Doping-Experte Franke sieht "mafiöse Strukturen" im deutschen Spitzensport

Erhebt schwere Vorwürfe gegen die deutschen Olympia-Stützpunkte: Doping-Experte Werner Franke.
Erhebt schwere Vorwürfe gegen die deutschen Olympia-Stützpunkte: Doping-Experte Werner Franke.
Foto: imago
Der Molekularbiologe Franke erhebt schwere Vorwürfe gegen die deutschen Olympiastützpunkte. In Dopingfälle verwickelte Ärzte kämen meist straffrei davon, zudem fehle es an strenger Anti-Doping-Gesetzgebung.

Essen.  "Scheinheiliges Deutschland": Doping-Jäger Werner Franke erhebt nach Doping-Ermittlungen im Umfeld des Olympiastützpunktes in Saarbrücken schwere Vorwürfe. Die Olympiastützpunkte sind nach seiner Meinung Umschlagplätze für Doping, und die betroffenen Mediziner müssten keine harten Strafen für ihre Vergehen befürchten. Zuvor war schon der Stützpunkt in Erfurt ins Zwielicht geraten.

"Der gemeine Germane sagt, dass bei uns das Vorgehen gegen Doping besonders scharf ist. Da kann ich nur lachen", sagte Franke der Nachrichtenagentur dapd. Die Anti-Doping-Gesetzgebung in Frankreich sei zum Beispiel viel härter. "Außerdem sind die Deutschen scheinheilig, weil sie immer denken, dass es nur bei anderen schlimm ist", sagte Franke, Professor für Zell- und Molekularbiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Franke sieht mafiöse Strukturen

Dabei würde es im deutschen Sport beim Gebrauch verbotener Substanzen mindestens genauso brutal wie anderswo zugehen. Die Aussage der Sportausschuss-Vorsitzenden Dagmar Freitag von mafiösen Strukturen im Spitzensport könne er "so unterschreiben".

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft München wegen möglicher Dopingvergehen gegen einen Professor ermittelt, der als Honorarkraft für den Olympiastützpunkt (OSP) Rheinland-Pfalz/Saarland in Saarbrücken gearbeitet hatte. Dazu erklärte OSP-Chef Steffen Oberst, dass es "keinerlei Anhaltspunkte für irgendwelche Dopingvergehen" gebe. Zuvor war allerdings bereits ein anderer Olympiastützpunkt in Erfurt ins Zwielicht geraten, weil ein Arzt das Blut von etlichen Athleten mit UV-Licht bestrahlt hatte.

"Genauso schlimm wie in der DDR"

Besonders stört Franke, dass die in mögliche Doping-Praktiken verstrickten Sportmediziner meist weitgehend straffrei davonkommen würden. "In Deutschland ist noch kein Sportmediziner richtig hart bestraft worden, außer mit einem kleinen Strafbefehl. Im Dopingfall Freiburg ist nach fünf Jahren immer noch keine Anklage erhoben worden. Das ist genauso schlimm wie früher in der DDR", sagte der Doping-Experte.

Die Lobby der Ärzte sei viel zu stark: "Die sollen einfach nicht verurteilt werden, damit sie nicht ihre Zulassung verlieren." Der Fall Jan Ullrich habe bewiesen, dass man in Deutschland auch vor Gericht unendlich lügen könne. Für die Mediziner und Sportverbände, die auch im Fall Saarbrücken unisono ihre Unschuld beteuert haben, hat Franke nur noch Verachtung übrig. "Wieso kümmert sich eigentlich von denen niemand um die Doping-Opfer? Weil es als imageschädigend gilt, wenn man sich um die Opfer kümmert. Das finde ich einfach nur schlimm." (dapd)