Die Heimat gibt Klostermann Kraft

Hagen.  Über Langeweile kann sich Lukas Klostermann nicht beklagen. Am Dienstag war der Silbermedaillen-Gewinner von Rio beim Bundespräsidenten, um das Silberne Lorbeerblatt in Empfang zu nehmen. Kurz zuvor hatte ihn schon der sächsische Ministerpräsident für Platz zwei bei den Olympischen Spielen ausgezeichnet, und im Fernsehen ist er zwischendurch auch noch aufgetreten: Bei der Auslosung des DFB-Pokal-Achtelfinales fungierte er gemeinsam mit Fabian Hambüchen als Losfee.

Im Sportschau Club war vor einer Woche aber nicht nur seine Schlagzeug-, sondern auch eine Tanzeinlage zu sehen. Ein bisschen verwackelt waren die Aufnahmen von der Westfalenmeisterschaft der D-Junioren. Zwei Dinge zeigte das Video von 2009 aber ganz genau: Die kuriose Darbietung der Siegermannschaft vom SSV Hagen samt Trainer René Tönnes und den Matchwinner: Stürmer Lukas Klostermann, eiskalt vor dem Tor.

Heute ist Klostermann Abwehrspieler – und Tönnes nicht mehr sein Trainer, sondern sein Physiotherapeut. Zumindest dann, wenn Klostermann in der Heimat weilt. „So ist es mit unserer Reha-Trainerin abgestimmt“, berichtet der Fußballprofi von Rasenballsport Leipzig beim Treffen in der Praxis in Hagen-Boelerheide.

Der Behandlungsbedarf ist groß, denn Mitte September riss sich der Gevelsberger, der schon auf dem Sprung zum A-Nationalspieler war, das Kreuzband. „Natürlich empfindet man eine solche Verletzung als Rückschlag, aber ich bin nicht in ein tiefes Loch gefallen“, erzählt Klostermann.

Vor allem seine Familie hat ihm dabei geholfen, den Blick schnell wieder nach vorne zu richten. „Ich habe von meiner Familie durchweg Unterstützung bekommen. Meine Freundin, die noch hier in der Heimat lebt, ist so oft es ging, nach Leipzig gekommen“, verrät der Verteidger. „Lukas weiß, woher er kommt“, sagt Tönnes – und der Rekonvaleszent nickt, bevor es wieder ans Gerät geht. Die Heimat gibt Kraft, im doppelten Sinne sogar.

Aber auch vom Verein gab es in der schweren Zeit unmittelbar nach der Verletzung für den 20-Jährigen ein erfreuliches Signal: Der bis 2018 laufende Vertrag wurde vorzeitig um drei weitere Jahre verlängert. „Die Entwicklung des Vereins in den letzten zwei Jahren ist so verlaufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich habe viel Spielpraxis bekommen, die Mannschaft hat sich entwickelt, besonders der Aufstieg im Sommer war natürlich ein erhoffter Schritt. So stelle ich mir das auch für die Zukunft vor“, erläutert Klostermann. „Ich glaube, dass Leipzig der absolut passende Verein für mich ist, um mich weiterzuentwickeln.“

Leipzig will kein Bayern-Jäger sein

Die Entwicklung des Bundesliga-Aufsteigers ist ähnlich rasant wie Klostermanns persönliche. In drei Jahren ging es von der viertklassigen Regional- in die Bundesliga hinauf. Mittlerweile steht der erst 2009 gegründete Fußballverein als bester Aufsteiger aller Zeiten in den Annalen – und wird schon als Bayern-Jäger Nummer eins gehandelt. „Dass von außen versucht wird, das Ganze etwas aufzubauschen, gehört auch dazu“, weiß Klostermann. Die Mannschaft mache sich nicht verrückt, und als Aufsteiger wolle man in erster Linie mit den unteren Plätzen nichts zu tun haben. Die 40 Punkte, die man zum Klassenerhalt braucht, müsse auch Leipzig erst noch einsammeln.

Erstaunlich ist, wie stabil sich die junge Mannschaft – das Durchschnittsalter beträgt 23,3 Jahre – präsentiert. „Nur weil wir jung sind, heißt das nicht, dass wir unerfahren sind. Timo Werner beispielsweise hat schon über 100 Bundesliga-Spiele gemacht“, erläutert Klostermann. „Viele Spieler, die schon in der letzten Saison dabei waren und jetzt zum ersten Mal Bundesliga spielen. Spieler, haben sich einfach sehr gut entwickelt“, erklärt der frühere Bochumer, der 2014 zu den Sachsen wechselte.

RB Leipzig wird allerdings auch heftig angefeindet. „Daran, wie die Mannschaft zurzeit spielt, sieht man ja, dass dies uns nicht im Geringsten beeinflusst“, sagt Klostermann zu den Vorwürfen, die „Roten Bullen“ seien nicht mehr als ein Marketing-Produkt des Red-Bull-Chefs Dietrich Mateschitz.

Bleibt nur noch die Frage dem Einsatz am Schlagzeug. Geht das denn mit frisch operiertem Kreuzband? „Ach, kein Problem“, beteuern Klostermann und Therapeut Tönnes unisono.

 
 

EURE FAVORITEN