Bewährungsprobe für den FC Bayern München

Elisabeth Schlammerl
Die Verletzung von Bastian Schweinsteiger hat das erfolgreiche Abschneiden des FC Bayern in der Champions League überschattet. Jetzt hat di Mannschaft die Gelegenheit zu beweisen, wie gut sie ohne den Mittelfeldregisseur ist.

München. Die Manöverkritik fiel milde aus. Nach dem lange Zeit überlegen geführten, am Ende aber knappen 3:2 des FC Bayern im Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel sprach kaum jemand mehr über den Hattrick von Mario Gomez oder die gelb-rote Karte gegen Holger Badstuber. Auch der Leistungsabfall der Bayern nach der 3:0-Führung wurde nicht von sonst üblichen Kassandra-Rufen begleitet.

Bruch im Spiel nach Schweinsteiger-Verletzung

Denn der Grund war jedem ersichtlich: „Es gab einen Bruch im Spiel“, sagte Trainer Jupp Heynckes, als er auf die verhängnisvolle Szene in der 50. Minute angesprochen wurde, jenen Moment, als Bastian Schweinsteiger nach einem harten Luft-Zweikampf mit Gökhan Inler zu Boden sank und dann, vor Schmerz benommen, darnieder lag.

„Die Mannschaft war vielleicht ein bisschen geschockt, weil Basti nicht so gut aussah, wie er da auf der Trage lag“, gab Kapitän Philipp Lahm zu.

Es ging ihm auch nicht gut. Ein paar Stunden später lag Schweinsteiger schon auf dem Operationstisch, das gebrochene Schlüsselbein wurde mit einer Platte fixiert. Der 27-Jährige muss den Rest der Vorrunde pausieren und fällt deshalb auch für die beiden Testländerspiele der Nationalelf Mitte November gegen die Ukraine und Niederlande aus.

Dem FC Bayern steht damit die vielleicht größte Bewährungsprobe in dieser Saison bevor. Denn der Mittelfeldspieler ist das Herzstück der Mannschaft, er gibt den Takt, den Rhythmus vor. Für das Spektakel ist zwar die Offensive um Franck Ribéry zuständig, aber Schweinsteiger ordnet das Spiel dahinter, bestimmt das Tempo und ist ein glänzender Vorbereiter. „Das ist bitter“, sagt Mario Gomez. Andererseits „wollen wir eine Spitzenmannschaft sein und sind es auch. Deshalb müssen wir den Ausfall kompensieren.“ Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hofft auf die Intuition und Erfahrung von Trainer Heynckes. „Das ist auch eine Qualität, die wir jetzt zeigen müssen.“

Am ehesten ist die Aufgabe Toni Kroos zuzutrauen, er hat seinen Teamkollegen auch in der Nationalelf schon ein paar Mal auf der Position vertreten. Allerdings hat er sich in den vergangenen Wochen in der offensiven Mittelfeldrolle zu einem Leistungsträger entwickelt, und ist dort wertvoller denn je. Die Bayern könnten sich einer ihrer großen Stärken berauben, wenn sie Kroos nun weiter nach hinten ziehen, wo er vor allem als Organisator gefragt, aber vielleicht nicht so sehr als Ideengeber. „Eins zu eins kann man einen Bastian Schweinsteiger nicht ersetzen. Da müssen wir als Mannschaft eine Lösung finden“, sagt Thomas Müller.

Hoeneß bleibt gelassen

Es kommt gelegen, dass gegen den FC Villarreal in knapp drei Wochen ein Unentschieden reicht, um die Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League endgültig zu sichern. Auch ohne Schweinsteiger und den gesperrten Holger Badstuber ist die Aufgabe für die Bayern lösbar. In der Bundesliga gibt es vor dem Duell mit Meister Dortmund (19. November) an diesem Sonntag bei Aufsteiger FC Augsburg noch Gelegenheit zum Experimentieren.

Betont gelassen – und damit wieder mal gegen den Trend – nimmt Bayern-Präsident Uli Hoeneß den Ausfall des Vize-Kapitäns hin: „Wir werden das bis Weihnachten kompensieren können“, sagte der 59-Jährige. Den Aufschrei, der „durch die Nation“ gehe, könne er nicht verstehen: „Ein Schlüsselbeinbruch ist noch das positivste, was an der Schulter passieren kann.“

Der Kader sei sowieso „sehr gut aufgestellt“, sagte Hoeneß: „Dem Jupp Heynckes wird schon was einfallen, da bin ich mir sicher.“