Die Sportwelt liegt Lionel Messi zu Füßen

Barcelona.. Nach seinem grandiosen Viererpack im Champions-League-Viertelfinale gegen Arsenal London huldigt die ganze Fußball-Welt Barcelonas Superstar Lionel Messi.

Wolfgang Stark, Bankkaufmann und Fussballschiedsrichter aus Landshut, wird noch seinen Enkelkindern erzählen: Wie er an jenem 6. April 2010 im Camp Nou dem besten Fussballer der Welt, ja womöglich dem besten aller Zeiten, den Ball überreichte, mit dem Messi eben vier Tore gegen Arsenal erzielt hatte. Und wie 93 000 Zuschauer dabei stehend den Namen des Helden skandierten: Messi, Messi, Messi, Messi!!!! Im Alleingang besiegte der Argentinier die Londoner am Dienstag 4:1, so steht sein Klub FC Barcelona im Halbfinale der Champions League gegen Inter Mailand. 39 Messi-Tore in 43 Spielen sind es nun schon diese Saison, eines spektakulärer als das andere.

Der frühere Barca-Spieler Luis Enrique hat die Taten neulich hübsch eingeordnet: „Einfach fünf oder sechs ausdribbeln und ein Tor schießen, das haben wir früher als Buben vor dem Haus mit den kleineren Kindern gemacht. Messi macht das mit Berufsfussballern.“

Die Sportwelt liegt ihm zu Füßen, und sucht neue Wege, das eigentlich Unbeschreibliche zu beschreiben: Weil der Fußball zwar den Ausdruck „Hattrick“ für drei Tore eines Spielers kennt, aber bisher keinen für vier, nennen sie in Spanien diesen Coup jetzt einen „Poker“; und Arsène Wenger begab sich bei der Messi-Analyse gar in die virtuelle Welt: „Er macht das Unmögliche möglich“, schwärmte der Arsenal-Trainer, „Messi ist ein Spieler wie von der Playstation. Er kann eine Epoche markieren.“

Die Einordnung von Sportlern ins große Ganze wagt man gewöhnlich erst in der Rückschau. In seinem Fall ist offensichtlich: Geschichte wird in Echtzeit gemacht. Englands „Daily Mail“ bündelt die weltweiten Lobeshymnen in diesen Satz: „Erst kam Pelé, dann Maradona, jetzt grüßen wir den neuen König.“

Der neue König ist erst 22 Jahre alt, nur 1,69 Meter groß, und trägt den Spitznamen „la pulga“, der Floh. Ganz allein schultert dieser Knirps derzeit die weltbeste Mannschaft. Barcas Auftritte im vergangenen Jahr trugen drei dicke Stempel: Messi, Xavi und Iniesta. Nun ist er alleine der Hauptdarsteller. Nicht weil die anderen schlechter geworden sind, er ist nur einfach noch viel besser.

So etwas hat man zuletzt in den 80er Jahren von Maradona gesehen, der nun Messis Nationaltrainer ist. Ein großer Erfolg mit Argentinien fehlt Lionel, kurz „Leo“, ja noch, in der „Seleccion“ funktioniert es bisher nicht mal halb so gut wie im Klub. Damit sich das in Südafrika ändert, muss Maradona ihm ein Umfeld schaffen wie Trainer Pep Guardiola in Barcelona. Guardiola pflegt seinen Star außerhalb des Platzes wie einen Sohn; auf dem Rasen hat er ihn von der Seite in die Mitte hinter eine Angriffsspitze verschoben; im Training automatisiert er Spielzüge für ihn. Und per personalisiertem Fitnessprogramm schützt schützt er den früher anfälligen Profi diese Saison auch vor Verletzungen. Guardiola sagte es Maradona neulich durch die Blume: „Er spielt seit anderthalb Jahren sensationell. Ich erinnere mich an keine großen Durchhänger. Und wenn er nicht gut spielt, dann ist das die Schuld des Trainers.“

Krönung in Madrid?

Dass Barca mit ihm in dieser Form seinen Champions-League-Titel erfolgreich wird verteidigen können, bezweifelt kaum noch jemand. „Ja, wir haben gegen den Champion gespielt“, prophezeite Wenger. Die Krönung soll am 22. Mai stattfinden, im Finale von Madrid. Dort im Bernabeu-Stadion befürchtet Real, trotz der 250-Millionen-Spritze von Präsident Perez aus dem Europacup schon ausgeschieden, bereits am Samstag die endgültige Demütigung. Dann kommen die Blau-Granatroten zum „Classico“, der das Titelrennen in der nationalen Liga entscheiden könnte.

Genüsslich heizt Kataloniens Sportpresse das Duell Messi gegen Cristiano Ronaldo an.

Messi selbst glaubt nicht, den jüngsten Auftritt in Madrid wiederholen zu können: „Schwierig“, sagte er schüchtern, „und nur wichtig, dass wir gewinnen, wenn auch nur 1:0.“ Große Worte sind von ihm nicht zu erwarten, er spricht lieber mit dem Ball am Fuß. Auch seine Bescheidenheit und Scheu vor dem Rampenlicht haben ihn in Barcelona zum Idol gemacht.

„Kann man diesen Spieler noch stoppen?“, fragte am Mittwoch der Chefredakteur der Madrider Sportzeitung „As“. „Ich weiß nur einen Weg: Ihm Maradona als Trainer geben. Aber bis Samstag ist das nicht zu schaffen.“

 
 

EURE FAVORITEN