Boxerin Ina Menzer steht vor ihrer Abschiedsgala

Die Boxerin Ina Menzer steigt am Samstag in Mönchengladbach letztmals in den Ring.
Die Boxerin Ina Menzer steigt am Samstag in Mönchengladbach letztmals in den Ring.
Foto: dpa
Die vergessene Ina Menzer, der einst im ZDF Millionen bei ihren Box-Kämpfen zusahen, steigt am Samstag in ihrer Heimat Mönchengladbach zum letzten Mal in den Ring. Bis 2010 war sie Weltmeisterin.

Hamburg. Vor gut zwei Wochen hat Ina Menzer an die fleißigen Menschen in ihrem Hintergrund eine Rundmail geschickt. Von nun an möchte sie nicht mehr einbezogen werden, stand da sinngemäß, wenn es um Details zur Veranstaltung um ihren nächsten Boxkampf geht. Seither habe sie deutlich mehr Ruhe für die sportliche Vorbereitung, erzählt sie, auch wenn der Trick nicht zu hundert Prozent funktioniere: „Die Gedanken an alles Mögliche schwirren trotzdem durch den Kopf.“

Wen wollte das wundern: Das 32. Ringduell in der Karriere der einstigen Quotenkönigin im Frauenboxen (30 Siege, 1 Niederlage) soll gleichzeitig ihr letztes sein. Eine große Abschiedsgala im Mönchengladbacher Hockeypark, die sie mit ihrem Team zum kommenden Samstag in eigener Regie aufzieht: Das sind eigentlich zwei Fulltime-Jobs, Trainieren und Promoten, die auch ein toughes Mädchen wie sie manchmal an den Rand ihrer Möglichkeiten bringt.

Bis 2010 Weltmeisterin im Federgewicht

„Es ist schon enorm, was da auf einen zukommt“, verschafft sie sich zwischen zwei Trainingseinheiten in einem Hamburger Gym gerade etwas Luft, „aber das konnte ich in etwa ahnen. Und so schlimm, dass ich gar nicht mehr wusste, wo oben und unten ist, war es bisher auch noch nicht. Ich habe ein gutes Team um mich herum, wo jeder weiß, wofür er zuständig ist.“

Gemischte Empfindungen sind in diesen Tagen feste Begleiter der 32-Jährigen, die ab 2004 für den nun abgewickelten Universum-Boxstall durch die Seile stieg. Es ist ja erleichternd, nach den letzten Jahren permanenter Unsicherheit aus eigener Kraft einen Schlussstrich zu ziehen. Und eventuell auch lukrativ, ein finale furioso als Open-Air-Abend aufzuziehen, zu dem sich viele Weggefährten avisiert haben – sowie ein Sportkanal, der Menzers Duell mit der in Litauen geborenen Dortmunderin Goda Dalydaite live überträgt.

Eine gewisse Bitterkeit ist trotzdem im Spiel. In einer perfekten Welt hätte sich ein großer Promoter wie Klaus-Peter Kohl, einst Chef von Universum, um einen würdigen Abgang der populärsten Boxerin im Land gekümmert. Und der wäre wie früher so oft vom ZDF in Szene gesetzt worden. Das war die kommode Basis für den Aufstieg, den die Gladbacherin mit kasachischen Wurzeln bis 2010 als Weltmeisterin im Federgewicht (17 Titelkämpfe) nehmen konnte. Aber diese Basis ist ihr nach dem Ende der TV-Kooperation, in den Wirren einer gescheiterten Geschäftsübergabe von Universum, unter den Füßen weggezogen worden.

Menzer wollte ein Duell in ihrer Heimatstadt

Tapfer hat „La Menzer“, die kluge Kämpferin mit dem damenhaften Auftritt, lieber von Familienplanung gesprochen, als sie zum Mai ihre Abschiedsgala einzuläuten begann. Die moderne Frau Anfang 30, die nach ersten beruflichen Erfolgen allmählich an Nachwuchs denkt: das konnte jeder verstehen. Dahinter verbarg sich die viel skeptischere Überzeugung, dass sich dieser Sport für sie nicht mehr lohnt. „Es gibt zwar noch ein paar Promoter, die auf Frauenboxen setzen“, sagt sie, „aber ohne einen starken Fernsehpartner funktioniert das alles nicht.“

Die Fackel zu übernehmen, die Regina Halmich so lange getragen hatte: Das war die Rolle, die der Menzer kraft ihrer Boxkunst und Ausstrahlung schnell zufiel. Bis heute gilt ihr erster Kampf mit der Niederländerin Esther Schouten, den sie 2009 nur knapp gewann, als einer der besten ihres dünn besetzten Sports. In der wirtschaftlichen Krise ihrer Arbeitgeber ließ sie sich dann hinhalten, statt dem Angebot eines konkurrierenden Promoters zu folgen.

Das war sehr loyal, „aber in der heutigen Zeit wird das nicht wirklich geschätzt“, durfte sie erfahren. So sind ihr beim Warten und Hoffen „einige meiner besten Jahre im Sport“ verleidet worden, weil sie kaum zum Einsatz kam. Das ist auch durch die schönste Schlussvorstellung nicht völlig zu kompensieren. Sie wollte ein deutsch-deutsches Duell in ihrer Heimatstadt zum Abschied, „da kommen von beiden Seiten Fans zur Veranstaltung“, wie sie schätzt. Außerdem sei die um drei Jahre jüngere Gegnerin nicht umsonst Interims-Weltmeisterin, „ich werde mich anstrengen müssen.“

 
 

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