Der unsichtbare Dritte

Dortmund..  Jürgen Klopp liebt dieses Stadion. Das Stadion, in dem er in den vergangenen Jahren so wunderbare Momente erlebt hat, in dem er so oft gefeiert wurde. Vier Heimspiele wird es für ihn als Trainer von Borussia Dortmund noch geben, am Samstag-Nachmittag beginnt der Rest dieser winzigen Zukunft, wenn er vor dem Bundesliga-Spiel gegen den SC Paderborn den Fußball-Rasen betritt und vermutlich inbrünstiger als sonst hochleben gelassen wird.

Das sei „am Thema vorbei“, sagt zwar Klopp, weil es nicht um ihn gehe, sondern um Punkte für die Europa League und gegen das Hinabschlittern in den Sorgenbereich der Tabelle. Aber Klopp wird nicht verhindern können, dass die Menschen ihm ihre Aufmerksamkeit widmen. Aus Dankbarkeit für eine Zeit wie aus einem Bilderbuch: gelb, golden, glücklich.

Vorbei.

Längst sind die Spekulationen in vollem Gange, wem der BVB die Zukunft anvertraut. Zumindest den Zeitrahmen für eine Entscheidung kennt man nun: Nächste Woche soll der Name des neuen Mannes offiziell werden. So hat es BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im Rahmen eines Vortrages in Fulda wissen lassen. Örtliche Medien zitierten den Geschäftsführer aus dem Sauerland mit den Worten: „Ich weiß nicht, wer neuer Trainer wird und wenn, würde ich es nicht sagen. Aber ich warne davor, zu eindimensional in Richtung Thomas Tuchel zu denken.“

Tuchel gilt eigentlich als aussichtsreichster Kandidat. Sein Fachwissen ist unumstritten, seine Philosophie der von Klopp nicht unähnlich. In Mainz folgte er ihm schon einmal nach, verstand es dort, die Mannschaft weiter zu entwickeln und sie in unterschiedlichen Systemen mit einem verbesserten Ballbesitzspiel auszustatten.

Sind Watzkes Aussagen daher nur Ablenkungsmanöver? Viel spricht für Tuchel, aber nicht alles.

Schließlich gilt er als unbequem und sperrig. Er ist erfolgsbesessen wie Klopp, kann ausrasten wie Klopp, doch fehlt ihm bisweilen der Charme des prominenten Kollegen, seine Untaten mit einem Lächeln wieder einzufangen. Er wirkt anders auf Menschen und geht anders mit ihnen um. Als sich Tuchel aus Mainz verabschiedete, hinterließ er Streit.

Watzke und Klopp bildeten zusammen mit Sportdirektor Michael Zorc sieben Jahre lang ein verschworenes Trio, das vertrauensvoll und höchst verschwiegen zusammen arbeitete. Nie drang nach außen, was nicht nach außen gehörte. Eine solche Kooperation unter Kumpels dürften die Macher erneut anstreben. Der neue Mann muss Deutsch sprechen, die Bundesliga kennen, talentierte Spieler entwickeln können. Gesucht wird: ein schwarz-gelbes Puzzlestück, das sich einfügen ließe, ohne an seinen Platz gepresst zu werden.

In dieses Profil passt Sascha Lewandowski. Bei Bayer Leverkusen war er in der Saison 2012/13 hinter dem großen Namen Sami Hyypiä das trainingstaktische Hirn. Um einen Punkt verpasste er die Vize-Meisterschaft. Freiwillig ließ er sich zurückversetzen in den Jugendbereich, ehe der allein überforderte Hyypiä gegen Ende der nachfolgenden Saison entlassen wurde, Lewandowski erneut einsprang, die Champions-League-Teilnahme sicherte - und wieder in der zweiten Reihe verschwand. Der 43-Jährige gilt als hervorragender Taktiker und Entwickler. Und was keinesfalls gegen ihn spricht: Er ist in der Stadt geboren, in der das Stadion steht, das Jürgen Klopp so liebt.

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