Die Freude kann kaum größer sein

Bremen..  Im Überschwang passieren die verrücktesten Dinge. Und es gehen auch bei Borussia Mönchengladbach mal Türen auf, die sonst verschlossen bleiben. Im Gefühl der Glückseligkeit ist den Mitarbeitern von „Fohlen TV“ gestattet worden, die am Samstagabend zur Partyzone verwandelte Gästekabine im Bremer Weserstadion zu betreten, und daraus entstand ein Filmchen („Fohlen im Partyrausch“), das es direkt ins ZDF-Sportstudio schaffte. Sogar Zeugwart Rolf Hülswitt zeigt darin seine geballten Fäuste.

Wenn der mehr als drei Jahrzehnte der Borussia dienende „General“, einst Stabsfeldwebel bei der Bundeswehr, die Beherrschung verliert, dann hat die große Feier wohl wirklich niemand einbremsen können. Als der Mannschaftsbus später auf der Anhöhe zum Osterdeich um die Ecke bog, schien das weiß-grüne Gefährt nicht nur wegen des Kopfsteinpflasters zu wackeln, denn mehr als kräftig hämmerten die johlenden Kicker gegen die getönten Scheiben. Ob es sein könne, dass sich Mönchengladbach über die am 33. Spieltag abgesicherte Champions-League-Teilnahme mehr freue als München über die Meisterschaft, ist Sportchef Max Eberl gefragt worden. „Ja!“ lautete die Antwort.

Den 2:0-Erfolg an der Weser, der erste übrigens seit einem einst sagenhaften 7:1 vom 21. März 1987, wertete Eberl hernach als „Spiegelbild der Saison“. „Du kriegst keinen Pokal, du kriegst keinen Wimpel“, meinte der 41-Jährige, „aber trotzdem haben wir was Großes geschafft.“ Nebenbei stellte die beste Rückrundenmannschaft Rekorde ein: die meisten Siege (zwölf) in einer Rückrunde seit 1973/74 oder die meisten Spiele (15) ohne Gegentor wie nur 2011/2012.

Das Wichtigste aber: 37 Jahre nachdem der mit einer bundesweit beeindruckenden Zahl von Sympathisanten aufwartende Traditionsverein vom Niederrhein letztmals im Europapokal der Landesmeister mitgespielt hat, darf es wieder der wichtigste europäische Vereinswettbewerb sein. Zwei Auftritte in der Europa League haben letztlich nur das Vorspiel für die Champions League bedeutet.

Selbst beim oft grüblerischen Lucien Favre umspielte ein Lächeln die Mundwinkel. „Nicht schlecht“, bewertete der Schweizer Taktik-Tüftler mit einem Grinsen die Leistung und befand: „Die Rückrunde ist klasse. Es ist ein Erfolg für den Verein. Für den wir alle sehr hart und geschickt gearbeitet haben.“ Und noch besser als die beiden Treffer seines Lieblingsschülers Raffael (53. und 85.) schienen dem 57-Jährigen auf dem Statistikbogen die 68 Prozent Ballbesitz zu gefallen. „Früher waren wir eine Kontermannschaft, jetzt sind wir auch in der Spieleröffnung sehr gut.“

Für Favre wie Eberl fängt die Arbeit nach dem letzten Saisonspiel am Samstag gegen Augsburg im Borussia-Park erst so richtig an. Für den nach Leverkusen zurückkehrenden Christoph Kramer ist mit Lars Stindl aus Hannover Ersatz verpflichtet. Dann braucht es im offensiven Bereich aber noch jemand für den nach Wolfsburg wechselnden Max Kruse.

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