Analyse: Der BVB verliert das Kampfspiel beim FC Köln

Kölns Mergim Mavraj (l.) nimmt es mit Dortmunds Marc Bartra auf.
Kölns Mergim Mavraj (l.) nimmt es mit Dortmunds Marc Bartra auf.
Foto: FIRO
  • Auf Champions-League-Euphorie folgt bei Borussia Dortmund wieder Bundesliga-Frust: 1:1 in Köln
  • In Hoffenheim wartet der nächste starke Gegner

Köln.  Der späte Samstagnachmittag brachte für die Fans, Spieler und Verantwortlichen von Borussia Dortmund dann noch ein Gefühl, das sie so gar nicht mehr kannten: Freude darüber, dass Hertha BSC 0:1 gegen Werder Bremen verlor. So nämlich hatte der BVB durch das 1:1 (0:1) beim 1. FC Köln sogar einen Punkt gutgemacht auf Platz drei, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt.

Sich damit zu befassen, wie Berlin gegen Bremen spielt, gehört eigentlich nicht zur Gedankenwelt des BVB – es zeigt aber, dass diese Saison nicht wie erhofft verläuft.

Die einzige Konstante im Dortmunder Saisonverlauf ist die Inkonstanz. Auch gegen Köln folgte auf einen ordentlichen Champions-League-Auftritt ein schwaches Bundesliga-Spiel.

Tuchel war milde gestimmt

Trainer Thomas Tuchel war dennoch milde gestimmt: „Heute ist das Kompliment viel größer als der erhobene Zeigefinger“, sagte er und lobte, dass die Mannschaft nie aufgesteckt und noch den späten Ausgleich erzielt habe. Ähnlich beurteilten es die Spieler: Blödes Gegentor kassiert, Moral bewiesen, noch das 1:1 gemacht – Schwamm drüber.

Sportdirektor Michael Zorc dagegen war sauer. „Wir dürfen so einen Fehler nicht machen“, schimpfte er und bezog sich auf die 28. Minute: Marcel Schmelzer verlor den Ball an Pawel Olkowski, brachte den Kölner dann zu Fall – Freistoß. Und bei Jonas Hectors Hereingabe verlor Erik Durm den Torschützen Artjoms Rudnevs aus den Augen. Wieder mal ein Gegentor nach individuellem Fehler.

Dem BVB fiel wenig ein

Wie alle Dortmunder aber ging Zorc kaum darauf ein, dass ja noch mehr als eine Stunde Zeit war, die Partie zu drehen – dem BVB allerdings erschreckend wenig einfiel. Ein Schuss von Marco Reus über das Tor (2.), ein Freistoß des Angreifers in die Hände des Torhüters (42.), ein Schmelzer-Kopfball neben das Tor (59.), ein weiterer Schuss von Reus auf den Torhüter (74.) – mehr kam lange nicht.

Köln zog sich weit zurück, ging aggressiv zu Werke und der BVB tat sich wieder einmal schwer gegen einen Gegner mit harter Gangart, fand keine spielerischen Lösungen, um das Kölner Bollwerk zu knacken. Immer wieder segelten hohe Flanken in den Strafraum, die die hochgewachsenen Abwehrspieler mit Leichtigkeit wieder herausköpften.

Das 1:1 in der Schlussminute, als Ousmane Dembélé auf der rechten Seite Adrian Ramos anspielte, der klug zurücklegte und Reus passgenau vollendete, war der erste sauber zu Ende gespielte Dortmunder Angriff.

Die Erleichterung beim BVB war groß: „Es war extrem wichtig, dass wir nicht schon wie in Frankfurt gegen einen direkten Konkurrenten verlieren“, sagte Schmelzer. Köln und Frankfurt als direkte Konkurrenten – auch das sind Sätze, die man aus Dortmund nicht mehr kennt.

Frust im Eisregen

Nach dem Umbruch im Sommer haben sie zwar mit einer schwierigen Saison gerechnet. „Aber wenn im Wetterbericht Regen angekündigt wird, nehmen Sie Ihren Schirm mit“, sagte Tuchel. „Und dann fühlt es sich trotzdem scheiße an, wenn Sie im Eisregen stehen.“

Schon am Freitag kann der BVB die Situation im Spiel bei der TSG Hoffenheim verbessern – noch so ein direkter Konkurrent, noch so ein Gegner, der hart spielen und aggressiv verteidigen kann.

Doch die Dortmunder sind optimistisch: Endlich haben sie einmal eine ganze Woche Zeit zu trainieren. Und zur Not muss eben wieder Reus die Sache richten.

 
 

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