Borussia Dortmund und Bayern München sauer auf Sky-Lippenleser - "Affig"

"Mit Feuer auf Subotic!", gibt Bayerns Trainer Pep Guardiola seinem Joker Franck Ribery mit auf den Weg. Der Lippenleser liest mit.
"Mit Feuer auf Subotic!", gibt Bayerns Trainer Pep Guardiola seinem Joker Franck Ribery mit auf den Weg. Der Lippenleser liest mit.
Foto: imago
Der Pay-TV und Bundesliga-Sender Sky bietet seinen Fernsehkunden seit Kurzem einen neuen Service an: Sie lesen Trainern und Spielern von den Lippen ab. Dieser Trend geht den Vereinen gegen den Strich.

Essen. Beim American Football ist es schon gang und gäbe. Die Trainer sprechen mit ihren Spielern auf dem Feld nur noch hinter vorgehaltener Hand. Zu groß ist die Angst vor Lippenlesern, die die Taktik an den Gegner weitergeben könnten.

Noch wird in der Fußball-Bundesliga offen kommuniziert – auch im Topspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Da spricht Bayerns Trainer Pep Guardiola mit Franck Ribery intensiv vor dessen Einwechselung, während sich auf der anderen Seite der Dortmunder Weltmeister Mats Hummels über seine Verletzung beklagt. Sky übersetzt alles.

"Mit Feuer auf Subotic!", gibt Guardiola seinem Joker mit auf den Weg. Das Ergebnis ist bekannt. Hummels soll nach seiner Auswechslung auf der Bank gesagt haben: „Es sieht nicht gut aus, da ist was fest.“ Auch diese Information bekommen die Fernsehzuschauer exklusiv präsentiert. Bei Twitter machten sich spontan etliche Nutzer lustig über diesen eher fragwürdigen Service.

„Ich finde das ehrlich gesagt affig“

Die Klubs hingegen sind sauer. „Ich finde das ehrlich gesagt affig“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc genervt in der „Sport-Bild“ (Mittwochsausgabe). Das habe der Sender überhaupt nicht nötig. Deutlich wurde auch Münchens Mediendirektor Markus Hörwick: „Wir sind mit dieser Art von Berichterstattung nicht einverstanden“, bislang habe man auf einer vertrauensvollen Basis zusammengearbeitet. „Wir würden uns wünschen, dass es dabei bleibt.“

Als „klassisches Eigentor“ betrachtet Borussias Presse-Chef Sacha Fligge den Trend auf lange Sicht. Lippenlesen sei „keine journalistische Disziplin“ und es schade dem guten Verhältnis zwischen Spielern und TV-Sender. Durch ständige Kontrolle gingen „zwangsläufig Emotionen und Spontanität verloren“, so Fligge weiter. Erste Konsequenzen folgten direkt nach Abpfiff. Wie die „Sport Bild“ berichtet, haben einige Spieler Sky nach der Partie infolge der Lippenleserei keine Interviews gegeben.

„Wir machen nichts Tadelnswertes“

Der Pay-TV-Sender verteidigt seinen Service als „Mehrwert für die Zuschauer“. Sportchef Burkhard Weber erklärt seine Entscheidung im Magazin: „Wir wollen unseren Sky-Kunden einen weiteren Service bieten, um auch taktische Feinheiten und Veränderungen zu erfahren“, in Südeuropa sei es ebenfalls üblich, Lippenleser einzusetzen. Den Ärger der Klubs kann Weber nicht nachvollziehen. „Wir wollen keinen bloßstellen“, niemand müsse etwas befürchten. „Wir machen nichts Tadelnswertes“, so Weber.

Ganz offen gesprochen: Das sehen zumindest Borussia Dortmund und Bayern München deutlich anders. Dafür muss man kein Lippenleser sein. (we/nie) Smartphone