Bert van Marwijk wird neuer Trainer beim Hamburger SV

Auf den Niederländer Bert van Marwijk wartet beim Hamburger SV viel Arbeit.
Auf den Niederländer Bert van Marwijk wartet beim Hamburger SV viel Arbeit.
Foto: sid
Es war keine Überraschung mehr. Der Niederländer Bert van Marwijk wird neuer Coach des krisengeschüttelten Bundesligisten Hamburger SV. Der Druck auf den ehemaligen Trainer von Borussia Dortmund ist riesig. Er soll den Liga-Dino vor dem ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte bewahren.

Hamburg. Bert van Marwijk ist der neue Hoffnungsträger des Hamburger SV. Der frühere Bondscoach soll dem taumelnden Bundesliga-Dino neues Leben einhauchen und vor dem Abstieg retten. Doch nicht nur sportlich wartet auf den niederländischen Vize-Weltmeister beim norddeutschen Krisen-Klub eine Mammutaufgabe.

Verkrustete Vereinsstrukturen, leere Kassen und eine völlig verunsicherte Mannschaft: Der erfahrene van Marwijk steht bei den Hanseatem wohl vor seiner bislang schwierigsten Mission. Spätestens nach der 0:2-Pleite im Nordderby gegen Werder Bremen am vergangenen Wochenende und dem Absturz auf den Relegationsplatz herrscht rund um den einst so stolzen Verein eine Untergangsstimmung, die es schnellstmöglich zu stoppen gilt.

Cardoso gegen Fürth noch auf der Bank

Am Mittwoch wird der neue Trainer, der einen Vertrag bis 2015 erhält, sein Amt antreten. Im Zweitrunden-Spiel des DFB-Pokals am Dienstag gegen Zweitliga-Spitzenreiter SpVgg Greuter Fürth (20.30 Uhr/Sky und bei uns im Liveticker) wird noch Interimscoach Rodolfo Cardoso den HSV betreuen.

"Wir freuen uns darüber, dass wir mit Bert van Marwijk einen Trainer für den HSV gewinnen konnten, der über große Erfahrung verfügt und seine Kompetenz mehrfach unter Beweis gestellt hat", sagte Sportchef Oliver Kreuzer nach seiner ersten Trainer-Verpflichtung für den HSV. Co-Trainer van Marwijks wird der 43-jährige Roel Coumans, der bislang in Diensten des niederländischen Zweitligisten Fortuna Sittard stand. Vom 1990er-Weltmeister Andreas Möller, um dessen Verpflichtung als zusätzlicher Assistent sich noch einmal Diskussionen mit van Marwijk entwickelt haben sollen, war im HSV-Statement keine Rede.

Van Marwijk ist "kein Zauberer"

"Das Wichtigste ist doch, dass es im Team und im Verein nun erst mal Ruhe gibt", sagte derweil van Marwijk, der die ernüchternde Derby-Pleite am vergangenen Wochenende vor dem Fernseher verfolgt hatte. Angesichts der zuletzt gezeigten Vorstellungen seines zukünftigen Arbeitgebers gab der 61-Jährige aber auch zu Bedenken: "Ich bin kein Zauberer. Man sieht, dass die Mannschaft verunsichert ist." Trotzdem will er seine Fähigkeiten nun im hypernervösen Hamburger Umfeld unter Beweis stellen.

Die nötige fußballerische Kompetenz für den kniffligen Job in der Hansestadt bringt van Marwijk jedenfalls mit. Mit Feyenoord Rotterdam holte der Schwiegervater des ehemaligen Bayern-Profis Mark van Bommel 2002 den UEFA-Cup, die niederländische Nationalmannschaft führte er 2010 ins WM-Finale gegen Spanien (0:1), woraufhin er von der niederländischen Königin zum Ritter geschlagen wurde.

Van der Vaart muss raus aus dem Formtief

Van Marwijk machte sich in der Heimat vor allem einen Namen damit, dass er der Elftal eine neue Spielweise einimpfte und mehr Wert auf die Defensive legte. Ordnung, Stabilität und Konsequenz: Genau das sind die Dinge, die der HSV zurzeit dringend benötigt. 17 Gegentore in sechs Partien sind ligaweit einzigartig - im Negativen.

Zudem muss van Marwijk seinen Landsmann Rafael van der Vaart schleunigst aus dem Formtief holen. Der HSV-Kapitän, mit dem er sich noch beim Vorrunden-Aus bei der Europameisterschaft 2012 wegen des Reservistenrolle heftig gefetzt hatte, schaffte es zuletzt nicht, seine Rolle als Führungsspieler auszufüllen.

HSV will zurück zu altem Glanz

Die Vereinsführung um Vorstandsboss Carl Jarchow und Sportdirektor Oliver Kreuzer will mit der Verpflichtung des früheren Coaches von Borussia Dortmund (2004 bis 2006) an längst vergessene Zeiten anknüpfen. So setzten die Norddeutschen in der Krise nämlich schon mehrfach auf einen Niederländer. Unter Huub Stevens und Martin Jol schwang sich der HSV zwischen Anfang 2007 und Sommer 2009 zu einem Europapokal-Teilnehmer auf und landete auf den Plätzen sieben, vier und fünf.

Ob das Erfolgsmodell vergangener Tage aber auch in der Gegenwart funktioniert, muss Bert van Marwijk erst noch unter Beweis stellen. (sid)