Darum gewinnt England

Jens Dirksen
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Der letzte überzeugende Sieg der Deutschen liegt wie lang zurück? Eine halbe Turnier-Ewigkeit. Jens Dirksen sagt, warum die Engländer gewinnen.

Und wenn Philipp Lahm nur einen Schritt später gekommen wäre, hätte sich Ghana am Ende vielleicht in einen 4:0-Rausch gespielt.

Die deutsche Mannschaft, unerfahren, wie sie ist, spielt Hurra-Fußball, solange der Druck nicht heftiger ausfällt als ein zartes Schulterklopfen. Gegen Serbien zerbröselte sie vor lauter Wiederholungszwang, gegen Ghana zitterten ihr die Knie unter der Last, womöglich als erste deutsche Mannschaft seit Erfindung des Schalker Kreisels in einer WM-Vorrunde auszuscheiden.

England dagegen steigert sich ständig. Wayne Rooney hat sich beim letzten Spiel schon bis zum Pfostentreffer vorgearbeitet, da ist doch klar, was er als nächstes trifft. Wer soll ihn stoppen? Bad­stuber vielleicht? Mertesacker?

Aber was komme ich mit Argumenten! Das beste Indiz für einen englischen Sieg ist die Tatsache, dass unsere Sportredaktion unisono an einen deutschen glaubt. Kennen Sie die Geschichte „Toto-Experten“ von Ephraim Kishon? Da tippt ein Experte dauernd daneben und fragt am Ende aus Verzweiflung seine Frau. Ihr erster Tipp wird ein Volltreffer, der nächste auch – bis die Frau anfängt, sich für Fußball zu interessieren. Als nächstes muss der Experte seinen Hund per Napf-Orakel befragen. Aber auch der versteht im Laufe der Zeit immer mehr von Fußball, und am Ende versucht der Held, eine Omma in der abgelegenen Negev-Wüste zu konsultieren.

In diesem Fall bin ich die Omma.