Ein Debütant mit der nötigen Portion Frechheit

Seattle..  Das Abenteuer US Open beginnt für Stephan Jäger bereits gut zwei Stunden nach Sonnenaufgang an der malerischen Puget-Bucht unweit von Seattle. Am Donnerstag um 7.22 Uhr wird der 26-jährige Münchener an Loch Nummer zehn des Chambers Bay Golf Clubs seinen ersten Abschlag bei einem Major-Turnier auf das Fairway donnern. „Klar werde ich nervös sein. Das gehört dazu, aber damit muss man leben können. Sonst wird das nichts mit dem Siegen.“

Die nötige Portion Frechheit bringt der Debütant für die größten Golf-Turniere der Welt mit. Sein US-Open-Start ist eine kleine Sensation. Mit einem geteilten dritten Platz beim Qualifikationsturnier in Springfield erspielte er sich das Ticket für das Major. Jäger ist neben Titelverteidiger Martin Kaymer und Marcel Siem der dritte deutsche Starter bei der US Open.

Doch Jägers Laufbahn unterscheidet sich gewaltig von denen seiner beiden deutschen Kollegen. Im Alter von 16 entschied sich das Talent vom Golfclub München Eichenried, nach der zehnten Klasse für ein Highschool-Jahr in die USA zu gehen, jetzt lebt der Golfprofi bereits seit fast zehn Jahren in Chattanooga. Die 170 000-Einwohner-Stadt ist seine neue Heimat. „Am Anfang war es schwer ohne Familie, aber nach ein paar Monaten kam ich da ganz gut zurecht“, erinnert er sich. „Die USA sind eine gute Heimat zum Arbeiten. Zudem habe ich ja immer noch meine Familie in Deutschland, die mich unterstützt. Daher habe ich das Beste aus zwei Welten.“ Eine Rückkehr scheint vorerst ausgeschlossen.

Jäger wusste schon früh, dass die Vereinigten Staaten von Amerika im Gegensatz zu Deutschland für ihn ein Golf-Paradies seien würden. Perfektes Wetter, erstklassige Golfplätze sowie die Förderung an den Schulen und Universitäten boten ihm hervorragende Möglichkeiten, um eine Profi-Laufbahn einzuschlagen.

„Reich wird man noch nicht“

Nach der Highschool folgte das College, und die Erfolge wurden größer. Heute spielt Jäger auf der zweitklassigen Web.com-Tour. Sein bisher bestes Resultat erreichte er in diesem Jahr mit einem geteilten vierten Platz bei der Mexico Championship. Und leben kann er von dem Preisgeld auch ganz gut: „Reich wird man noch nicht. Aber ich kann mich nicht beschweren.“

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