Der Fußball sieht die Gelbe Karte

London.  Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA bleibt im Streit mit dem Radsport-Weltverband UCI hart. Ein Gesprächsangebot der UCI lehnte die WADA ab. „Wir ­haben einen Brief von Präsident McQuaid am Montag erhalten und sofort beantwortet. Wir wollen das nicht machen“, erklärte WADA-Generaldirektor David Howman am Dienstag bei einem Mediensymposium in London. Es gebe keine neuen Informationen, dass eine unabhängige Untersuchung des Skandals um Lance Armstrong nach den Richtlinien des WADA-Codes gewährleistet sei. Zugleich geht die WADA gegen den Fußball in die Offensive und fordert mehr Bluttests.

Die UCI und sein umstrittener Präsident sowie die WADA hatten sich zuletzt in mehreren Pressemitteilungen gegenseitig scharf attackiert. Die Anti-Doping-Agentur warf der UCI vor, bei der Aufklärung der Armstrong-Affäre nicht konsequent vorzugehen und sinnvolle externe Vorschläge zu ignorieren. Der Radverband wiederum bezichtigt die WADA sogar offen der Lüge.

Die WADA will zwar in der ­Sache nicht nachgeben und nur eine sogenannte Wahrheits- und Versöhnungskommission akzeptieren, wenn sie völlig unabhängig untersuchen kann, schließt aber eine Kooperation nicht völlig aus. „Die Tür ist offen. Wir sind aufgeschlossen“, sagte John Fahey, Präsident der WADA. „Ich bin ein Optimist.“

Die „Gelbe Karte“ zeigte die ­WADA dem Fußball, von dem sie mehr Blutdoping-Kontrollen und intelligentere Tests fordert, um Betrüger zu entdecken. Denn nach wie vor sei es möglich, „dass ein Spieler einer Mannschaftssportart in seiner ganzen Karriere kein einziges Mal getestet wird“, sagte Howman. „Fußball hat nicht genug EPO-Tests“, ergänzte WADA-Chef Fahey. „Wir ermutigen sie, mehr zu tun.“

Die Warnung kommt nicht aus dem Nichts: Im Prozess gegen den spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes waren Hinweise aufgetaucht, dass der spanische Fußball-Erstligist San Sebastian und auch andere Vereine die Dienste Fuentes genutzt haben könnten.

Vehement warnte Fahey zudem vor dem „wachsenden Einfluss der Unterwelt“ auf den Handel mit ­Doping-Mitteln. „Da kann einfach Geld verdient werden“, sagte er. Deshalb müssten die Regierungen verstärkt gesetzliche Maßnahmen ergreifen, um dem entgegenzuwirken.

Im Kampf gegen Blut- und Gendoping konnte die WADA dagegen Positives in der Olympia-Stadt von 2012 verkünden. In Japan wurde ein mobiles Labor getestet, in dem Blutproben vor Ort analysiert werden können. „Den Bus könnten wir in Regionen einsetzen, wo es bisher schwer ist, Bluttests zu machen“, erklärte Howman.

Zum Beispiel in Kenia. Die Lauf-Nation war in den vergangenen Jahren immer stärker in den Blickpunkt von Doping-Vorwürfen gekommen. Einen Fortschritt gab es auch bei der Forschung nach einem Nachweis von Gendoping. „Wir sind ganz dicht dran“, berichtete Howman.