Der Riese wankt

Porto..  Nach elf Minuten blickte Trainer Pep Guardiola das erste Mal angespannt zur Anzeigetafel. Gerade hatte sein FC Bayern das 0:2 beim FC Porto kassiert, nach dem bereits zweiten krassen Abwehrfehler. 79 Minuten blieben also noch, um ein halbwegs vernünftiges Resultat für das Rückspiel dieses Viertelfinals der Champions League am kommenden Dienstag in München zu erzielen. Doch alle Blicke zur Uhr halfen nichts. Als die Zeit runtergetickt war, hatte der deutsche Meister 1:3 (1:2) verloren. Immerhin war Thiago Alcántara in der 28. Minute der Anschlusstreffer gelungen.

Schläfriger Start im Drachenstadion

Durch die frühen Gegentore von Ricardo Quaresma (3./Foulelfmeter und 10.) und den Treffer von Jackson Martínez (65.) muss der FC Bayern aber vor allem fürchten, schon das angestrebte Etappenziel zu verpassen. Ebenso wie das Ziel der Mission mit Guardiola: das Triple, zumindest in dieser Saison. Ein 2:0, 3:0, 4:1 oder gar 5:2 ist nun zu Hause nötig, um doch noch wie im Vorjahr in die Runde der letzten Vier vorzustoßen. Viel sprach am Mittwoch nicht dafür.

Es war ein total missglückter, schläfriger Start gewesen, den die Bayern im Estádio do Dragão, im Drachenstadion, hingelegt hatte. Zunächst ließ sich Xabi Alonso als letzter Mann den Ball von Martínez abluchsen, der daraufhin allein auf Manuel Neuer zulief und von diesem im Strafraum gefoult wurde. Schiedsrichter Velasco Carballo entschied auf Elfmeter, beließ es aber zum Glück aus Sicht der Münchner bei einer Gelben Karte. Auch ein Platzverweis für den Torwart wäre möglich gewesen. Quaresma verwandelte sicher und tat es wenig später Martínez gleich, als er Dante unter Druck setzte, den Münchner Innenverteidiger um den Ball erleichterte und anschließend freistehend einschob. Was für ein missratener Start, mit zwei Ballverlusten des jeweils letzten Mannes. Das war auch mit den vielen Ausfällen von David Alaba bis Arjen Robben nicht zu erklären.

Bayern mit viel Respekt

Dabei waren die Münchner mit Respekt in Porto angetreten. Guardiola hatte vorab davon gesprochen, er sei überrascht vom Niveau der Elf seines Trainer- und ehemaligen Profikollegen Julen Lopetegui. Beim FC Barcelona hatten sie zwischen 1994 und 1997 zusammen gespielt, und Lopetegui hat jenes dort einst unter Johan Cruyff praktizierte 4-3-3-System auf den FC Porto übertragen, mit dem dieser nun flott kombinierte und die Münchner immer wieder im Aufbau aggressiv anlief.

Erst allmählich fanden die Bayern Sicherheit im Aufbau – auch, weil Porto nach dem 0:2 nicht mehr so aggressiv anlief. Als Thiago nach dem Flügellauf und der Hereingabe von Jérôme Boateng zum Auswärtstor einschob, hellte sich die Lage für die Münchner etwas auf. Porto blieb aber gefährlich. Neuer ließ einen Flankenball von Alex Sandro durch die Hände rutschen und hatte Glück, dass die Latte mithalf, einen weiteren Gegentreffer zu verhindern.

Die zweite Halbzeit begann wie die erste. Diesmal blieb Xabi Alonsos Fehler als letzter Mann aber folgenlos. Dennoch kam Porto zu einer Großchance auf dem 3:1. Hector Herrera scheiterte mit seiner Direktabnahme aus kurzer Distanz allerdings, weil Neuer mit einem Reflex stark reagierte. Doch als dann Boateng als letzter Mann einen Ball unterschätzte und Martínez Neuer umkurvte, halfen auch alle Reflexe nichts. Derart gute Gelegenheiten hatten die Münchner nicht mehr. Immerhin wahrten sie eine kleine Chance aufs Halbfinale, dank Thiagos Auswärtstor.

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