Das Dorf Rehden wartet auf den FC Bayern München

Denis de Haas
Warten auf Montag: Dann treffen die Fußballer des BSV Rehden auf den FC Bayern München.
Warten auf Montag: Dann treffen die Fußballer des BSV Rehden auf den FC Bayern München.
Foto: WAZ FotoPool
Der kleine Ort Rehden steht unter Strom. Im DFB-Pokal treffen die Fußballer aus Niedersachsen am Montagabend auf den Triplesieger um Franck Ribéry und Thomas Müller. Wir haben die Dorfgemeinschaft hautnah miterlebt - zu Besuch beim Außenseiter.

Rehden. Der Weg zu den Bayern-Jägern führt über eine schmale Hauptstraße. Er geht vorbei an einem Bäcker, der noch für den Schokoriegel „Raider“ wirbt und wochentags um 11.30 Uhr seinen Laden schließt. Auf dem Dorfplatz steht ein Schaukasten, in dem der Heimatverein sein Sommerprogramm ausgehängt hat. Und der Friseur im Ort heißt schlicht und einfach „Salon Finke“.

Willkommen in Rehden, einer beschaulichen 1800-Seelen-Gemeinde in Niedersachsen. Wer hier Trubel erleben will, fährt dieser Tage zu den Waldsportstätten. Hier stehen die Leute Schlange, um eine Eintrittskarte für das Ereignis des Jahres zu kaufen: Am Montag spielt der BSV Schwarz-Weiß Rehden in der ersten Runde des DFB-Pokals. Der Gegner: Bayern München. Eigentlich tritt der Dorfklub in der Regionalliga Nord an. Spiele gegen Eintracht Norderstedt oder den TSV Havelse locken in der Regel 400 Zuschauer ins Stadion.

Das Duell mit dem Triplesieger wollen aber mehr als 15.000 Fußballfans sehen. Also muss Rehden umziehen – ins 60 Kilometer entfernte Osnabrück. „Wir hätten die Bayern natürlich gerne hier empfangen, aber dann hätten wir ausbauen und ein modernes Flutlicht installieren müssen. Dafür waren fünf Wochen einfach zu knapp“, sagt Teambetreuer Volker Steinert, der die gute Seele im Klub ist.

In zwölf Reisebussen auf Tour

Nun fährt Rehden in zwölf Reisebussen auf Tour. Wann sehen die Dorfbewohner ihre Jungs schon mal in Zweikämpfen mit den großen Bundesliga-Stars? Stars wie der Ball-Virtuose Franck Ribéry. Wie Bastian Schweinsteiger, der aktuelle „Fußballer des Jahres“. Oder wie Thiago Alcántara, den die Bayern auf ihre letzten Shopping-Tour für 25 Millionen Euro in den Einkaufswagen legten.

Im Einkaufswagen des Regionalligisten liegen nur Trikots, Stutzen und kurze Hosen. Das Gefährt aus dem Supermarkt steht in der Rehdener Kabine. Kevin Artmann fischt das Trikot mit der Nummer 25 aus dem Klamottenhaufen. Er wird die Rehdener am Montag als Kapitän aufs Feld führen. Artmann trug in der C-Jugend mal das Bayern-Trikot, später spielte er im Nachwuchsbereich für Werder Bremen. Nervosität verspürt der 27-Jährige nicht. „Bei so einem Spiel geht es doch in erster Linie ums Genießen“, sagt Artmann.

Auf den offensiven Mittelfeldspieler werden sich die Fernsehkameras eher selten richten. Mehr Medienpräsenz darf sich Innenverteidiger Michael Wessel erhoffen. Er hat vor dem Anpfiff allerdings noch ein Problem. Wessel verdient sein Geld als Sachbearbeiter und hat am Montag Frühschicht. Keine optimale Vorbereitung für die Duelle mit Ribéry und Co. „Ich hoffe, dass ich mir noch freinehmen kann“, sagt Wessel.

Auslosung im Urlaub gesehen

Er sah die Pokal-Auslosung vor sechs Wochen im Türkei-Urlaub. Das Abendessen mit der Freundin musste warten. Stattdessen sah Wessel, wie Losfee Nia Künzer seinen kleinen Klub mit dem großen FC Bayern zusammenführte. „Da musste ich mich erst mal kurz schütteln“, erzählt der Rehdener.

Auch Predrag Uzelac war am Tag der Auslosung im Urlaub. Der Trainer erfuhr in seiner kroatischen Heimat, dass er bald dem Münchener Coach Pep Guardiola die Hand schütteln wird. Am Montag bekommt Uzelac auch ein Mikrofon in die Hand gedrückt und darf vor einem Millionen-Publikum das Spiel seiner Rehdener analysieren. Er bleibt trotzdem locker. „Wir müssen jetzt nicht anfangen zu träumen. Bayern wird bestimmt achtzig Prozent Ballbesitz haben“, sagt der BSV-Trainer.

Die Bayern-Fahne im Garten

Das ganze Dorf hofft aber insgeheim auf die Sensation. Das ganze Dorf? Nein, Anna Peter drückt den Bayern die Daumen. Ihr Mann und ihre Kinder ebenfalls. Die Frau geht häufig im roten Trikot vor die Tür, das Maskottchen der Münchner ist in der Wohnung allgegenwärtig und im Garten der Familie weht eine große Bayern-Fahne.

Anna Peter wird sie auch am Montag hissen, Sprüche nimmt sie in Kauf. „Klar, haben wir es hier momentan nicht leicht, aber wir stehen zu unserem Verein“, sagt die Frau.

Um des Dorffriedens willen hofft sie auf gnädige Bayern: „Das sind faire Spieler, die werden Rehden schon nicht so hoch schlagen.“