„Dann beschloss ich, zuzunehmen“

Aus dem Weg: Andreas Tölzer (l.) kämpft im WM-Finale von 2011 in  Paris gegen den Franzosen Teddy Riner. Riner gewann und holte Gold, Andreas Tölzer war Vize-Weltmeister. Foto: dapd
Aus dem Weg: Andreas Tölzer (l.) kämpft im WM-Finale von 2011 in Paris gegen den Franzosen Teddy Riner. Riner gewann und holte Gold, Andreas Tölzer war Vize-Weltmeister. Foto: dapd
Foto: AP
Vize-Weltmeister Andreas Tölzer hat sich für die Sommerspiele in London viel vorgenommen: Er möchte ganz oben aufs Siegerpodest.

Köln.. Andreas Tölzer ist ein Berg von einem Mann. 1,92 Meter groß, 145 Kilo schwer. Der Vize-Weltmeister kommt gerade vom Training. In der Kantine des Kölner Bundesleistungszentrums für Judo nimmt der 32-Jährige sich nur einen Kaffee. Er will gleich noch einkaufen gehen. Am kommenden Wochenende kämpft er dann beim Grand Prix in Düsseldorf.

Ihr Spitzname ist „Der Bulle von Gladbach“. Sind Sie stolz auf den Namen oder stört er Sie?

Andreas Tölzer: Er stört mich nicht. Der Name kam vor ein paar Jahren auf, als im Fernsehen die Serie „Der Bulle von Tölz“ lief. Da ich Mitglied im 1. JC Mönchengladbach bin, war ich über Nacht „Der Bulle von Gladbach“.

Waren Sie schon als Kind in der Schule der Größte?

Gar nicht. Ich habe zwar schon mit neun Jahren mit dem Judo angefangen, aber bis ich zwölf war, war ich ein schmaler Junge. Dann kam die Pubertät, und ich wuchs. Beim Judo kam ich dann ruckzuck in die höchste Gewichtsklasse.

Bei den Olympischen Spielen in Peking waren Sie vor vier Jahren noch 13 Kilo leichter als heute …

…richtig, aber da habe ich gemerkt, dass mir ein paar Kilo fehlen. Die großen Jungs haben mich rumgeschubst, und ich wurde Neunter. Danach habe ich beschlossen, zuzunehmen.

Mehr gegessen?

Nein, anders trainiert. Ich habe hauptsächlich Muskelmasse an den Beinen zugelegt. Das geht ziemlich schnell, zum Beispiel durch Sprint-Übungen und tiefe Kniebeugen. Ich habe jetzt mehr Kraft in den Beinen, und es hat noch einen Vorteil: Mein Körperschwerpunkt liegt tiefer, und meine Gegner haben es schwerer, mich auszuhebeln.

Können Sie essen, was Sie wollen?

So einfach ist das nicht. Trotz der 145 Kilo liegt mein Körperfettanteil bei nur 16 Prozent. Ich esse sehr eiweißreich. Viel Fisch, viel Fleisch, aber kein Schweinefleisch. Ich achte auch besonders auf Mikronährstoffe.

Mikronährstoffe?

Genau. Dabei geht es hauptsächlich um Vitamine und Mineralien. Ich lasse regelmäßig ein Blutbild erstellen. In diesem Blutbild sehen die Fachleute, was gerade in meinem Körper fehlt. Ich kriege ein Granulat, das speziell für mich gemischt wird und in dem alles das ist, was mir fehlt. Seitdem ich keine Blutbild-Defizite mehr habe, geht es meinem Körper deutlich besser. Ich habe heute wesentlich weniger mit Verletzungen zu tun als früher.

Sie mussten drei Weltmeisterschaften verletzt absagen. Ist Judo gefährlich?

Eher nicht.

Was tut im Moment weh?

Nichts. Der abgerissene Brustmuskel vor der WM in Paris im vergangenen Jahr war die bisher letzte Verletzung.

Ein abgerissener Brustmuskel vor der WM? Wie sind Sie damit Vize-Weltmeister geworden?

Die Verletzung war ein paar Wochen vor der WM, aber klar, es hat höllisch wehgetan. Ich wollte aber nicht wieder absagen. Also haben wir meinen Kampfstil umgestellt.

Was haben Sie anders gemacht?

Früher habe ich meine Gegner auf Distanz gehalten, das ist mit dem fehlenden Stück vom Brustmuskel mittlerweile problematisch. Also ziehe ich die Gegner heute näher heran. Silber bei der WM zeigt, dass mir der Stil wohl entgegen kommt.

In der Judo-Welt gibt es den Tölzer Dreher, der nach Ihnen benannt ist. Wie lange hat es gedauert, bis eine Technik nach Ihnen benannt wurde?

Ich arbeite seit über zehn Jahren mit dieser Technik, aber im Judo wird so etwas erst nach internationalen Erfolgen mit einer Person verbunden. Der EM-Sieg 2006 hat dafür nicht gereicht, aber nach den zwei Silbermedaillen bei Weltmeisterschaften hat sich der Name durchgesetzt.

Wie sprechen die Japaner das aus?

Im Englischen heißt es „Tölzer Turn Over“. Wie die Japaner es aussprechen, weiß ich gar nicht. Aber wenn ich mit Japanern trainiere, greifen sie mich immer häufiger mit meiner eigenen Technik an.

Können die das genauso gut wie Sie?

Ich glaube nicht. Es ist ein sehr komplexer Bodenumdrehprozess, und ich habe im Laufe der Jahre sehr viele Varianten entwickelt.

Es heißt, Sie hätten für Olympia in London eine neue Geheimwaffe im Repertoire.

Ich arbeite daran.

Wie wird das in London aussehen?

Das werde ich nicht verraten, dann wäre es nicht mehr geheim.

Wenn Sie heute unterschreiben könnten: „Bei Olympia hole ich Silber“, würden Sie unterschreiben?

Schwierig. Einerseits wäre eine Silbermedaille bei Olympia eine tolle Sache. Andererseits weiß ich, dass ich mehr drauf habe und auch Gold gewinnen kann. Das wäre dann natürlich die Krönung meiner Karriere.

 
 

EURE FAVORITEN