Vizemeister zerlegt Phoenix Hagen schonungslos

Meist das Nachsehen hatten Marcel Kessen (links) und seine Phoenix-Kollegen gegen die Ulmer um Raymar Morgan.
Meist das Nachsehen hatten Marcel Kessen (links) und seine Phoenix-Kollegen gegen die Ulmer um Raymar Morgan.
Foto: imago sportfotodienst
64:116 - bei der höchsten Schlappe in mehr als sieben Jahren Bundesliga war Phoenix Hagen ohne Richie Williams und Owen Klassen chancenlos.

Ulm/Hagen. Am Ende des niederschmetterndsten Auftritts bisher gab es reichlich Trost vom Gewinner - und gute Wünsche für die Zukunft. Per Günther, der in Hagen aufgewachsene Nationalteam-Spielmacher, kam nach dem 116:64 (61:41)-Sieg von ratiopharm Ulm zur Bank von Phoenix Hagen, Karsten Tadda auch. „Hoffentlich haltet ihr durch“, war die Botschaft. Und Gastgeber-Trainer Thorsten Leibenath betonte nach der höchsten Hagener Niederlage in mehr als sieben Jahren Basketball-Bundesliga. „Jeder weiß, wie bedeutend der Standort Hagen für die Bundesliga und Basketball-Deutschland ist. Ich hoffe, dass wir uns nächstes Jahr hier wiedersehen.“ Nett gemeint, als Kontrahenten in der Eliteklasse werden beide Teams in der nächsten Saison nach Lage der Dinge indes sicher nicht aufeinandertreffen.

Dass Phoenix in der aktuellen Zusammensetzung nach dem Abgang von Spielmacher Richie Williams und ohne Center Owen Klassen kein Bundesliga-Niveau hat, hatten die in der Liga noch ungeschlagenen Gastgeber zuvor schonungslos offen gelegt. „Ulm war in allen Belangen sehr viel besser als wir“, räumte Trainer Ingo Freyer ein, „wenn man körperlich der anderen Mannschaft so unterlegen ist und wenn man dann noch die Situation dazu nimmt, in der wir stecken, dann kommt ein Spiel wie heute zustande.“ Seinen Spielern, das betonte der Phoenix-Coach, könne er da keinen Vorwurf machen: „Die versuchen alles, aber da ist nichts zu machen.“

Mit einer kleinen Achter-Rotation traten die Gäste dem Vizemeister entgegen, da neben Klassen auch Youngster Pascal Zahner-Gothen nicht einsatzfähig war. Und zunächst klappte das mit Kapitän David Bell, Jeremy Dunbar, Chris Hass, Adam Hess und Trent Plaisted in der Startformation ganz ordentlich. Beim 6:7 durch zwei Hess-Freiwürfe führte Phoenix ein einziges Mal, bis zum 11:9 (4. Minute) konnte man passabel mithalten. Auch nach einer 12:0-Serie des Favoriten in drei Minuten kamen die Hagener noch einmal zurück. Jonas Grof leitete mit einem Fastbreak-Dunking einen Phoenix-Zwischenspurt ein, gemeinsam mit David Godbold und Bell verkürzte er bis zum 25:20 (9.). Bis zum 32:27 durch Hass‘ ersten Dreier blieb das so, dann trafen die Ulmer auch aus der Distanz und enteilten fast mühelos. Beim 50:31 (16.) bat Freyer zur Auszeit, an der klaren Unterlegenheit beim Rebound (28:53), den Defensivlücken und zahlreichen Offensivfehlern änderte das nichts.

Negativmarke eingestellt

Schon zur Pause war klar, dass die mit zwölf Akteuren durchrotierenden Ulmer um Raymar Morgan und Chris Babb ihren Startrekord auf zehn Siege ausbauen und die Gäste die eigene Negativmarke von zehn Niederlagen einstellen würden. Nach dem aus Phoenix-Sicht desaströsen dritten Viertel (33:11) stellten die Gastgeber zudem nicht nur einen neuen Punkterekord in ihrer Arena (bisher 105 Zähler) auf. Zugleich sorgte auch der Korbleger von Ulms Youngster David Krämer drei Sekunden vor der Schlusssirene dafür, dass die bisher höchste Hagener Erstliga-Schlappe - das 62:113 vom 24. November 2012 in Oldenburg - nach knapp vier Jahren abgelöst wurde. Ein statistisches Detail, das an diesem bitteren Abend in der Ulmer Arena niemanden mehr interessierte. „Wir hatten auch schon solche Niederlagen in Zeiten, in denen es uns gut ging“, bemerkte Freyer. In der Saison 2012/13 erreichte man bekanntlich später sogar die Play-Offs.

ratiopharm Ulm - Phoenix Hagen 116:64 (61:41)

ratiopharm Ulm: Ohlbrecht (8), Günther (13, 2/4 Dreier, 6 Assists), Ferner (9, 3/4 Dreier), Morgan (16, 10 Rebounds), Tadda (7), Hobbs (2, 10 Assists), Butler (13, 3/5 Dreier, 9 Rebounds), Babb (16), Rubit (8), Rohwer (4), Braun (16), Krämer (4).

Phoenix Hagen: Bell (17, 1/5 Dreier, 5 Assists), Hess (12, 2/6 Dreier), Dunbar (3), Hass (13, 3/7 Dreier, 5 Rebounds), Keßen (4, 5 Rebounds, 4 Ballverluste), Grof (4, 4 Ballverluste), Godbold (7, 4 Assists), Plaisted (4, 7 Rebounds).

Spielviertel: 29:22, 32:19, 33:11, 22:12.

Teamstatistik: 54:34% Wurfquote, 13/29:7/28 Dreier, 21/27:9/12 Freiwürfe, 53:28 Rebounds, 32:15 Assists, 10:8 Steals, 14:18 Ballverluste, 4:2 Blocks.

Zuschauer: 6200.

 
 

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