Dunkler Schatten über den Europaspielen

Baku..  Schon vor der Eröffnung liegt ein dunkler Schatten auf den Europaspielen. Je näher die Premiere der kontinentalen Wettkämpfe in Baku rückt, desto stärker wird die europaweite Kritik am Ausrichter Aserbaidschan. Die Regierungsfraktionen wollen pünktlich zur Ouvertüre am Freitag im Deutschen Bundestag die Einhaltung der Menschenrechte in dem autoritär geführten Staat anprangern. Schon bevor Menschenrechtlern die Einreise verwehrt wurde, verlangte der UN-Sonderbeobachter die Freilassung von Aktivisten. Und auch der Deutsche Olympische Sportbund findet klare Worte.

„Man muss gerade die Chance solcher Spiele nutzen, um auf die unbefriedigenden und - je nach Thema - inakzeptablen Situationen hinzuweisen“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Die Forderung von Athletensprecher Christian Schreiber nach Freilassung politischer Gefangener „entspricht vom Grundsatz her voll unserer Denk- und Geisteshaltung.“

Fahnenträger und Turn-Star Fabian Hambüchen erklärte vor der Abreise, die Sportler würden sich „zusammensetzen und überlegen, was wir machen werden“. Konkrete Aktionen sind aber nicht geplant. „Wir werden diese Veranstaltung nicht nutzen, um eine politische Demonstration durchzuführen“, betonte der deutsche Chef de Mission, Dirk Schimmelpfennig. „Aber die freie Meinungsäußerung ist gegeben.“

Zum zweiten Mal binnen drei Jahren blickt die Weltöffentlichkeit in die herausgeputzte Hauptstadt, deren glitzernde Fassade den Eindruck perfekter Moderne zu vermitteln scheint. 2012 fand in Baku der Eurovision Song Contest statt, schon damals gingen Hoffnungen einher, das Scheinwerferlicht könne die Dunkelheit in Bezug auf die Menschenrechte aufhellen.

Kritiker sitzen im Gefängnis

„Alle Leute, die sich vor und nach dem ESC kritisch geäußert haben, sitzen jetzt im Gefängnis“, berichtet indes der frühere Blogger Emin Milli. In den zwölf Monaten vor den Europaspielen sei die Regierung von Staatspräsident Ilham Aliyev härter als je zuvor gegen kritische Journalisten, Menschenrechtsverteidiger und Oppositionelle vorgegangen, beklagt Human Rights Watch.

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