Die Zeiten werden härter für das Team Milram

Foto: ddp

Palma de Mallorca. Das Team Milram kämpft 2010 auch gegen den Ausstieg seines Hauptsponsors. Ein Besuch im Trainingslager auf Mallorca.

Es ist kalt auf Mallorca: Neun Grad, Nieselregen, heftige Winde. Alles andere als Urlaubswetter. Und dennoch sitzen die 24 Radprofis aus dem Team Milram nach nur acht Wochen Pause schon wieder im Sattel. 150 km am Tag. In drei Wochen beginnt die Saison in Australien. Die Zeit drängt.

Vor dem Hintergrund des möglichen Rückzugs von Hauptsponsor Nordmilch zum Ende des kommenden Jahres zählen ab sofort keine Ausreden mehr. Es müssen Siege her. Das ist die klare Ansage von Teamchef Gerry van Gerwen.

Mittelmäßigkeit mag der Holländer überhaupt nicht. „Der Radsport lebt von Emotionen und Gefühlen. Und von Siegen”, hatte van Gerwen während des Jahres gebetsmühlenartig gepredigt. So gesehen werden die Jungs aus dem Team Milram den Rückblick auf die Saison 2009 nicht besonders mögen.

Enttäuschende Tour 2009

Bei der Tour de France lief nicht viel zusammen. Kapitän Linus Gerdemann blieb farblos. Sprinter Gerald Ciolek deutete das ein oder andere Mal seine Klasse in den Etappen an. Allein ein Nobody namens Johannes Fröhlinger sorgte in den Pyrenäen für eine echte Überraschung. Aber Emotionen? Fehlanzeige. Am Ende des Jahres stand Rang 18 in der Weltrangliste und die Erkenntnis, dass es trotz angeblich „guter Mediawerte” und einem relativ sauberen Doping-Image so nicht weitergehen kann.

25 Siege hatte van Gerwen vollmundig gefordert, neun sprangen heraus. Jetzt zog der Manager des in Dortmund ansässigen Teams die Zügel an. Schon in den ersten Tagen auf Mallorca wurde deutlich: Es herrscht mehr Disziplin, Freiräume der Stars in der Vorbereitung wurden und werden beschnitten. „Wir braten keine Extrawürste mehr, mal einen Tag später ins Trainingslager kommen, mal ein Rennen auslassen, all das gibt es nicht mehr”, sagte van Gerwen unmissverständlich.

Klingt irgendwie negativ, soll es aber nicht. Es solle, so van Gerwen, einfach nur akribischer gearbeitet werden, ein Rennen solle nicht zur Vorbereitung, sondern auf Sieg gefahren werden. Die neue Tonart dürfte auch - wenn auch nicht nur - auf Linus Gerdemann zielen.

Keine Extrawürste mehr

Der neue Teamgeist und der Versuch, aus 24 Einzelkämpfern ein harmonisches Team zu formen, wurde schon auf Mallorca deutlich. Im Vorjahr radelte Gerdemann noch in Südafrika herum. Fernab jeglicher Kontrolle seiner Vorgesetzten. Gestern stand er artig in Reih und Glied beim Fototermin. Seine Stimmung? So lala, könnte man sagen. Gerdemann liebt den Sonnenschein, gestern war's eher ungemütlich auf Mallorca. Und dennoch. Gerdemann wirkte ausgesprochen fit, von Winterspeck keine Spur. „Die Saison kann kommen”, versprühte der Milram-Kapitän Aufbruchstimmung. Und traf damit den Nerv eines weiteren Leistungsträges. „Solch ein Jahr mit soviel Pech und Stürzen kann man nur einmal haben”, glaubte auch Fabian Wegmann.

Die Zeit drängt, will man Hauptsponsor Nordmilch vielleicht doch noch von einer Weiterarbeit überzeugen. Van Gerwen will am zweiten Ruhetag der Tour de France 2010 verkünden, wie und ob es weitergeht.

 
 

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