Büskens "hätte Schalke nie verlassen"

Jubel und Emotionen stehen bei Mike Büskens hoch im Kurs, wie in dieser Szene nach einem Sieg von Greuther Fürth. Foto: Imago
Jubel und Emotionen stehen bei Mike Büskens hoch im Kurs, wie in dieser Szene nach einem Sieg von Greuther Fürth. Foto: Imago
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Fürth. Die Trolli-Arena wirbt damit, dass sogar der Rasen die Vereinsfarbe trage. Der Trainer der SpVgg Greuther Fürth aber steckt in Königsblau und scherzt, die Einführung schwarz-gelber Arbeitskleidung sei an seinem Einspruch gescheitert. Mike Büskens war eben Schalker. 17 Jahre lang. Uefa-Cup-Sieger 1997. Co-Trainer. Zweimal Interimstrainer. Identifikationsfigur. Vor dem Super-Pott spricht der 45-Jährige über die Heimat Revier, über wahre Fans, wahren Fußball und soziale Kälte.

Am 28. Mai 1997 hat Borussia Dortmund in der Champions League triumphiert. Konnten Sie sich darüber freuen, Herr Büskens?

Mike Büskens: Ja. Konnte ich. Wir hatten den Uefa-Cup ja schon eine Woche vorher gewonnen. Und Dortmund gehört auch zum Revier. Da gibt es schon auch eine Verbindung.

Ist das eine Antwort, die einer gewissen Altersmilde geschuldet ist, oder haben Sie das damals tatsächlich schon so empfunden?

Büskens:Nein, das hat mit Altersmilde nichts zu tun. Das war 1997. Es gab noch immer unheimliche Probleme. Kohle weg, Stahl weg, dann der Strukturwandel. Das war alles hart. Und im Revier wird der Fußball einfach gelebt. Diese Erfolge haben den Menschen gut getan.

Für die Schalker Cup-Sieger-Mannschaft wurde der Begriff Euro-Fighter geprägt. War sie eine besondere Gemeinschaft?

Büskens:Ja, natürlich. Sonst wären wir doch gar nicht so weit gekommen. Sonst hätten wir auch nicht gewonnen gegen all diese Nationalspieler. Inter Mailand war doch eine Macht. Das ist heute noch eine europäische Fußballmacht. Aber die Schalker haben trotzdem auch jetzt im Viertelfinale der Champions League wieder eine Chance.

Damals sind 18 000 Schalker Fans nach Mailand gereist...

Büskens: Diese Unterstützung war wichtig, vor 80 000 Leuten. Dass man unter diesem Druck im Stadion San Siro als Spieler merkte: Die sind da, und die stehen hinter uns.

Haben Sie die Verbindung zu den Kollegen gehalten?

Büskens: Ja, sicher. Der Thomas Linke und ich, das war damals fast eine brüderliche Beziehung. Und ich spreche mit Marc Wilmots, mit Marco Kurz, mit Olaf Thon – und mit vielen anderen gibt es noch regelmäßige Telefonate.

Sie waren 17 Jahre auf Schalke und sogar zweimal Interimstrainer...

Büskens: ...zuerst als Mirko Slomka ging, dann nach Fred Rutten...

...und dann kam Felix Magath. Er hat seinen Stab mitgebracht und für Sie war kein Platz mehr...

Büskens: Ja.

War das schmerzlich für Sie?

Büskens: Ich möchte nicht, dass es nach Jammern klingt, aber: ja, natürlich. Das war schmerzlich. Ich war doch zufrieden. Ich hätte Schalke doch nie verlassen. Das war doch meine Heimat. Das Revier ist meine Heimat. Und irgendwann werde ich auch zurückkommen. Das kann ich garantieren.

Magath hatte in der ersten Saison Erfolg...

Büskens: Ja, und ich habe diesen Erfolg Schalke gegönnt. Die Fans, der Verein verdienen diesen Erfolg.

...und jetzt ist Magath weg, und viele Menschen sprechen von der sozialen Kälte, die er gebracht haben soll.

Büskens: Darüber möchte ich mir kein Urteil erlauben, das steht mir nicht zu.

Andersherum: Gab es denn früher auf Schalke eine soziale Wärme?

Büskens: Die gab es. Das hatte mit den Fans zu tun, mit den Menschen im Revier. Sie sind ehrlich. Wenn du ein Arschloch bist, sagen sie es dir. Und wenn du keins bist, dann tun sie alles für dich.

Erfordert das Profigeschäft denn nicht ein Maß an sozialer Kälte?

Büskens: Damals, als ich auf Schalke war, herrschte keine soziale Kälte. Und wir hatten Erfolg. Und hier bei der SpVgg Greuther Fürth herrscht auch keine soziale Kälte. Hier ist es sogar so warm, dass wir im Winter im T-Shirt rumlaufen können.

Haben Sie Schalke importiert, oder war es schon hier unten im Süden?

Büskens: Es geht doch darum, dass jeder sich mit dem Verein identifiziert. Und wir haben hier keinen Riesenetat. Hier ist alles bodenständiger. Und wo wir hinreisen in der zweiten Liga oft auch.

Ist das für Sie der richtige Fußball, der, bei dem Sie ins Schwärmen geraten?

Büskens: Das ist der Fußball. Und ich würde das schon gerne mal sehen, wie sich heute unter solchen Verhältnissen ein paar Schalker verhalten würden. Wenn sie hierher kommen würden. Nicht jemand wie Manuel Neuer, der kennt das, und dem würde es gefallen. Der hat eine Entwicklung genommen, der ist ein Weltklassetorhüter, der hat aber trotzdem den Boden nicht unter den Füßen verloren. Der ist immer noch auch ein Fan des Klubs. Aber bei anderen – ich weiß nicht.

Verliert man als Spieler nicht zwangsläufig an Bodenkontakt?

Büskens: Es ist doch bekannt, dass sich im Profifußball jeder zwei Teller Suppe am Tag leisten kann. Aber was bleibt, das sind doch andere Dinge. Das sind Erfolge und besondere Spiele.

In der nächsten Saison könnten Sie zumindest mit der SpVgg Greuther Fürth nach Schalke kommen...

Büskens: Das wäre nicht das Schlechteste. Das würde bedeuten, dass wir aufgestiegen sind.

 
 

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