, Polizei und Fans. Dabei stellte er vor allem die Rolle der Ultras heraus. Zugleich räumte er ein, dass das Verhältnis zwischen Polizei und Ultras verbessert werden müsse.

Nach wie vor hofft Nordrhein-Westfalens Innenminister, dass Konsequenzen wie Stehplatzverbote und Ausschluss der Gästefans vermieden werden können. (dpa/ we)