Die Unverwundbaren

Christoph Stukenbrock

Wolfsburg.  Nein, exaltierten Jubel wollte Mario Mandzukic weder anstimmen noch dulden. Der in Deutschland, genauer im schwäbischen Ditzingen aufgewachsene Kroate, ermahnte die Mitspieler sofort, es doch mit überbordenden Huldigungen sein zu lassen. Dabei hatte der 26-Jährige beim 2:0 (1:0)-Sieg des FC Bayern ein Tor erzielt, das jeden Freudenausbruch gerechtfertigt hätte.

Ausgerechnet an alter Wirkungsstätte beim VfL Wolfsburg glückte Mandzukic ein Fallrückzieher, den er formvollendet wie der Begründer Klaus Fischer ansetzte, aber aus Respekt vor seinem Ex-Verein nicht übermäßig feierte. Der 15. Saisontreffer der bayrischen Nummer neun zum 1:0 (36.) sollte Wegbereiter des zehnten Auswärtssieges – allesamt zu Null! - sein, mit denen der Rekordmeister der 22. Deutschen Meisterschaft wieder ein Stückchen näher gekommen ist. Den zweiten Treffer brachte der eingewechselte Arjen Robben in der Nachspielzeit noch als Schlusspunkt an.

Zugleich war es eine Antwort darauf, dass die Münchner angeblich mit Robert Lewandowski einig sein sollen. Der Angriff der Bayern funktioniert. Und Trainer Jupp Heynckes hatte von seiner ersten Elf, zu der abermals nicht Robben, Mario Gomez und Jerome Boateng gehörten, verlangt, „alles auszuschalten, was schädlich ist.“ Was mal wieder mit meisterlicher Effizienz an diesem kühlen Abend am Mittellandkanal gelang.

Am Dienstag gegen Arsenal

Für die Bayern ist es nun von Vorteil, dass der 22. Bundesliga-Spieltag schon mit dem Freitagabend abgehakt werden kann, schließlich steht am Dienstag das Champions-League-Achtelfinale beim FC Arsenal an. Die Dienstreise nach London leitet Wochen ein, in der in Königsklasse und DFB-Pokal (am 27. Februar gegen Dortmund) die Weichen gestellt werden und zwischendrin ein Bundesligaspiel gegen Werder Bremen ansteht.

Warum die Bayern im Liga-Alltag so unverwundbar sind, hielt das Starensemble gestern zwar immer wieder unter Verschluss, schlug dann aber punktgenau zu: Nach Kroos-Freistoß köpfte Bastian Schweinsteiger den Ball ohne die Mitte, wo Mandzukic mit dem Rücken zum Tor sein Kunststück anbrachte. Sein einstiger Mitspieler Hasan Salihamidzic hatte Mandzukic mal als „Typus Straßenkämpfer“ tituliert, der dazu einen Schuss Genialität in sich trage. „Eigentlich ist das keine Torchance, aber das zeigt individuelle Klasse“, erklärte voller Anerkennung auch Wolfsburgs Manager Klaus Allofs.

Sein Vorgänger Felix Magath hatte sich bekanntermaßen geweigert, mit einer Vertragsverlängerung das Salär von Mandzukic in der Autostadt aufzubessern, woraufhin dieser im Sommer nach München wechselte. Allofs grämte sich aber mehr, „dass wir eigentlich ganz gut gespielt haben.“

Verbesserte Defensivarbeit

Auch im zweiten Durchgang blieb die Partie weitgehend offen, aber so richtig in Verlegenheit kamen die Bayern kaum – ein Verdienst ihrer im Vergleich zur Vorsaison überaus verbesserten Defensivarbeit. In große Verlegenheit kam Manuel Neuer noch bei einem Diego-Freistoß, doch der Nationaltorwart reagierte prächtig (77.). Auffällig dann nur noch die Einwechslung von Robben und Gomez, wobei Robben dann nach seinem Treffer in der Nachspielzeit auch richtigen Torjubel zeigte.