Dortmund hat das Format zum Titel

Klaus Theine

Wird der BVB der neue Meister? Natürlich nicht, sagen die Dortmunder, das ist alles nur eine Momentaufnahme. Er ist es, sagen die Mainzer, denn wir haben gerade gegen die mit Abstand reifste und beste Mannschaft in dieser Saison verloren.

Dazu sollte man wissen: Mainz hat gegen alle Großen gespielt. Und gegen alle gewonnen. Nur nicht gegen Borussia Dortmund.

Es ist ein beliebtes Stilmittel im Fußball, den Gegner schönzureden, um die eigene Leistung aufzuhübschen. Davon kann in diesem Fall keine Rede sein. Mainz steht wahrlich gut genug da, um nicht zu solchen Krücken greifen zu müssen. Im übrigen waren genug Experten vor Ort, die gerne bestätigen werden, dass der BVB eine Mannschaft entwickelt hat, die das Format besitzt, in dieser Saison die Meisterschaft gewinnen zu können.

Ob es am Ende dazu kommt, ist eine ganz andere Frage. Deren Antwort hängt auch davon ab, was sich noch alles an Widrigkeiten den Schwarz-Gelben in den Weg stellt. Das kann eine ganze Menge sein, von Kreuzbandrissen der besten Spieler bis hin zu schweren Formkrisen Einzelner unter dem Eindruck von Millionen-Angeboten anderer Klubs.

Fakt ist, dass der BVB den Herausforderungen bisher entschlossen begegnet ist. Die Reise nach Mainz war ja keine Kaffeefahrt: Ihr war ein schmerzhaftes Scheitern im Pokalspiel in Offenbach vorausgegangen. Es hatte sich zu den Heim-Unentschieden gegen Paris und Hoffenheim gesellt, was sich zu drei Spielen ohne Sieg addierte.

Mit einem derart guten Spiel beim Tabellenführer auf diesen leichten Anflug von Krise zu reagieren, spricht für eine enorme mentale Stärke des jungen Dortmunder Team.

Auch die Zahlen beeindrucken: Borussia holte 25 von 30 möglichen Punkten und gewann alle fünf Auswärtsspiele, erzielte die meisten Tore und kassierte die wenigsten Gegentreffer.

Das alles muss nicht so bleiben. Aber es spricht gegenwärtig auch nichts dafür, dass sich die Lage grundlegend ändert. Nach dem Sieg gegen die Bayern betrug der Vorsprung des BVB auf die Münchner zehn Punkte. Das war vor vier Wochen. Seitdem haben die Bayern nicht einen einzigen Zähler aufgeholt.