Christoph Daum schwärmt beim FC Brügge

Willkommen in Belgien: Christoph Daum in der Altstadt von Brügge, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Foto: Eduard Bopp/Imago
Willkommen in Belgien: Christoph Daum in der Altstadt von Brügge, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Foto: Eduard Bopp/Imago
Fußball-Trainer Christoph Daum hat den FC Brügge übernommen und siegte über Weihnachten 1:0 gegen Zulte Waregem. Daums Auftrag: Er soll mit dem 13maligen belgischen Meister neue Titel holen. In der Europa League muss Daum demnächst mit Brügge gegen Hannover 96 antreten.

Brügge.. In der Kinokomödie „Brügge sehen und sterben“ jagen sich zwei Auftragskiller durch die belgische Stadt. Im wahren Leben trainiert Christoph Daum den 13maligen belgischen Fußballmeister FC Brügge und schwärmt von der Lebensart in Flandern: „Nirgendwo sonst in Europa gibt es eine so hohe Dichte an Zwei- und Drei-Sterne-Restaurants.“

Doch der Fußball spielt nicht dort, wo die Unesco die Altstadt mit ihren Kopfsteinpflaster-Märkten und den historischen Fassaden der Handelshäuser in den Rang eines Weltkulturerbes erhoben hat. Der Fußball spielt in einem Wohngebiet vor der Innenstadt. Dort, wo sich die zweistöckigen Einfamilienhäuser aneinander reihen wie an der Anfield Road in Liverpool.

Der Blumenhändler der Siedlung hat an diesem zweiten Weihnachtstag eine Nikolausmütze aufgesetzt und seinen Kunden-Parkplatz geöffnet. Wenn der FC Brügge spielt, kassiert er pro Auto drei Euro Parkgebühren.

Daum hat in Brügge seit November das Sagen

Das Jan-Breydel-Stadion sieht man vom Parkplatz nicht, man hört aber bereits das Brodeln der 30 000 Menschen. An der Olympialaan biegen die Fans ab, endlich sieht man die Tribünen, die Gasse ist vom Flutlicht erleuchtet. Der Sturm, der von der Nordsee rauscht, lässt die Wolken vorbeiziehen wie einen Kinofilm. Die Menschen drängen sich an der Ecke der Olympialaan in der „Frituur t’Stadion“. Frieten groot für 2,40 Euro. Vier Soßen im Angebot; Tartare, Andalous, Diabolo oder Special. Sterneküche der Fußballfans, köstlich.

Auf dem Rasen haben sich die Spieler warm gelaufen, Daum hat mit verschränkten Armen zugeschaut. Die Pose spricht ohne Worte: Er ist der General, er hat das Sagen. Im November hat der 58-Jährige in Belgien unterschrieben. Bis 2013 läuft sein Vertrag, dreieinhalb Millionen Euro soll er dafür kassieren und den Auftrag haben: Einen Titel holen. Zuletzt wurde Brügge im Jahr 2005 Meister.

Das Stadion stammt aus dem Jahr 1975. Die 30 000 Sitzplätze sind am Weihnachtstag voll, die Menschen wollen raus, auch wenn nur der Abstiegskandidat Zulte Waregem zu Gast ist. Die Spieler aus Waregem sind mit einem Reisebus vorgefahren, in dem an der Windschutzscheibe ein Plastikschild angebracht ist: „Spelerbus“.

Erfolg für Brügge und Daum in der Europa League

Im Trophäenraum hängen Wimpel von Benfica Lissabon, Nottingham Forrest und dem VfB Stuttgart. Später wartet auf einer Anrichte eine Flasche Weinbrand mit Gläsern auf die VIP-Gäste, Selbstbedienung. Die Atmosphäre erinnert an die Zeit, als man in Deutschland noch Crevettencocktails aß, die Hemden bis zum Bauchnabel aufriss und Lachsäcke komisch fand.

Auf den ersten Blick erscheint dies alles im Vergleich mit der europäischen Glitzerwelt des Fußballs bieder und altbacken. Auf den zweiten Blick ist es einfach nur liebenswert. Die Fans finden noch Zeit für Freundlichkeit. Belgien bedeutet: Fußball im Umbruch. Vor der Kabine, dem „Spelerhome“, hat der Platzwart Besen zum Saubermachen der Fußballschuhe an die Wand gedübelt. Hinten vor den Trainingsplätzen parken die Spieler. Die übliche Profi-Parade, ein bisschen Jeep, ein bisschen Mercedes, ein bisschen Porsche, wenig VW.

Der Schiedsrichter pfeift das Spiel an, das live im belgischen Fernsehen läuft. Brügge macht Druck, aber am Ende reicht es nur zu einem 1:0. Der fünfte 1:0-Sieg in der Liga unter Daum. Am Ende wird es dabei sogar spannender als der Nervenarzt erlaubt, die Gäste vergeben allerdings ihre riesige Chance zum 1:1. „Wahrscheinlich“, sagt Daum, „erschrecken wir uns, wenn wir mal ein zweites Tor schießen.“ In der Europa League hat das geklappt, aus einem 0:3-Rückstand bei NK Maribor machte Brügge ein 4:3, seitdem hat die Stadt Daum respektiert.

Silvester auf Mallorca

Er will es ebenso machen und ist Heiligabend in Brügge geblieben, seine Frau und seine Kinder sind aus der Familien-Villa in Köln-Hahnwald zu ihm gekommen. Silvester feiern die Daums dann allerdings doch auf Mallorca, aber schon am 2. Januar wird der Trainer wieder in Belgien sein, die Vorbereitung auf die Rückrunde beginnt.

Ist Brügge ein Abstieg für den Mann, der fast Bundestrainer geworden wäre? „Schauen sie sich mal in Ruhe in der Stadt um“, schwärmt Daum. „Wie soll Brügge denn ein Abstieg sein?“

 
 

EURE FAVORITEN