Die Klasse von 1981

Nürnberg.. Er jubelte mit Michael Zorc, Roland Wohlfarth und Ralf Loose in Australien über den Junioren-Weltmeistertitel 1981. 4:0 im Finale gegen Katar. An der Seite von Franz Beckenbauer, Felix Magath, Uli Stein und Horst Hrubesch gewann er anschließend mit dem Hamburger SV die deutsche Meisterschaft. Doch bei seinem Namen runzeln sogar Fußballexperten die Stirn. Bernhard Scharold?

Der defensive Mittelfeldspieler war nur Ersatzmann bei der WM in Australien. Er gewann den WM-Titel und die deutsche Meisterschaft, ohne eine einzige Spielminute auf dem Rasen gestanden zu haben.

Aus der großen Fußballer-Karriere wurde nichts für den Dorfjungen aus dem fränkischen Pommersfelden. Nach nur zwei Bundesliga-Spielzeiten kehrte er 1984 in seinen erlernten Beruf als Industriekaufmann zurück. „Nichts ist vergänglicher als der Erfolg von gestern“, sagt er jetzt mit 51 Jahren.

Die ganze Welt bereist

Trotzdem redet er noch gerne über seine Zeit bei der WM und in der Bundesliga; sagt stolz, dass er zwischen 14 und 21 Jahren die ganze Welt bereist und „außergewöhnliche Menschen“ kennengelernt hat. „Diese Erlebnisse nimmt mir keiner mehr.“ Dass er als Fußballer nur eine Nebenrolle spielte, stört ihn nicht. „Die ist für ein Team auch immens wichtig.“ Damals habe er natürlich gehofft, eingesetzt zu werden. Er berichtet von Ratschlägen, für dieses Ziel im Training seine Kollegen Jimmy Hartwig oder Thomas von Heesen umzugrätschen. „Blödsinn! Ich war Ergänzungsspieler und habe das dankbar angenommen.“

Zumal er ohne Fußballtalent auch seinen Beruf erst gar nicht hätte. Als Jugendspieler kickte er nämlich beim ASV Herzogenaurach mit Horst und Klaus Bente, den Enkeln von Adolf Dassler. Daher bot der Weltkonzern Adidas Scharold eine Ausbildung an. Der 15-Jährige unterzeichnete und entschied sich gegen einen Vertrag beim 1. FC Nürnberg. Da Adidas ihm die Garantie gab, dass er jederzeit zurückkommen könne, konnte er sich dennoch risikofrei als Profifußballer beim HSV und beim TSV 1860 München versuchen.

Obwohl er längst nicht mehr selber dem Ball auf dem Rasen hinterherläuft und auch keine Jugendmannschaft mehr trainiert, gehört Fußball noch immer zu seinem Alltag. Scharold ist verantwortlich für Produkte von Lizenzklubs und hat mit seiner sportbegeisterten Frau sowie mit seinen beiden erwachsenen Töchtern schon etliche deutsche Stadien besucht. „Mein Herz ist aber eine Raute.“

Dass er als HSV-Fan in Franken ein Exot ist, stört ihn nicht, denn er jubelt auch für andere. „Ich freue mich immer, wenn Mannschaften, die in drei Streifen auflaufen, erfolgreich sind“, sagt er werbetechnisch völlig korrekt.

Fußball-Adrenalin wird er jedoch nur noch als Zuschauer spüren. Selbst Altherrenfußball geht nicht mehr. 2006 wurde bei ihm Krebs entdeckt, dadurch verlor er seinen rechten Unterschenkel und läuft mit einer Prothese. „Das hat mein Leben total geändert – die wahre Meisterschaft kommt jetzt.“

Nun will er jeden Tag genießen und hat sich dem Motto verschrieben: „Leben, einfach leben.“

 
 

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