Das große Geld liegt nicht im Wasser

Lisa Vitting, Foto: Arnold Rennemeyer WAZ FotoPool
Lisa Vitting, Foto: Arnold Rennemeyer WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Essen.. Die Schwimm-Europameisterinnen Lisa Vitting und Daniela Samulski wollen Sport und Studium verbinden. Auf zwei Wegen.

Daniela Samulski ist schon Weltrekorde geschwommen, sie ist Europameisterin und sie hat mehrfach Silber und Bronze bei Weltmeisterschaften gewonnen – aber das große Geld hat die 26-Jährige mit ihren Erfolgen nicht verdient. Lisa Vitting ist bereits deutsche Rekorde geschwommen, sie ist eines der größten deutschen Talente und ist im Sommer Europameisterin geworden – aber das große Geld wird die 19-Jährige im Wasser nicht verdienen.

Schwimmerinnen, die nicht gerade Franziska van Almsick heißen und Millionen in der Werbung verdient haben, müssen die Quadratur des Kreises lösen. Zwei Einheiten pro Tag sind ein Muss, 30 Stunden reine Trainingszeit das Minimum. Da bleibt nicht viel Zeit übrig, um das Studium oder die Ausbildung voranzutreiben. Und doch muss das eine forciert werden, ohne das andere zu vernachlässigen.

Daniela Samulski und Lisa Vitting, die im Sommer bei der EM Staffel-Gold für Deutschland holten, sind typische Beispiele dafür, unter welchen Zwängen Spitzensportlerinnen in unserem Land stehen. Die beiden Schwimmerinnen der SG Essen haben verschiedene Wege eingeschlagen, um am Ende Erfolge im Studium und Sport zu erreichen. Während Vitting von Freitag bis Sonntag bei den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal auf Titeljagd geht, nimmt Samulski eine Auszeit. Sie war schon mit 16 Jahren Teil des Schwimm-Zirkus’. Mit 19 machte sie Abitur und ging zur Bundeswehr. Volle Konzentration auf den Sport. Mit großen Erfolgen.

Aber nicht groß genug, um davon auch nach der Karriere ein materiell sorgenfreies Leben führen zu können. Also zog Samulski, die in Essen Soziale Arbeit studiert, jetzt die Reißlinie. „Sie will mit 26 im Studium vorankommen“, sagt Trainer Henning Lambertz, „das ist nachzuvollziehen. Die Millionen werden ihr nicht mehr ins Haus flattern, und den Traum vom Olympiasieg hat sie abgehakt.“

Noch hat Samulski ihre Karriere nicht beendet, ab Februar will sie wieder mehr trainieren und sich für die WM qualifizieren. Aber der Weg zurück wird kein leichter sein. „Normalerweise ist es das Todesurteil für den Sport, wenn man wie Daniela nur noch drei- statt zwölfmal pro Woche trainiert“, sagt Lambertz.

Vitting hat die umgekehrte Lösung gewählt. „Bei mir steht Schwimmen an Nummer eins“, sagt sie, „aber nur mit Sport bin ich nicht ausgelastet. Ich brauche eine Abwechslung für den Kopf.“ Sie hat sich in Bochum für Wirtschaftspsychologie eingeschrieben. „Mir ist klar, dass ich mein Studium strecken muss“, sagt die Freistil-Spezialistin, „ich werde den Bachelor-Abschluss nicht nach sechs, sondern wohl in acht Semestern machen.“ Möglicherweise wird sie für das große Ziel Olympia 2012 ein Urlaubssemester einlegen. Aber die Notbremse wie Daniela Samulski wird sie wohl nicht ziehen müssen. Mit 26 will Lisa Vitting längst Psychologin sein.

 
 

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